Wachenheim
Bald höhere Abwassergebühren
So lautete der Tenor in der Sitzung des Verbandsgemeinderats am Dienstag. Einstimmig stimmte der Rat dem Wirtschaftsplan für das Abwasserwerk für das laufende Jahr und der Bilanz für 2019 zu. Der diesjährige Wirtschaftsplan sieht einen Gewinn von 70.000 Euro vor, 2019 waren es gut 73.000 Euro. Arnold Nagel (FWG) bezweifelte, ob das angesichts der hohen Investitionen reiche. Bürgermeister Torsten Bechtel (CDU) verwies auf die Rücklagen des Abwasserwerks von etwa 9,6 Millionen Euro. Damit könne vorläufig alles bezahlt werden.
Wirtschaftsprüfer: Neu kalkulieren
Doch der Wirtschaftsprüfer habe empfohlen, die Gebühren neu zu kalkulieren, wenn die geplanten Investitionen an der Wachenheimer Kläranlage angegangen werden. Andreas Berger (FDP) wünschte sich, dass die Gebühren möglichst lange vor den Kommunalwahlen 2024 erhöht werden. Bechtel stimmte ihm zu, doch müsse erst klar sein, wie teuer die anstehenden Arbeiten an der Wachenheimer Kläranlage werden. 2019 musste jeder Bürger im Durchschnitt 170,50 Euro zahlen. Laut Wirtschaftsprüfer übersteigt dieser Betrag die vom Land festgelegte „vertretbare Belastung mit Benutzungsgebühren und Beiträgen“.
Die Bilanzsumme betrug rund 15,3 Millionen Euro. Es fielen knapp 488.000 Kubikmeter Schmutzwasser an. Die Erlöse aus Gebühren für Schmutzwasser, Straßenoberflächenentwässerung und Ähnliches betrugen knapp 2,2 Millionen Euro.
Investitionen in Kläranlagen
Die „gewaltigen Investitionen“ in die Kläranlagen seien nicht nur für den ordnungsgemäßen Betrieb erforderlich, sondern auch für den Umweltschutz und zur Arbeitssicherheit, betonte Bechtel. „Wir haben schon sehr viel getan, aber auch noch viel vor uns“, antwortete Bechtel auf die Frage von Wolfram Meinhardt (FWG) nach dem Stand der Arbeiten. Mit Ausnahme von Ellerstadt seien die Kanalsanierungen abgeschlossen, erläuterte Berger. Dort werde noch in diesem Jahr mit der Sanierung des Kanals begonnen, für die 200.000 Euro vorgesehen sind. Geplant sei das Inliner-Verfahren, sodass keine Straßen aufgerissen werden müssten.
Werkleiter Dirk Bergner verwies darauf, dass sich durch die Ausgaben für die Kläranlagen und das Kanalsystem das Anlagevermögen des Abwasserwerks deutlich erhöht.
Für Arbeiten an der Kläranlage Ellerstadt sind in diesem Jahr 230.000 Euro eingeplant und für das kommende 90.000 Euro. Laut Bergner sollen die Sanierungen der Kläranlagen Ellerstadt sowie Friedelsheim-Gönnheim 2022 abgeschlossen sein. Für die Arbeiten in Friedelsheim-Gönnheim sind in diesem Jahr 300.000 Euro und im kommenden 100.000 Euro vorgesehen. Im Herbst solle mit „dem größten Brocken“, der Kläranlage Wachenheim, begonnen werden. Ein Teil der Arbeiten wie der energetische Ausbau des Faulturms wurde bereits erledigt. Für dieses Jahr sind für die Kläranlage Wachenheim 1,5 Millionen Euro in den Wirtschaftsplan eingestellt, für kommendes Jahr 3,5 Millionen Euro und für 2023 etwa 1,3 Millionen Euro.
Zwei Probleme seien bei allen Sanierungen zu bewältigen, so Bergner. So würden die Baukosten und Materialpreise steigen und die Auflagen immer höher, weshalb sich die Genehmigungsverfahren immer länger hinziehen würden.
Durch Gebühren und Beiträge sollen in diesem Jahr rund 1,9 Millionen Euro eingenommen werden. Insgesamt sieht der Erfolgsplan Einnahmen von 2,2 Millionen Euro, Ausgaben von etwa 2,13 Millionen Euro und damit einen Gewinn von 70.000 Euro vor. Bei der Allgemeinen Entwässerungssatzung gab es eine wichtige Änderung: Faserstoffe und Feuchttücher dürfen nicht mehr in die Kanalisation geworfen werden dürfen. Beide landeten bislang häufig in der Toilette.