Fußball
Bezirksliga Vorderpfalz: Drama und großes Kino im Abstiegskampf
Was sich am Pfingstsonntag neben dem Ludwigshafener Hauptbahnhof ereignete, war ganz großes Kino. Bis acht Minuten vor dem Abpfiff des Bezirksligaspiels zwischen ESV Ludwigshafen und SV Weisenheim am Sand hatte wie erwartet der VfR Frankenthal den Klassenerhalt sicher. Dann war ein paar Minuten lang der SV Weisenheim gerettet, beim Ablauf der regulären Spielzeit schien ein Entscheidungsspiel zwischen dem SVW und Frankenthal unausweichlich. Doch in der vierten Minute der Nachspielzeit traf Besart Hyseni zum 3:2-Endstand für die Gastgeber und sicherte damit dem ESV den Verbleib in der Bezirksliga Vorderpfalz. SV Weisenheim am Sand und VfR Frankenthal steigen dadurch in die A-Klasse Rhein-Pfalz ab.
Von Anfang an war klar, dass diese Begegnung des letzten Spieltags für den Weisenheimer Bernd Lindenau eine ganz besondere sein sollte. Zum einen ist Gastgeber ESV Ludwigshafen sein Heimatverein gewesen. „Fußball und der ESV, bei dem ich noch passives Mitglied bin, das war mein Vater. Deshalb gibt es für mich keine andere Option, als zu spielen“, sagte Bernd Lindenau zuvor.
SV Weisenheim führt 2:0
Im rechten Weisenheimer Mittelfeld bot er in der ersten Hälfte eine Glanzleistung, die er in der 28. Minute auch mit dem 1:0-Führungstreffer krönte. Mit einem raffinierten Schuss von der rechten Seite, der knapp unter der Latte einschlug, verblüffte er ESV-Torwart Tobias Thomas. Nur vier Minuten später stand es bereits 2:0 für die Gäste. Wieder war Lindenau daran beteiligt. Von rechts spielte er Rainer Stork an, letzterer leitete den Ball zu seinem Sturmpartner Lukas Löffel, der eiskalt abschloss, weiter.
Der Zwei-Tore-Vorsprung des SVW war verdient. Das Offensivspiel der Gastgeber war leicht zu berechnen, sie versuchten fast immer, mit hohen Pässen über den links zwar oft freistehenden, aber zu ungefährlichen Florent Ahmeti zum Erfolg zu kommen. ESV-Coach Frank Hoffelder hatte bereits nach dem ersten Gegentreffer Lukas Adamski durch den späteren Siegtorschützen Besart Hyseni ersetzt. Immerhin bot sich Ahmeti in der 44. Minute nach Zuspiel von Kevin Müller die beste Chance zum Anschlusstreffer, aber er scheiterte an SVW-Schlussmann Janik Schäfer.
Überraschende Nachrichten vom Südwest-Platz
Die zweite Hälfte war erst wenige Minuten alt, als bekannt wurde, dass der VfR Frankenthal bei Schlusslicht SV Südwest Ludwigshafen mit 2:0 in Führung gegangen war und das Ergebnis der Begegnung auf dem herrlichen „Rainer Winkler Platz“ des ESV für den Abstiegskampf uninteressant sein könnte. Als Müller nach Linksflanke von Hyseni der Anschlusstreffer zum 1:2 gelang (54.), hielt sich der Jubel der Ludwigshafener Fans und Mannschaft (noch) in Grenzen.
Die Nachrichten, die vom nur wenige Kilometer entfernten Südwest-Platz eintrafen, sorgten dann jedoch für Aufruhr. Kevin Kleins Tor für den SV Südwest zum 1:2 sorgte zunächst nur für Erstaunen, aber als man von Ridvan Salahis Treffer zum 2:2-Ausgleich und der anschließenden Roten Karte für einen Frankenthaler Spieler erfuhr, wurden noch einmal ungeahnte Kräfte frei. Die Freude beim SV Weisenheim, in der Live-Tabelle nun auf dem rettenden 13. Tabellenplatz zu stehen, hielt aber nicht lange an.
87. Minute: Der ESV hatte inzwischen seine Defensive zunehmend entblößt, was zu immer mehr Weisenheimer Konterchancen führte. Bei der größten lief Löffel alleine auf das Ludwigshafener Tor zu, traf aber trotzdem nicht zum erlösenden 3:1. Im direkten Gegenzug traf Jason Reichelt, in der 59. Minute für Celal Yesil eingewechselt, zum 2:2. Obwohl die Kulisse nur 123 Zuschauer betrug, war die Stimmung nun sensationell, erst recht, als bekannt wurde, dass Südwest das ein paar Minuten früher als das beim ESV angepfiffene Spiel durch ein Tor in der Nachspielzeit mit 3:2 gewonnen hatte.
Schicksalsschlag in der Nachspielzeit
Die Rote Karte, die sich Weisenheims Mikail Terzi nach Reichelts Ausgleichstreffer aufgrund einer Frustreaktion einhandelt hatte, ging deshalb fast unter. In der Live-Tabelle waren der SV Weisenheim am Sand und der VfR Frankenthal nun punktgleich, was ein Entscheidungsspiel zur Folge gehabt hätte.
„Wir haben noch sieben Minuten und befinden uns in Überzahl“, schrie Frank Hoffelder auf den Platz, nachdem Schiedsrichter Marcel Kinzel die lange Nachspielzeit angezeigt hatte. Der ESV witterte seine Chance auf den Klassenerhalt. Die vierte zusätzliche Minute war gerade angebrochen, als Hyseni der 3:2-Siegtreffer gelang, der kaum mehr für möglich gehaltene Klassenerhalt des ESV war perfekt.
„Die bessere Mannschaft hat verloren. Dass wir aber keine unserer zahlreichen Chancen zum 3:1 nutzten, haben wir selbst zu verantworten“, kommentierte SVW-Trainer Günther Golfier. Zur Zukunft seines Herzensvereins sagte er nur soviel: „Die Söldner sind jetzt weg.“