Bad Dürkheim Bis zu 70 Stunden für Patienten da

Die ärztliche Versorgung ist in der Region zwar sehr gut, jedoch werden die älteren Hausärzte in ein paar Jahren schwer zu ersetzen sein. Davor warnt die Kassenärztliche Vereinigung in Rheinland-Pfalz. Denn die nächste Generation wolle nicht mehr 60 bis 70 Stunden pro Woche in der Praxis verbringen.
Wenn Dr. Rainer Saurwein über die medizinische Versorgung im Raum Bad Dürkheim Auskunft gibt, dann spricht er von einer „Punktlandung“. Gemessen an der Einwohnerzahl und dem „Versorgungssoll“, das sich unter anderem aus der Altersstruktur und dem Behandlungsbedarf berechnet, werde in der Region mit 28 niedergelassenen Allgemeinmedizinern ein idealer Wert von 102, 7 Prozent erreicht. „Es können sich hier sogar noch zwei weitere Hausärzte niederlassen, ohne dass eine andere Praxis schließen müsste“, erläutert der Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in Rheinland-Pfalz. Erst dann werde die Höchstgrenze von 110 Prozent angekratzt. Liegt eine Region darüber, muss die KV Neuzulassungen in einem Gebiet sperren. Jedoch könne sich die jetzige Situation bald ändern. Denn 28,6 Prozent der Hausärzte in Bad Dürkheim und Umgebung sind schon über 60 Jahre alt, somit müssen in etwa fünf Jahren wie in ganz Rheinland-Pfalz fast ein Drittel der Hausärzte ersetzt werden, um das Versorgungsniveau zu erhalten. Doch das sei kaum zu schaffen. „Es ist fraglich, ob die junge Ärztegeneration bereit ist, 60 bis 70 Stunden in der Woche in der eigenen Praxis zu verbringen“, ist Saurwein skeptisch. Die meisten jungen Ärzte würden heute bereits eine Festanstellung bevorzugen, um Familie und Beruf besser miteinander vereinbaren zu können. Hinzu komme, dass bei einer heutigen Übersorgung in einem Gebiet – dies ist im Raum Neustadt/Bad Dürkheim bei allen Fachärzten der Fall – schließende Praxen künftig nicht mehr ohne weiteres wieder besetzt werden können. Dies sieht das neue Gesetz zur medizinischen Versorgung vor, mit dem sich der Bundestag in der vergangenen Woche in erster Lesung befasst hat (wir berichteten am 6. März auf der „Politik“). Ärzte sollen stattdessen Anreize bekommen, sich in strukturschwachen Regionen niederzulassen. „Dabei wird nicht bedacht, dass der Behandlungsbedarf der Bevölkerung durch die steigende Zahl älterer Menschen zunehmen wird“, warnt Saurwein. Und gibt zu bedenken: „Die Ärzte langweilen sich ja heutzutage trotz Überversorgung nicht.“ Diese Meinung teilt Dr. Roland Wernz, Allgemeinmediziner in Ellerstadt. „Wenn man schaut, wie viele Leute wir täglich durch unsere Praxis schleusen, dann kann man eigentlich nicht von einer Überversorgung sprechen.“ Der Ansturm sei speziell jetzt in der Grippezeit „kaum zu bewältigen. Die Ärzte, die heute praktizieren, die brauchen wir auch“, bekräftigt Wernz. Schließlich sei der Hausarzt auch stark in die Behandlung eines Facharztes eingebunden. „Da helfen wir notfalls auch, wenn dringend ein Termin gebraucht wird.“ Jedoch seien die Wartezeiten in der Region Bad Dürkheim generell nicht lange. Dies betätigt Dr. Michael Zaczkiewicz, Facharzt für Augenheilkunde in Bad Dürkheim. „Patienten und Ärzte leben hier wie auf einer Insel der Glückseligen“, sagt er. Dies betreffe das ganze Spektrum der Fachmedizin. Die Pläne der Koalition in Berlin, künftig Terminservicestellen einzurichten, die Patienten innerhalb von vier Wochen einen Termin bei einem Facharzt vermitteln, seien hier in der Region nicht nötig. „Notfälle nehme ich sowieso immer noch am selben Tag dran.“ Gelassen sieht der Dürkheimer Allgemeinmediziner Hubert Baumann die Entwicklung. „Kein Arzt wird sich Sorgen machen müssen um seine Praxis“, ist er sicher. Es sei auch nicht richtig, wenn die junge Generation als nicht so arbeitseifrig dargestellt werde. „Unsere jungen Kollegen sind mit Schwung und Energie bei der Sache“, versichert er. Der 65-Jährige, der noch nicht ans Aufhören denkt, ist überzeugt, dass die medizinische Versorgung auch in Zukunft gesichert ist. Womöglich werde aber das Internet bei Bagatellbehandlungen eine größere Rolle spielen. „So schlimm wird es nicht werden“, beruhigt er. Dass der klassische Hausarzt schon eine aussterbende Art ist, glaubt dagegen Volker Gaus, Allgemeinmediziner in Freinsheim, der zuständig ist für die Organisation der Notfalldienstzentrale im Gebäude des Evangelischen Krankenhauses in Bad Dürkheim. Dass in den nächsten Jahren eine ganze Reihe von Ärzten in den Ruhestand gehe, werde ihm beim Betrachten seines beruflichen Umfelds deutlich bewusst. „Ich bin jetzt 62, werde auch noch ein paar Jährchen weitermachen. Aber wenn ich mich bei den Kollegen umschaue, dann muss ich sagen: Wir sind doch alle ganz schön alt geworden“, stellt Gaus fest. Auch werde der Generationswechsel nicht 1:1 funktionieren. Dies bedeute jedoch noch lange nicht, dass dadurch die medizinische Versorgung leiden werde. So werde es künftig sicherlich mehr Ärztehäuser geben. „Ein Ärztemobil, das hier übers Land fährt, um die Leute zu versorgen, werden wir auch in Zukunft nicht brauchen“, ist Gaus überzeugt.