Bad Dürkheim
Bad Dürkheim: Roman über Opfer von Diktaturen Thema bei Literatur-Gesprächskreis

Mit ihrem außergewöhnlichen Roman „Sie kam aus Mariupol“ setzt Natascha Wodin ihrer früh verstorbenen Mutter und im weitesten Sinn den Opfern der Stalin- und Hitler-Diktaturen ein literarisches Denkmal. Dieses vielfach ausgezeichnete autobiografische Werk wählte Dorothee Heitkamp-Gieseler für den Literaturgesprächskreis der Stadtbücherei Bad Dürkheim am Dienstag, 24. September, aus.
Von Gerhild Wissmann
Das tragische Schicksal ihrer eigenen Familie verknüpft die Autorin beklemmend authentisch mit den geschichtlichen Abgründen des 20. Jahrhunderts. Als Kind sowjetischer Zwangsarbeiter war sie 1945 in Fürth zur Welt gekommen und in Lagern für „displaced persons“ aufgewachsen. Ihre Mutter überlebte zwar das Grauen von Krieg, Diktatur und Verschleppung, zerbrach jedoch an ihrem Schicksal. Als sie sich 1956 das Leben nahm, ist das Mädchen elf Jahre alt und kennt von ihrer Mutter nicht viel mehr als den Namen Jewgenia und den der ukrainischen Stadt, aus der sie stammte: Mariupol. Ein halbes Jahrhundert später beginnt Wodin mit einer höchst komplizierten Spurensuche, an deren Ende der vierteilige Roman steht, der eindrücklich Entwurzelung Gewalt und Heimatlosigkeit thematisiert.
Nach Tod der Mutter im katholischen Kinderheim
Nach dem Tod der Mutter schickte der Vater Natascha und ihre jüngere Schwester in ein katholisches Kinderheim. Später flüchtete sie vor seiner Gewalt und arbeitete danach als Telefonistin. Sie absolvierte eine Sprachenschule und lebte in den 1980er-Jahren zeitweise in Moskau. Wodin übersetzte Literatur aus dem Russischen und ist seit 1983 freie Schriftstellerin. Von 1994 bis 2002 war sie mit Büchner-Preisträger Wolfgang Hilbig verheiratet.
In ihrem ein Dutzend Romane, Erzählungen und Lyrik umfassenden Werk thematisiert Wodin bevorzugt die Existenz von Außenseitern in einer für sie fremden Welt. 1983 erschien ihre Erzählung „Die gläserne Stadt“, es folgten unter anderem der Gedichtband „Das Sprachverlies“ sowie die Romane „Nachtgeschwister“ und „Alter, fremdes Land“. Gleichsam als Fortsetzung des unter anderem mit dem Preis der Leipziger Buchmesse von 2017 ausgezeichneten Buches „Sie kam aus Mariupol“ erschien 2018 der Roman „Irgendwo in diesem Dunkel“. Wodin, die in Berlin und in Mecklenburg lebt, erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Hermann-Hesse-Preis, den Adelbert-von-Chamisso-Preis, den Alfred-Döblin-Preis und den August-Graf-von-Platen-Preis.
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Der Literaturgesprächskreis der Stadtbücherei Bad Dürkheim diskutiert am Dienstag, 24. September, 20 Uhr, in der Römerstraße 20 über Natascha Wodins Roman „Sie kam aus Mariupol“. Die Teilnahmegebühr beträgt vier Euro