Bad Dürkheim Bad Dürkheim: Hilfe beim beruflichen Wiedereinstieg
„Alles beginnt mit dem ersten Schritt!“: Damit fordern die Bundesagentur für Arbeit und der Bildungsträger CJD Frauen auf, den Wiedereinstieg ins Berufsleben zu wagen, wenn sie wegen der Familienphase oder Pflegezeit pausiert haben. Eines ist klar: Wiedereinstieg ist weiblich.
Die klassische Rückkehrerin hat wegen der Kindererziehung ihren erlernten Beruf über Jahre nicht mehr ausgeübt, zum Teil im Familienbetrieb mitgearbeitet und will nun wieder erste Versuche auf dem Arbeitsmarkt starten, berichten im Gespräch Familientherapeutin Susanne Wagner von der Agentur für Arbeit und CJD-Coach Birgit van Bergen. Auch wenn die Zahl der Teilnehmerinnen nicht erfasst werde, das Angebot werde gut genutzt: „Die Nachfrage bei den Frauen ist da.“ Wenn der erste Schritt gemacht ist, hilft ein engmaschiges Netz von Hilfsangeboten der Agentur für Arbeit in Kooperation mit beauftragten Bildungsträgern, hier dem CJD, bei der Rückkehr in die Berufswelt, wenn sie länger als ein Jahr pausiert haben. „Ein Zurück in den Berufsalltag ist nicht einfach“, sagt Wagner, die selbst Mutter ist. An der von der Agentur geförderten Maßnahme nehmen vereinzelt aber auch Männer teil: Grund sind eine aufgegebene Selbstständigkeit oder auch die Pflege eines nahen Angehörigen, weiß van Bergen: „Das wird immer häufiger.“
Auszug der Kinder
Der Zeitpunkt für den Wiedereinstieg ist beispielsweise der Auszug der erwachsenen Kinder, ein persönlicher Umbruch wie etwa Scheidung oder einfach der Wille nach Veränderung, so Wagner. Gerade in der ländlich geprägten Gegend wie in der Pfalz, engagiere sich die Ehefrau oft im familieneigenen Betrieb: „Wir haben hier viele Winzerbetriebe oder kleine Handwerksunternehmen.“ Da helfen die Frauen oft mit, bauen sich aber keine eigene Erwerbsbiografie auf. Das Team setzt auf die erprobten Instrumente des Bildungsträgers CJD: Seminare sowie Gruppen- und Einzelcoaching zum Herausarbeiten des persönlichen und beruflichen Profils oder eine Berufswegeplanung. Bis zu 12 Frauen können in einer Maßnahme begleitet werden. Auf dem Stundenplan stehen Bewerbungstraining und das Erstellen der eigenen Bewerbungsmappen. Moderne Kommunikationstechniken und Bürosysteme und der Umgang mit Excel & Co. werden erlernt: „Wir geben den Teilnehmerinnen das Fundament mit.“ Außerdem können Zusatzqualifikationen erworben werden, wie etwa für die Arbeit in der Zahnarztpraxis die „Lymphdrainage“.
Praktika helfen
Praktika bei Betrieben helfen, ein realistisches Bild von der neuen Arbeitswelt zu gewinnen. Zuvor werden mit Unterstützung von Fachfrau Wagner die Rahmenbedingungen der oft zitierten Vereinbarkeit von Familie und Beruf abgeklopft: gibt es Hindernisse, wie etwa die Kinderbetreuung, den schlecht ausgebauten Öffentlichen Nahverkehr oder das soziale Umfeld. „Das abzufragen ist das A und O, aber gerade bei der Kinderbetreuung, die auch längere Arbeitszeiten abdecke, hapere es noch gewaltig“, so Wagner. Elementar für ein Gelingen der Aktion Zurück in den Beruf sind die Arbeitsbedingungen beim neuen Brötchengeber: Gibt es flexible Arbeitszeiten, Arbeitsteilung oder Heimarbeitsmöglichkeiten wie „home office“. Das Angebot der Agentur ist kostenfrei. Die Teilnehmerinnen müssen hierzu nicht bei der Arbeitsagentur gemeldet sein. Reingeschnuppert werden kann in den klassischen Büroberuf als kaufmännische Angestellte, aber auch in den sozialen Bereich ins Gesundheits- oder ins Erziehungswesen. Angestrebt würden auch Tätigkeiten in der Gastronomie oder der Produktion. „Wir haben hier die breite Palette“, sagt van Bergen. Anfragen kommen von Frauen zwischen 25 und über 60. Bei den Trainings und den Praktika herrschten reale Arbeitsmarktbedingungen, auch wenn die Maßnahme nur ein Probelauf sei.
"Vom Vier-Mann-Betrieb bis zur BASF"
Hilfreich bei der Suche nach einer neuen Stelle seien vor allem Praktika, und da könne der CJD auf viele Kontakte zurückgreifen: „Wir sind ein Netzwerk und mittlerweile kommen die Betriebe auf uns zu“, freut sich van Bergen über die Akzeptanz unter den potenziellen Arbeitgebern. „Wir vermitteln vom Vier-Mann-Betrieb bis zur BASF!“ Der CJD sehe sich bei diesen Erstkontakten und im Verlauf der Maßnahme als „Schnittstelle“ und Wegweiser für die Frauen: „Wir sind die Bergführer, den Weg müssen die Teilnehmerinnen alleine gehen.“ Wie etwa auch die 34-jährige Lutfije Zuka. Die junge Mutter zweier Jungs im Alter von vier und sieben Jahren, die in ihrem Beruf als Zahnmedizinische Fachangestellte acht Jahre pausierte. Nun arbeitet sie in der Dürkheimer Zahnarztpraxis Dr. Bartel & Kollegen seit Mai 2017 wieder in ihrem erlernten Beruf: „Ich wollte unbedingt zurück, aber es klappte anfangs nicht.“ Erst die Unterstützung durch die Agentur für Arbeit und CJD brachten den Durchbruch. Eine Empfehlung Birgit van Bergens war für beide Seiten die Lösung: Die Dürkheimer Zahnarztpraxis suchte Verstärkung für ihr Team. Die Initiative Wiedereinstieg brachte beide schließlich zusammen und zeige sich nun als Glücksfall. „Nach einem halben Jahr Probezeit war klar, Frau Zuka passt zu uns“, freut sich Bartel. Und Einsteigerin Lutfije Zuka freut sich über das Verständnis ihres neuen Arbeitgebers, etwa wenn es mal mit der Kinderbetreuung hapere: Der 46-jährige Zahnarzt ist selbst Familienvater und weiß, wie es ist...