Bad Dürkheim
Betrugsmaschen: Falsche Polizisten, vorgetäuschte Liebe
Etwa 1600 Betrugsfälle hat die Kriminalinspektion Neustadt im vergangenen Jahr registriert.
Bei Betrugsdelikten gebe es eine hohe Dunkelziffer, erklärt Andreas Heintz, Leiter der Kriminalinspektion Neustadt. Die Inspektion ist auch für Bad Dürkheim und die Verbandsgemeinden Freinsheim und Wachenheim zuständig. Wucher, etwa durch schwarze Schafe unter den Schlüsseldiensten, Wechselbetrug oder reisende Handwerkerkolonnen, die beispielsweise die Dachrinne zu überhöhten Preisen reinigen und oft ohne Rücksprache austauschten, sind laut Heintz derzeit die am weitesten verbreiteten Maschen, bei denen ohne Telefon oder Internet betrogen wird. Häufig wird jedoch das Telefon zum Tatwerkzeug. „Telefonbetrug verläuft in Wellen. In einer Stadt wie Bad Dürkheim gibt es dann an einem Tag 15 bis 20 Anrufe, dann ist wieder Ruhe“, berichtet Heintz. Die Täter suchten im Telefonbuch gezielt nach bestimmten Vornamen, die ein höheres Alter des potenziellen Opfers vermuten ließen, ergänzt Heintz. Die Spuren führten dann häufig ins Ausland – wenn es überhaupt welche gibt. Denn für die Beamten ist die Aufklärungsarbeit schwierig, auch, weil Betrugsopfer zu lange warteten, ehe sie zur Polizei gehen. „Wenn wir die ersten Fälle gemeldet bekommen, ist es oft schon zu spät“, berichtet Heintz. Im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Bad Dürkheim seien mehrere Maschen verbreitet, wie Peter Strube-Vogt, Leiter Kriminal- und Bezirksdienst, berichtet.
Enkeltrick
„Der Enkeltrick wird langsam durch den falschen Polizeibeamten abgelöst“, sagt Joachim Bossek, Präventionsexperte beim Polizeipräsidium Rheinpfalz. Beim Enkeltrick gibt sich ein Anrufer als Enkel oder enger Verwandter aus, der in Geldnot steckt. Das Geld soll dann aber nicht an den Enkel, sondern an dessen Freund oder Freundin übergeben werden. „Telefonate beginnen immer mit der Frage ,Rate mal, wer dran ist’“, berichtet Bossek. Der Polizist rät, nichts preiszugeben und sich nicht auf ein Gespräch einzulassen. Dann lege der Anrufer häufig auf. Sei man dennoch in ein Gespräch verwickelt worden, sollte man ein persönliches Gespräch mit dem vermeintlichen „Enkel“ vorschlagen. „Das wird nie stattfinden, weil das Opfer natürlich seine Enkel kennt“, sagt der Präventionsspezialist.
Falscher Polizeibeamter
Bei dieser Masche unterscheidet Bossek drei unterschiedliche Vorgehensweisen. Bei der ersten klingelten vermeintliche Polizisten an der Haustür und behaupteten, dass bei den Bewohnern des Hauses eingebrochen worden sei. Diese werden aufgefordert, nachzusehen, ob Schmuck und Bargeld fehlten und dieses zu zeigen. Während der eine Täter das Opfer ablenke, greife der andere zu. Bei einer zweiten Variante wird das Opfer von falschen Polizisten telefonisch darüber informiert, dass in der Nachbarschaft eingebrochen worden sei und ein Teil der Einbrecher noch auf freiem Fuß sei. Die Täter würden mit äußerster Brutalität vorgehen, schildert der falsche Polizist. „Dabei geht es darum, dem Opfer Angst zu machen und so den Druck zu erhöhen“, sagt Bossek. Die „Polizisten“, in manchen Fällen auch falsche Staatsanwälte, raten dem Angerufenen, Geld und Wertgegenstände zusammenzupacken und einem Kollegen zu übergeben, der alles „verwahre“, bis die restlichen Bandenmitglieder geschnappt seien. Bei dieser Masche entsteht oft ein beträchtlicher Schaden: Laut Bossek liegt die höchste Summe, die sich Betrüger im Zuständigkeitsgebiet des Polizeipräsidiums Rheinpfalz auf diese Weise verschafften, bei 170.000 Euro. Durchschnittlich liege der Schaden bei 26.000 Euro. Eine dritte Vorgehensweise sei bislang vor allem in Bayern angewendet worden. Dabei geben falsche Polizisten oder Staatsanwälte vor, dass gegen Mitarbeiter der Bank des Opfers ermittelt würde. Sie fordern die Angerufenen auf, sicherheitshalber ihre Konten aufzulösen und das Geld an Kollegen zu übergeben, bis die Verbrecher dingfest gemacht seien. Der bundesweit höchste Betrag, der auf diese Weise erbeutet wurde, liege bei 680.000 Euro, so Bossek. Die Täter seien in der Regel sehr überzeugend und bauten am Telefon einen immensen Druck auf. „Aber die Polizei wird niemals anbieten oder fordern, Bargeld oder Schmuck zu verwahren. So viele Tresore haben wir gar nicht“, betont Bussek. Die Nummer, die die Angerufenen auf dem Display erkennen, sei generiert. „Die 110 zum Beispiel ist eine Nummer, die nie anrufen kann. Sie kann nur angerufen werden“, betont Bussek.
Romance Scamming
Eine besonders perfide Masche, die vor etwa einem halben Jahr auch im Bereich der Polizeiinspektion Bad Dürkheim angewendet wurde, ist das Vortäuschen einer Liebesbeziehung, das sogenannte Romance Scamming. Dabei geben sich die Täter wie im Fall hier in der Region beispielsweise als US-Soldat aus, der in einem fremden Land stationiert ist. Er gaukelt vor, sich in das Opfer verliebt zu haben und zu ihm nach Deutschland kommen zu wollen. Dafür brauche er aber Geld, um sich – je nach Geschichte – von der Armee freikaufen zu können. „Dabei geht es dann gleich um mehrere Tausend Euro, die irgendwo hin überwiesen werden sollen“, sagt Peter Strube-Vogt. Oft bleibe es dann nicht bei der einmaligen Forderung. Kontakt wird über Dating-Plattformen im Internet, seltener über soziale Netzwerke geknüpft. „Die Dunkelziffer bei dieser Masche ist besonders hoch, weil der Charme bei den Betrogenen groß ist“, weiß Bossek. Die Geschichten seien so individualisiert, dass alles sehr überzeugend wirke, sagt Heintz. „Gefühlt wird das bei uns mehr“, ergänzt der Leiter der Neustadter Kriminalinspektion. Die Täter erbeuteten auf diese Weise oftmals hohe Beträge, manchmal sogar die komplette Altersvorsorge. Weitere gängige Tricks: Die Betrüger geben sich als Microsoft-Mitarbeiter aus, der vorgibt, Support leisten zu wollen und sich so Zutritt zum Computer der Opfer verschafft oder überhöhte Rechnungen für vorgebliche Leistungen wie einen Virenschutz ausstellt. Oder die telefonische Gewinnmitteilung: „Hierbei muss man sich einfach fragen, ob man überhaupt bei einem Gewinnspiel mitgemacht hat“, rät Bossek.