Bad Dürkheim Bad Dürkheim: Lösung für belasteten Aushub aus Neubaugebiet gefunden

Neubaugebiet aus der Vogelperspektive: Nach Erschließung des Fronhof II beginnen die ersten Grundstückseigentümer mit der Bebauu
Neubaugebiet aus der Vogelperspektive: Nach Erschließung des Fronhof II beginnen die ersten Grundstückseigentümer mit der Bebauung. Ein Problem stellte zuletzt die Entsorgung der ausgehobenen Böden dar. Sie sind durch ein natürliches Arsenvorkommen und Kupfer belastet.

Der Boden im Fronhof II ist mit Arsen und Kupfer belastet. Bisher hatte den Aushub keine Deponie in der Nähe angenommen. Nun gibt es eine Lösung.

Bauherr Christian Wolf schickt es gleich vorweg: Er wolle niemandem Vorwürfe und niemanden verantwortlich machen. Dennoch hat er sich vor Wochen die Frage gestellt, warum es eigentlich 220 Einzellösungen geben müsse, statt einer Gesamtlösung für alle. Die Rede ist vom Neubaugebiet Fronhof II und vom dortigen Problemboden, der durch natürliches Arsenvorkommen genauso belastet ist wie durch die frühere Verwendung kupferhaltiger Fungizide im Weinbau. Da, wo zukünftig Kinder im Garten spielen, wuchsen über viele Jahre Trauben. Die Verwendung von Spritzmitteln war üblich.

Geeignete Deponie erst wieder in Kaiserslautern

Steuerberater Wolf hat im Jasminring ein Grundstück von privaten Anbietern gekauft und will dort seine neue Kanzlei errichten. Der erste Schritt auf diesem Weg stellte ihn vor die Frage, wohin er den Aushub der Bodenklassifizierung Z2 zu bringen habe. Von Behördenseite stand bis dahin fest, dass man derart belastete Böden lediglich auf einer geeigneten Deponie entsorgen darf. Was Wolf überhaupt dazu brachte, das Thema gegenüber der RHEINPFALZ zur Sprache zu bringen, war der Umstand, dass eine solche Deponie nicht in der Vorderpfalz, sondern erst wieder im Kaiserslauterer Kapiteltal zu finden ist. Keine der vorderpfälzischen Deponien konnte mehr Böden dieser Art annehmen. Bei 500 Kubikmetern Aushub kostet der Transport nach Kaiserslautern aber Zeit und Geld. 15.000 Euro Mehrkosten habe sein Architekt errechnet, wenn der Boden in die Westpfalz transportiert und dort deponiert werden müsste. Geld, das nicht in jedem Baubudget von vornherein zur Verfügung steht.

Bisher keine offensive Strategie

Wolf, der inzwischen mit anderen Bauherren im Fronhof II vernetzt ist, wunderte sich, dass es von Seiten der Stadt oder der Kreisverwaltung bisher scheinbar keine offensive Strategie gegeben hat, Bauherren im Fronhof II von sich aus Lösungen anzubieten. „Ich an deren Stelle würde das vorantreiben“, sagte Wolf noch gestern. Bis 2016 war es möglich, solche Böden auf die von der Firma Göbel betriebene Kreisbauschuttdeponie im Dürkheimer Bruch zu bringen. Als diese vergangenes Jahr stillgelegt wurde, blieb nur Kaiserslautern als nächster Standort. Bauherren wie Wolf hätten sich wohl gewünscht – so jedenfalls klingt es an –, dass sich die Stadt, die ja selbst Grundstücke im Fronhof II zu verkaufen habe, sich frühzeitig an einer Problemlösung beteiligt hätte.

Leise Vorwürfe nur zum Teil berechtigt

Die leisen Vorwürfe sind nur zum Teil berechtigt, wie unsere Recherche zeigte. Tatsächlich wurde im Hintergrund an einer solchen Lösung gearbeitet. Nur wussten die Bauherren bisher nichts davon. Das Dürkheimer Bauamt sei mit der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd (SGD) schon länger im Gespräch gewesen, sagte der Erste Beigeordnete Gerd Ester, gestern auf Nachfrage. Man habe das Problem erkannt, als die Kreisbauschuttdeponie geschlossen worden sei. Es gebe schließlich über den Fronhof II hinaus noch weitere Bauherren in Bad Dürkheim. Durch die zügige Erschließung des Neubaugebiets sei der Druck allerdings gewachsen. Er habe zwischenzeitlich sogar darüber nachgedacht, ein städtisches Grundstück für die Lagerung der Böden zur Verfügung zu stellen, sagt Ester.

Es herrscht bereits reger Betrieb

Inzwischen gibt es eine Lösung. Der Abfallwirtschaftsbetrieb des Kreises hat eine Teilgenehmigung von der Oberen Abfallbehörde bei der SGD Süd vorliegen. Sie erlaubt es, den belasteten Boden über den AWB zu deponieren. „Wir haben die Möglichkeit, das aufzunehmen“, sagte Bernd Lache, Technischer Leiter des AWB. Wo, will der AWB dann jeweils steuern. Es herrsche bereits reger Betrieb, nachdem es in der Vorderpfalz schon vorher einen Entsorgungsnotstand gegeben habe. Pro Tonne kostet die Deponierung hier mindestens 15,50 Euro. Lache verweist aber darauf, dass jeder Bauherr zuvor ein vollständiges Bodengutachten anfertigen lassen müsse.

Stadt dürfe nicht werben

Wolf zeigte sich überrascht, als er von der RHEINPFALZ erfuhr, dass eine Deponierung in der Nähe wieder möglich ist. Warum hat die Stadt dies den Bauherren nicht auf kurzem Dienstweg kommuniziert? Ester begründet das damit, dass der Abfallwirtschaftsbetrieb des Kreises einer von vielen Anbietern am Markt sei und man als Stadt nicht für ihn werben dürfe. Was Wolf ebenfalls nicht wusste: Das von ihm beauftragte Baggerunternehmen Philippi war bereits im Bilde über die neuen Möglichkeiten der Deponierung. Juniorchef Philipp Philippi war sich gestern sicher, dass dies seinen Auftraggeben weniger Geld koste als die zunächst geschätzten 15.000 Euro. Info Die rheinland-pfälzische Landesregierung hat in den vergangenen Jahren an zahlreichen Orten Bodenzustandsberichte anfertigen lassen. Einer dieser Berichte aus dem Jahr 2015 thematisiert auf 203 Seiten auch die Bodenverhältnisse bei Bad Dürkheim. Zu finden ist er auf der Seite des Umweltministeriums unter www.mueef.rlp.de.

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