Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Bei Unfallflucht nicht wegschauen

Unfallfluchten gehören auch im Dürkheimer Raum zum Polizeialltag.
Unfallfluchten gehören auch im Dürkheimer Raum zum Polizeialltag.

Bei etwas mehr als jedem vierten Verkehrsunfall in Bad Dürkheim sowie den Verbandsgemeinden Freinsheim und Wachenheim flüchtet der Verursacher. Bis Ende November war das in diesem Jahr 327-mal der Fall. Experten der Polizei erklären, wie man sich in solchen Fällen richtig verhält – und warum ein Zettel an der Scheibe nicht ausreicht.

Ein aktuelles Beispiel: Am Montagabend fährt ein Lkw in Erpolzheim gegen ein Regenrohr – und dann einfach weiter. Schaden: 1200 Euro. Nur einem Zeugen ist es zu verdanken, dass der Lkw-Fahrer ermittelt werden konnte. Der 22-jährige Fahrer gibt später an, den Zusammenstoß nicht bemerkt zu haben. Gegen ihn wird nun wegen Verkehrsunfallflucht ermittelt.

Wie Nadine Bergsträßer, die Verkehrssicherheitsbeauftragte der Dürkheimer Polizei, berichtet, ist die Anzahl der Unfälle und der Verkehrsunfallfluchten in Dürkheim und den Verbandsgemeinden Freinsheim und Wachenheim 2020 zwar etwas zurückgegangen – das sei aber aufgrund der Corona-Pandemie nicht verwunderlich. „Bis Ende November haben wir 1184 Verkehrsunfälle, davon 327 Unfallfluchten registriert. Im Vorjahreszeitraum waren es 1393 Unfälle und 383 Fluchten“, informiert Bergsträßer.

Blechschaden auf dem Supermarktparkplatz

Daniel Mischon, der als stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Bad Dürkheim auch für die Pressearbeit zuständig ist, veröffentlicht die Meldungen der Unfallfluchten regelmäßig im Presseportal der Polizei. „Es geht dabei darum, Zeugen zu ermitteln, die etwas gesehen haben und den Vorfall vielleicht gar nicht direkt zuordnen konnten“, berichtet der Hauptkommissar. Außerdem solle so auch ein gewisser Druck auf den Unfallflüchtigen aufgebaut werden, der am nächsten Morgen die RHEINPFALZ lese und dann zu der Überzeugung gelange, sich lieber doch bei der Polizei zu melden. Mischons Ziel: die Aufklärungsquote, die zurzeit bei etwas mehr als 40 Prozent liegt, weiter zu steigern. Besonders häufig beim Ein- und Ausparken kracht es auch im Dürkheimer Raum auf Supermarktparkplätzen wie etwa im Gewerbegebiet. Zusammenstöße, bei denen ein Außenspiegel abgefahren wird, gibt es laut Mischon vor allem auf engeren Straßen.

Auf die Frage, wie man bei einem verursachten Unfall richtig reagiert, sagt der stellvertretende Inspektionsleiter: Bei kleineren Unfällen, wie beispielsweise dem Abfahren eines Außenspiegels eines parkenden Fahrzeuges, sollte man zunächst versuchen, den Halter über die Befragung der Nachbarschaft ausfindig zu machen. Sollte das nicht gelingen, muss die Polizei telefonisch informiert werden, um den Unfall vor Ort aufnehmen zu können. Wenn es sich um einen Blechschaden, der beim Parken auf dem Supermarktparkplatz vorgefallen ist, handele, könne man versuchen, den Halter über einen Ausruf im Markt zu ermitteln. „Die meisten Märkte sind da sehr hilfsbereit“, so Mischon. Auch hier sei ansonsten die Polizei zu rufen.

Im schlimmsten Fall droht Freiheitsstrafe

Wer dem Geschädigten seine persönlichen Daten auf einem Zettel hinter den Wischer klemmt und den Ort des Geschehens verlässt, kann sicher sein, dass dieses Verhalten wie jede andere Unfallflucht geahndet wird. „Bei einer Verkehrsunfallflucht handelt es sich um eine Straftat, die mit Bußgeldern und im schlimmsten Fall mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren bestraft wird“, so der Hauptkommissar. Die Höchststrafe droht, wenn Personen zu Schaden kommen oder gar getötet werden.

Bei der Suche nach Unfallflüchtigen sind Zeugenhinweise für die Ermittlungen unverzichtbar – daher sollten Bürger nicht wegsehen, sondern Unfallfluchten anzeigen: „Wichtig ist, der Polizei das Kennzeichen, Fahrzeugtyp und Farbe, Uhrzeit und Ort des Geschehens mitzuteilen sowie Hinweise auf den Fahrer oder die Fahrerin zu geben“, erklärt Mischon. Er berichtet, dass Bürger in den vergangenen Monaten vermehrt Beobachtungen, die sie auf Straße gemacht haben, bei der Polizei meldeten. „Wenn es einen einmal selber trifft, ist man ja auch froh, wenn jemand etwas beobachtet hat“, sagt Mischon. Wie etwa beim Fall in Erpolzheim.

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