Bad Dürkheim Bad Dürkheim: Fahren bald die Gondeln wieder?

Wie das Konzept einer neuen Gondelbahn aussieht, präsentiert der Projektträger heute im Dürkheimer Stadtrat. Die neuen Gondeln w
Wie das Konzept einer neuen Gondelbahn aussieht, präsentiert der Projektträger heute im Dürkheimer Stadtrat. Die neuen Gondeln werden wohl moderner als jene aus den Siebzigern sein.

Blickpunkt: Mannheimer Immobilienmakler stellt sich heute als Projektträger der Öffentlichkeit vor – Sitzung im Dürkheimer Haus

Es gibt nur wenige Dinge auf Dürkheimer Boden, über die sich die Bürger so einig waren wie über die Prognose, dass eine Gondelbahn zum Teufelsstein nach 36 Jahren Stillstand wohl nie mehr zu realisieren sei. Nun scheint es anders zu kommen. Heute stellt sich in der öffentlichen Stadtratssitzung (17 Uhr), die wegen des zu erwartenden Publikumsinteresses ins Dürkheimer Haus verlegt wurde, ein Projektträger vor, der die Bahn wiederbeleben möchte. Nach Informationen der RHEINPFALZ handelt es sich dabei um Mathias Hensel, Geschäftsführer von Hensel Immobilien in Mannheim. 

Projektträger ist Mathias Hensel 

Alles schielt auf Tagesordnungspunkt zwei, wenn der Dürkheimer Stadtrat heute zu seiner ersten Sitzung nach der Sommerpause zusammentritt. „Vorstellung und Auswahl eines möglichen Projektentwicklers für die Dürkheimer Gondelbahn“, steht nüchtern in der Betreffzeile der Beschlussvorlage, die eine jahrzehntelange Hängepartie beenden könnte. Wie die RHEINPFALZ gestern recherchiert hat, handelt es sich bei dem Projektträger um den Mannheimer Immobilienmakler Mathias Hensel. Dessen Namen stand exakt vor zwei Jahren schon einmal in der Dürkheimer Zeitung. In einem ganz anderen Zusammenhang allerdings. Er und seine Ehefrau Andrea Gerlach-Hensel spendeten damals 12.000 Euro für einen halbjährigen Intensivsprachkurs für zehn junge Männer aus Eritrea. Gerlach-Hensel – auch das berichteten wir damals – stammt aus Bad Dürkheim. Mathias’ Bruder Thomas betreibt das Weingut Odinstal. So mag sich das Engagement eines Mannes erklären lassen, auf den die Augen nun gerichtet sind. Ihn selbst bekam die RHEINPFALZ gestern nichts ans Telefon. Er unterbreche heute für einen Tag seinen Urlaub für eine Sitzung in Bad Dürkheim, sagte eine Mitarbeiterin Hensels gestern auf Anfrage. Diese Aussage bestätigte letztlich die vorherige Recherche dieser Zeitung.

Auch Geschäftsführer im Fun Forest

Die Urlaubsunterbrechung geschieht wohl, um im Dürkheimer Haus zu erklären, wie er es schaffen will, die Gondelbahn wieder in Gang zu setzen. Und nicht nur das. Wer nach Mathias Hensel sucht, findet dessen Namen auch im Impressum der Abenteuerparks Kandel, Offenbach (Hessen) und Homburg (Saarland). Dort ist er als Geschäftsführer der Fun Forest GmbH aufgeführt, jener Gesellschaft, die etwa in der Südpfalz seit der Eröffnung im Jahr 2006 einen Klettergarten mit 24 Hochseilparcours betreibt, der bisher weit über 400.000 Gäste angezogen haben soll. Über 200 Bäume sind dort auf über sieben Hektar mit etwa 17.000 Meter Stahlseil verbunden. Zur Philosophie heißt es auf der Homepage: „Fun Forest steht für den Erhalt des ganzen Waldes mit all seinen Bewohnern. (...) Wir räumen deshalb dem nachhaltigen Umgang mit allen Ressourcen und dem Schutz von Tieren und Pflanzen rund um unsere Anlagen größten Stellenwert ein. Es ist unser Anliegen, dass sehr viele Kinder und Jugendliche durch den Aufenthalt in unseren Kletterparks wieder einen, schon teilweise verlorenen, Bezug zur Natur zurückgewinnen.“ Kandel als Vorbild auch für das Gelände rund um den Teufelsstein? Möglicherweise nicht in der Dimension wie in Kandel, aber doch im Ansatz. Dass naturnahe Erlebnisse zum Konzept einer wiederbelebten Bahn gehören könnten, war schon Thema, als Altbürgermeister Wolfgang Lutz noch im Amt war und der bisherige Besitzer Peter Schwab noch beteuerte, dass er die Bahn wieder an den Start bringe.

Erste Firmennamen fallen

Wie die RHEINPFALZ nun erfahren hat, soll Hensel in der nicht öffentlichen Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am 22. August sowohl den Firmennamen Doppelmayr wie auch Fly-Line genannt haben. Während Doppelmayr weltweit Skilifte und Gondelbahnen realisiert, hat die italienische Firma Fly-Line ihre Kernkompetenz in Seilsystemen für genannte Hochseilgärten. Der Haupt- und Finanzausschuss – so heißt es in der Presseeinladung zum heutigen Stadtrat – hat sich bereits für einen Projektträger entschieden und empfiehlt dem Stadtrat, diesen für den Eintritt in den Kaufvertrag vorzuschlagen. Dieser werde sein Konzept in der Sitzung vorstellen. Nach RHEINPFALZ-Informationen hat sich ein zunächst interessierter zweiter Projektträger in der Ausschusssitzung nicht vorgestellt. Wie der Beschluss, den der Stadtrat heute fassen soll, letztlich im Wortlaut aussieht, entscheidet sich erst direkt nach der Präsentation. Rein theoretisch könnte mit dem Bau der Gondelbahn umgehend begonnen werden. Laut Stadtverwaltung liegen Baurecht und alle weiteren Genehmigungen für den Betrieb bereits vor. Besitzer Peter Schwab hatte sich im Rahmen eines notariellen Kaufvertrages vom 26. Juni verpflichtet, alle Grundstücke und Rechte, die mit dem Bau und dem Betrieb verbunden sind, an einen von der Stadt zu benennenden Investor zu verkaufen – konkret nun eben jenen Mathias Hensel.

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