Bad Dürkheim Bad Dürkheim: Neuer Schlichter für den „Streit am Zaun“

Christl Bastian nach 15 Jahren als ehrenamtliche Schiedsfrau für die Stadt verabschiedet – Kurt Freund folgt nach
Im Amtsgericht Bad Dürkheim wurde gestern die langjährige Schiedsfrau für die Kurstadt, die Juristin Christl Bastian (71), aus ihrem Ehrenamt verabschiedet und Winzermeister Kurt Freund (68) als Nachfolger vereidigt. Amtsgerichtsdirektorin Susanna Braun erinnerte im Beisein von Bürgermeister Christoph Glogger und den Schiedsleuten der Verbandsgemeinden Freinsheim, Wachenheim und Deidesheim an Bastians „freundliche, aber bestimmte Art“. Bei Juristen muss es keinesfalls trocken zugehen. Bei dem Ehrenamtswechsel stieß man nicht nur mit Sekt auf die scheidende Frau und den kommenden Mann an, im Mediatorenraum des Gerichts kamen die beiden Juristinnen Bastian und Braun gar nicht mehr aus dem Plaudern – einmal angesprochen auf die Fälle, die eine Schiedsfrau zu bearbeiten hat und die bei „Misserfolg“ dann bei Gericht landen. Sie erzählten schlicht aus „dem prallen Leben“, wie Braun meinte: von den typischen Nachbarschaftsstreitereien über dicht an der Grenze stehenden Hühnerställen, von ausladenden Hecken und ungewolltem Laub, von theatergleich nachgespielten Szenen zwischen einem starken Raucher und einer Asthmatikerin, von Beleidigungen, von Mobbing im Internet oder auch von Handgreiflichkeiten – alles Fälle, in denen ein Schlichtungsversuch durch eine Schiedsperson entweder zwingend vorgeschrieben oder zumindest ratsam ist, bevor es zu Gericht geht. Auf alle Fälle ist Schlichten günstiger. Mit 20 Euro schon kann ein Streit über den Zaun per Handschlag – zumindest formal – beendet sein. Ein Argument, mit dem auch die Dürkheimerin öfter überzeugte. Zum Beispiel einen türkischen Mann, der laut schreiend ins Rathaus zum Termin geeilt sei und ihr, der blonden Frau, keine Hand geben wollte. Am Ende kam er kleinlaut ins Besprechungszimmer, schaute zwar die Nachbarn, mit denen er überquer lag, nicht an, reichte aber allen die Hand. Ein Vergleich war gefunden, berichtet die 71-Jährige. „Es hörte sich an wie Mord- und Totschlag. Dass das noch mal gut ausgegangen ist, dafür haben mich auch die Damen am Empfang gelobt.“ Die günstige Rechtshilfe verleitete einen Mann gar zu einer besonderen Bitte: „Ich sollte seine Ehe scheiden.“ Da muss Bastian auch heute noch schallend lachen. Dafür sei sie natürlich nicht zuständig. Richtig gefährlich für sie sei es in all den Jahren als Schiedsfrau – von 1988 bis 2003 war sie bereits stellvertretend tätig – jedoch nie geworden. Gezählt hat sie ihre Fälle nicht, im Schnitt habe es aber 15 pro Jahr gegeben, die etwa vier Wochen dauerten. 2017 waren es nur sieben, sechs konnte sie schlichten. Generell würden Nachbarn immer öfter im Clinch liegen, meint Bastian. „Oft hat das weit in der Vergangenheit seine Ursache.“ Wer bei einer Einzugsparty nicht eingeladen gewesen sei, hege Jahre später noch Groll und rege sich bei Kleinigkeiten schnell auf. „Da erlebt man was“, sagt Bastian, die Bürgermeister Glogger als „leuchtendes Beispiel“ für ehrenamtliches Engagement lobte. Eine „natürliche Autorität“ habe ihr die Arbeit erleichtert. Bastian saß zugleich 25 Jahre für die CDU im Stadtrat. Auch Direktorin Braun sprach von einem Glücksfall, da Bastian nicht nur eine geschickte Moderatorin sei, sondern als Juristin so manches als „vorgezogene Gerichtsverhandlung“ erledigt habe. Bastian wird künftig mehr Zeit für die drei Enkel haben. Nachfolger Kurt Freund sprach voller Respekt von großen Fußstapfen. Dabei hat auch der bekannte Winzer so seine Erfahrung. Seit Jahren ist er im Kreisrechtsausschuss sowie Schöffe am Amtsgericht Neustadt und am Sozialgericht Speyer. Er wird seine eigenen Methoden zur Schlichtung finden – mit einem Glas Wein am Zaun der Streithähne?