Blickpunkt:
Bad Dürkheim: Wie Winzer mit der Corona-Krise umgehen
Beim Dürkheimer Weingut Fitz-Ritter ist die Stimmung natürlich gedrückt. „Wir haben vier Geschäftszweige“, sagt Inhaber Johann Fitz und erklärt: „Der Wein- und Sektverkauf, die Belieferung von Gastronomen, unsere Events wie Hochzeiten, wo wir als Vermieter auftreten, und die Vinothek. Die letzten drei Bereiche sind durch das Virus ganz stark betroffen.“ Aktuell kann das Weingut noch Ware verkaufen. „Weinproben haben wir aber eingestellt. Wir lassen auch nur noch einzelne Kunden in den Verkaufsladen, aber es geht dann nur um Bestellungen und den Verkauf von Waren. Bitter ist, dass wir unser Veranstaltungen nicht durchführen können. Ich muss jetzt erst einmal 50 Hochzeiten absagen. Es gab ja schon viele Buchungen.“
Linderung verschafft dem Weingut ein großer Export-Auftrag aus Finnland. Der Verkauf von Wein halte sich aber in den letzten Tagen in Grenzen. Zu den Hilfsmaßnahmen, die die Regierung beschlossen hat, sagt der Weingut-Inhaber: „Jedes Entgegenkommen, das dazu dient, dass die Liquidität erhalten bleibt, begrüßen wir.“ Kurzarbeit müsse er nicht anmelden, sagt Fitz.
Zweites Standbein bricht weg
Das gleiche erhofft sich auch Michael Wolf vom gleichnamigen Ungsteiner Weingut. „Wir haben ja neben dem Weinverkauf unser Restaurant Honigsäckel als zweites Standbein. Doch das bricht uns in dieser Situation weg“, sagt Wolf und betont: „Die Regierung hat es in der Vergangenheit nicht geschafft, eine Steuerreform zu machen und die Landwirtschaft, den Weinbau sowie die Selbstständigen und Freiberufler zu entlasten. Ich würde mir wünschen, dass das nun schnell passiert.“ Neue Kredite müssten ja auch zurückbezahlt werden. „Das ist natürlich besser als gar nichts“, sagt Wolf, der betont, dass Steuerstundungen für Betriebe, die keine Einnahmen haben, nur ein Tropfen auf den heißen Stein sind. Eine Idee hat er: „Die Leute könnten doch einfach auf ihre Bank, einen Mietvertrag vorzeigen und dafür mal für einen Monat das Geld vom Staat bekommen.“ Wolf betont weiter, dass derzeit im Weinberg nicht so viel zu tun ist. „Da haben die Spargelbauern aktuell sicherlich größere Probleme. Bei uns fängt alles im Mai an.“ Das Weingut hat zahlreiche treue Arbeitskräfte aus Polen. „Die bauen ihren Urlaub gerade ab, haben zugesagt, dass sie wieder kommen. Aber die Lage hat sich ja nun noch verschärft, nachdem das Innenministerium die Einreise für Saisonarbeitskräfte verboten hat“, sagt Wolf.
Hoffen auf Online-Verkauf
Das Weingut Gabel in Herxheim am Berg beliefert Gastronomie in der Region. „Die tun mir gerade richtig Leid, viele haben investiert, sich verschuldet, bei denen bricht jetzt gerade alles ein“, sagt Inhaber Oliver Gabel und ergänzt: „Es ist derzeit noch schwer abzuschätzen, welche Auswirkungen das alles für uns hat. Klar ist, dass diese Maßnahmen langfristig auch uns schwere Probleme machen werden. Wir haben 20 bis 25 Prozent Absatz bei der Gastronomie.“ Dass die Aufträge wegfallen, merke man. Gabel betreibt noch Einzelverkauf: „Aber nur Abholung. Wir machen keine Verkostung mehr, ein Ehepaar kann in den Laden. Aber in den vergangenen Tagen war auch da tote Hose. Ich hatte in der vergangenen Woche ganze drei Kunden.“ Er hofft, den Verkauf übers Internet aufrechtzuerhalten. „Wir sind ein Familienunternehmen mit viel Tradition. Wir können diese Krise überstehen. Irgendwann geht alles mal vorbei“, betont Gabel.
