Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Bad Dürkheim: Schule wird wegen Corona digital

Die Schulen im Land sind derzeit geschlossen.
Die Schulen im Land sind derzeit geschlossen.

E-Learning, also das Lernen mit Hilfe digitaler Medien, wird durch die Corona-Krise gerade einem Praxis-Test unterzogen. Denn die Lehrer an den geschlossenen Schulen wollen ihre Schüler mit Arbeitsaufträgen versorgen. Doch werden die Hausaufgaben auch kontrolliert? Und wie läuft es mit der Notbetreuung?

„Die Berührungsängste werden jetzt vielleicht abgebaut“, sagt der Leiter der Carl-Orff-Realschule plus, Achim Walk, zum digitalen Lernen. Mit Hilfe der landesweiten Plattform „Moodle“ stellen die Lehrer der Realschule ihre Unterrichtsmaterialien ins Netz. Falls der Server aufgrund der großen Zugriffe nicht zusammenbricht, können die Schüler die Arbeitsaufträge von zu Hause abrufen und auch erledigt wieder hochladen. „Es wird aber kein Kind Nachteile haben, das über die technischen Voraussetzungen nicht verfügt“, betont Walk. Jedoch sei es eigentlich so, dass die Schüler selbst Vorschläge zum digitalen Unterricht machen: „Von einem Lehrer habe ich erfahren, dass bereits Video-Tutorials von den Schülern gedreht werden.“ Walk begrüßt auch wegen des Infektionsrisikos, dass bislang noch kein Elternteil wegen einer Notbetreuung in der Schule angefragt habe. Dass die Betreuungsnachfrage noch ansteigen werde, glaubt er nicht.

Ein Kind in Notbetreuung

Am Werner-Heisenberg-Gymnasium gibt es eine Rufbereitschaft von Lehrern, die sich für eine Notbetreuung zur Verfügung gestellt haben. Bislang hat sich noch kein Elternteil angemeldet, trotzdem hat die Schule jeden Morgen zwischen 7.55 und 8.15 Uhr ihre Eingangstür geöffnet, falls ein Kind kurzfristig betreut werden muss, erläutert Rektor Armin Rebholz. Ausnahme ist das mündliche Abitur am Donnerstag und Freitag. Ansonsten versucht Rebholz die Dienstpflicht der Lehrer einerseits und den notwendigen Infektionsschutz andererseits miteinander in Einklang zu bringen. E-Learning praktiziere jeder Lehrer anders. Meist würden die Arbeitsaufträge über „Moodle“ oder per E-Mail an die Schüler verschickt und kontrolliert.

Die IGS Deidesheim-Wachenheim hat derzeit nur ein Kind in der Notbetreuung. Wie Schulleiter Georg Dumont mitteilt, kümmert sich eine Erzieherin, die derzeit ihr Anerkennungspraktikum an der Schule absolviert, um das Kind der 6. Klasse. Notbetreuung gibt es bis zur Jahrgangsstufe 7 nur am Standort Wachenheim. Wegen des Infektionsschutzes organisieren die Wachenheimer Grundschule und die IGS diese Aufgabe getrennt. Dumont rechnet damit, dass die Nachfrage noch ansteigt. Jeder Lehrer habe seine eigene Methode, um mit den Schülern in Kontakt zu treten. Ansonsten könne sich das Kollegium auch endlich mal um die Dinge kümmern, die sonst immer liegen bleiben müssten. Dumont erstellt Listen, um zu dokumentieren, welche Lehrkraft von zu Hause arbeitet und wer wie lange tätig ist. „Wir müssen das nachweisen können.“

Gar keine Kinder werden an der Grundschule Ellerstadt-Friedelsheim-Gönnheim betreut. „Unsere Eltern haben das toll selbst geregelt“, freut sich Rektorin Eva Treusch. Die Lehrer seien zum Teil an der Schule anwesend und stellen Unterrichtsmaterial zusammen. Dieses wird per E-Mail oder per Post verschickt. „Alle schriftlichen Aufgaben werden wir noch vor den Osterferien einsammeln“, kündigt Treusch an. Dazu würden im Pausenhof Tische aufgestellt. Die Lehrer würden die Aufgaben über die Osterferien korrigieren.

