Bad Dürkheim Bebende Barockmusik
Stehender Beifall zum Auftakt der Internationalen Orgeltage: Organist Thorsten Pech und Trompeter Uwe Komischke überzeugen am Donnerstagabend mit einem kleinen, aber überaus abwechslungsreichen Ausschnitt aus „Europas Musikkunst“ in der Dürkheimer Schlosskirche.
Veranstaltet werden die Internationalen Orgeltage von der Protestantischen Kirchengemeinde und dem Protestantischen Kirchenbezirk Bad Dürkheim. Alle eingeladenen Musiker haben sich international einen Namen gemacht. So auch Komischke, seit 1994 Professor für Trompete an der Hochschule Franz Liszt in Weimar, und Musikdirektor Pesch, überwiegend in Wuppertal und Düsseldorf tätig und als Chorleiter ebenso geschätzt wie als Improvisator an der Orgel. Den Rahmen des aus kurzen Kompositionen bestehenden Programms haben die beiden Musiker mit zwei Barockkompositionen gesteckt: mit dem „Concerto I für Trompete und Orgel“ von Giuseppe Torelli am Anfang und dem „Concerto für Trompete und Orgel“ von Johann Friedrich Fasch als Abschluss. Torelli ist es unter anderem zu verdanken, dass den Part der Instrumentalisten-Gruppen in Anlehnung an die Arien der Oper ein Solist übernimmt. So geben Orgel und Trompete schon mit dem ersten Stück eine Kostprobe von der Variationsbreite des Duos. Fröhlich wie einen Tanz auf der Drehorgel gestaltet Pech den ersten Satz des Torelli-Konzerts, feierliche Akzente setzt dazu die Trompete von Komischke. Beiden glänzen mit Verzierungen der Melodie, ergänzen sich wunderbar beim Largo, dessen tiefe Orgelakkorde die heiteren, leichten Klänge der Trompete abfedert, bevor die Instrumente mit dem Allegro alles Schwere verbannen. Ein glänzender Höhepunkt auch das „Schlusslicht“ mit Johann Friedrich Fasch. Orgel und Trompete umspielen einander, nehmen wechselseitig Tonfolgen auf. Heiter gestalten sie das Allegro, wie von sehnsüchtigem Verlocken getragen das kurze Largo, um schließlich das Allegro moderato nach einem wunderschönen Dialog zwischen den klaren Tönen der Trompete und den weichen Orgelklängen mit einem langen, hellen Ton zu beenden, der im Kirchenschiff nachhallt. Zwischen diese Pfeiler haben die Interpreten fünf kurze Stücke gesetzt, darunter als Beispiele für kirchliche Orgelmusik die sehr abwechslungsreich mit Tonhöhen und Tempi spielende „Obra de Octava Tono“ des Spaniers Sebastian Aguilera de Heredia aus dem 16. Jahrhundert und die Fantasie „Eine feste Burg ist unser Gott“ des Niederländers Jan Swart (1877 bis 1937). Da hebt Pech die strengen Formen mit feinen Verzierungen auf, setzt mit Akkorden so starke Akzente, als wolle er die Grundmauern der Kirche zum Beben bringen; er lässt die niederländische Liebe zu den Carillons – den großen Glockenspielen – durchscheinen und Orgeltöne voller Zärtlichkeit wie zu einem Liebeslied verschmelzen, bevor er mit der dritten Variation des Themas zu einem Aufbrausen von Stärke und Trutz zurückkehrt. Ganz andere Emotionen als mit dem hellen, oft triumphalen Klang der Trompete weckt Komischke mit dem Corna da Caccia, einem kleineren Horninstrument. Nachdenklich und voller Sehnsucht setzt er zum Beispiel das Pastorale für Horn und Orgel des modernen schwedischen Komponisten August Körling um, das weniger durch seinen Tanzcharakter als durch das Instrument Erinnerungen an das in der Barockzeit so beliebte Hirtenlied weckt, und zeichnet bei der Romance op.36 von Camille Saint-Saens Bilder einer unbegrenzten Weite, ganz zart begleitet von der Orgel.