Jürgen Krebs vom Weingut Krebs in Freinsheim ist froh, dass sein Betrieb „noch 35 bis 40 Prozent Privatkunden“ hat. „Die halten uns hoffentlich die Treue“, sagt er. Bei der Gastronomie sehe es dagegen schlimm aus. „Ich bin momentan froh, dass ich in Deutschland lebe. Jetzt kann der Staat beweisen, was er kann und wie wichtig ihm die Wirtschaft ist.“ Die Ungewissheit, wie lange die aktuelle Situation anhalten wird, macht auch ihm zu schaffen. „Es ist schon deprimierend. Man überlegt sich: Macht es noch Sinn für den Herbst Fasswein zu verkaufen? Muss man sich die Arbeit dafür machen, wenn sowieso niemand einkauft?“ Er will aber optimistisch bleiben: „Ich sage mir immer: Wein wird getrunken, wenn man traurig oder fröhlich ist. Wir wollten schon vor der Krise unseren Onlineshop aufbauen, das intensivieren wir aktuell ganz besonders.“
Dass die Gastronomie derzeit geschlossen ist, ist auch für Heike Darting vom Dürkheimer Weingut Darting ein Punkt, der Sorgen bereitet. „Bei uns ist es so, dass wir noch Postpakete machen. Aber da wollen die Leute es doch sehr gestückelt“, sagt Darting. Das heißt: Statt beispielsweise sechs Flaschen Riesling wollen die Kunden von jeder Sorte jeweils ein Produkt. „Anfang des Jahres haben wir noch nach China und in die USA exportiert. Das passiert momentan nicht mehr“, erklärt Darting und sagt: „Die Arbeit bei uns ist aber natürlich noch da. Allerdings haben wir Saisonarbeiter, die jetzt schon früher nach Hause sind, dann haben wir Saisonarbeiter, die nicht nach Hause können, ohne in Quarantäne zu kommen.“ Auch sie wünscht sich Hilfen. „Die Banken sind derzeit echt gut. Aber da sind ja zum Beispiel noch die Sozialversicherungen, da würde ich mir auch Aufschübe der Zahlungen wünschen. Das sollte doch auch machbar sein.“
Warten auf den 19. April
„Die Lage ist auch für uns natürlich sehr unsicher“, sagt Rüdiger Damian, Prokurist bei der Dürkheimer Winzergenossenschaft „Vier Jahreszeiten“. Die Produktion laufe aber erst einmal ganz normal weiter. Die „Vier Jahreszeiten“, die momentan rund 60 Beschäftigte haben, beliefert Getränkegroßhändler und regionale Weinstuben. „Da spüren wir die Auswirkungen der aktuellen Situationen natürlich sehr stark“, so Damian, der betont: „Wir haben in guten Zeiten gut gewirtschaftet, wollen nun erst einmal mit Freizeitabbau bei unseren Beschäftigen über die Runden kommen. Allerdings: Wir warten auf den 19. April, das ist ja so das magische Datum. Wenn bis dahin keine Entspannung eintritt, dann werden wir wohl um andere Maßnahmen nicht herumkommen.“
„Wir versuchen derzeit mit kostenlosem Versand ein wenig die Verluste zu kompensieren. Wir haben ja einen Online-Shop. Aber da wir sehr auf die Belieferung der Gastronomie und Exporte ins Ausland setzen, ist das eine sehr harte Situation für uns“, sagt Vincent Eymann vom gleichnamigen Gönnheimer Weingut. „Die Leute können nicht mehr ins Restaurant. Wir hoffen, dass sie jetzt zu Hause ein bisschen mehr trinken“, betont er, macht aber klar: „Lange können wir das so nicht mehr aushalten.“
Die Sektkellerei Schloss Wachenheim meldet auf Anfrage der RHEINPFALZ, dass die Produktion „den Umständen entsprechend normal“ weiterlaufe. Der Verkauf an den Kunden sei eingebrochen, dafür habe der Onlineverkauf in den vergangenen Tagen stark zugenommen.