An der Grundschule in Weisenheim am Sand werden die Aufgaben am Mittwoch den Eltern in Form von Wochenplänen an der Schule ausgehändigt. „Wir haben ein analoges Päckchen vorbereitet“, erzählt Rektorin Andrea Kühl. Der Rücklauf werde voraussichtlich digital und analog geregelt. „Es wird nicht allen Eltern möglich sein, Arbeitsblätter zu scannen und digital zu verschicken“, vermutet Kühl. Da die Schule eine Projektwoche vor den Osterferien gehabt hätte, müsse nicht so viel Lernstoff nachgeholt werden. Für das eine Kind, das für die Notbetreuung angemeldet war, wurde eine andere Lösung gefunden: „Der Arbeitgeber macht jetzt selbst eine Notbetreuung für die Kinder“, freut sich Kühl.

Keine Anwesenheitspflicht

Auch in Kallstadt habe es nur von einem Elternpaar eine Rückmeldung für eine Notbetreuung gegeben, berichtet Schulleiterin Verena Brunner. Die Eltern hätten dies für diese Woche noch privat regeln können. „Dann man muss man weitersehen“, so Brunner. Den Schülern habe man Lernmaterial mitgegeben, in dem sie frei arbeiten könnten. Eine Kontrolle sei nicht vorgesehen. Wenn Dinge für Schüler nicht verständlich seien, sollten sie es lieber liegen lassen bis nach den Ferien, rät Brunner. Für die Lehrer gebe es keine Anwesenheitspflicht. „Es macht ja keinen Sinn, wenn sie hier in Gruppen zusammensitzen“, findet sie. „Für vier bis fünf angemeldete Kinder“ hält die Grundschule in Weisenheim am Berg derzeit einen Platz frei. Laut Rektorin Sonja Kammermayer halten die Lehrer über E-Mail und die Homepage mit den anderen Schülern Kontakt. „Wir werden punktuell die Eltern bitten, erledigte Arbeiten zu scannen und per Mail oder per Fax zu senden“, so Kammermayer. Am Ende der Corona-Zeit werde alles auf Vollständigkeit kontrolliert. Außerdem sei das ganze Kollegium jederzeit per Mail erreichbar.

Zur Sache: Ein besonderer Abijahrgang

Ein Abijahrgang mitten in der Corona-Krise: 107 Prüflinge am Werner-Heisenberg-Gymnasium und 59 an der IGS Deidesheim-Wachenheim machen unter besonderen Bedingungen ihren Schulabschluss. Am Donnerstag und Freitag ist in beiden Schulen die mündliche Prüfung angesetzt. Dabei muss die Personenanzahl im Prüfungsraum so gering wie möglich gehalten werden. Gäste sind nicht zugelassen.

Prüfer und Prüfkommission müssen auf einen großen Sicherheitsabstand achten. Die Ergebnisse werden den Prüflingen am WHG anschließend einzeln bekannt gegeben, um Gruppenansammlungen zu vermeiden. Danach müssen die Schüler das Gymnasium sofort verlassen, teilte Rektor Armin Rebholz mit. In der IGS werden die Ergebnisse wohl telefonisch am Abend mitgeteilt. Bei Blockprüfungen eines Lehrers wohl noch in der Schule, berichtet Rektor Georg Dumont.

Der Abiball beider Schulen muss leider ausfallen. Die Zeugnisse werden im WHG am Freitag, 27.März, in der Aula übergeben. Laut Rebholz werden die Schüler nach Stammkursen zusammengefasst und ohne sonstiges Publikum halbstündlich nacheinander verabschiedet. Eine Rede des Schulleiters ist nicht vorgesehen.

„Leider muss sogar der Handschlag beim Gratulieren ausfallen“, bedauert Rebholz. Man werde sich trotzdem bemühen, die Übergabe unter diesen Umständen so feierlich wie möglich zu gestalten.

IGS-Schulleiter Dumont wird die Zeugnisse in der Schule und nicht in der Deidesheimer Stadthalle übergeben. Da es in der Schule keine Aula gibt, muss sich Dumont einen anderen Rahmen überlegen. Eine Vorgabe hat er dabei: „Es muss trotzdem noch emotional sein.“

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