Bad Dürkheim
Bad Dürkheim: Das Riesenfass wird zum Kulturdenkmal
MARKANT VON OBEN: Das Dürkheimer Riesenfass ist neben der Saline das bekannteste Wahrzeichen der Kurstadt. Es befindet sich immer noch im Besitz der Nachfahren des Erbauers Fritz Keller. Mittlerweile ist es sogar ein anerkanntes Kulturdenkmal. Doch wie wird es zusammengehalten?
Als das Riesenfass am 1. September 1934 eingeweiht wurde und wie geplant zum Wurstmarkt seinen Betrieb aufnehmen konnte, lagen neun Monate schweißtreibender Arbeit hinter Konstrukteur und Erbauer Fritz Keller und seinen zahlreichen Helfern. In dieser Zeit wurden 178 Fassdauben, die 15 Zentimeter stark und 19 bis 32 Zentimeter breit waren und jeweils aus einem bis zu 40 Meter langen Stamm einer Schwarzwaldtanne herausgearbeitet wurden, zu dem 15 Meter langen und 13,5 Meter breiten Riesenfass verarbeitet. Es hat einen Rauminhalt von 1.700.000 Litern.
Der 1897 geborene Fritz Keller, der als Keller- und Küfermeister gewirkt hat, hatte bei seiner Küfermeisterprüfung im Jahre 1921 die Idee, einmal ein „sehr großes Fass zu bauen, um den Menschen den Wein ein Stück näher zu bringen“, erinnert sich Enkelin Heike Eckardt, die zusammen mit Bruder Fritz Wolff Eigentümerin des Fasses ist. Trotz aller Warnungen von Freunden und Kollegen – Formulierungen wie „Heer uff, Fritz, sunscht werschd bankrott“ waren dabei noch liebevolle Warnhinweise bezüglich seiner „Schnapsidee“ – machte sich Keller Anfang 1934 voller Tatendrang ans Werk. Einer seiner damaligen Helfer war der Zimmermann Hans Stepp.
„Das war damals schon eine Sensation.“
Hans Stepp junior (80) aus Gönnheim hat viel mit seinem Vater über das Fass gesprochen und weiß eine Menge über die damalige Zeit zu berichten. „Das war damals schon eine Sensation, so ein großes Fass zu bauen, viele Leute drängten sich täglich um die Baustelle“, berichtet der ehemalige BASF-Ingenieur für Mess- und Regeltechnik, der darauf hinweist, dass Fritz Keller für den Fassbau kein existierendes Vorbild hatte und sich alle Arbeitsschritte selbst überlegen und ausdenken musste. Der Bau der ersten Hälfte des Fasses und das Einbringen der ersten etwa 90 Fassdauben, die miteinander verschraubt wurden, war dabei noch relativ einfach. Für das Einbringen der restlichen Dauben wurde im Fass ein großes Gerüst gebaut, so dass das Fass allmählich nach oben geschlossen werden konnte. Nachdem die letzte Fassdaube von Fritz Keller und zwei seiner Helfer eingebracht wurde – wobei auch hier das Geheimnis nicht gelüftet werden soll, wie der Küfermeister es geschafft hatte, dass das Fass zusammen gehalten wurde – musste das Gerüst von innen entfernt werden.
Um 20 Zentimeter nach unten gerutscht
„Sämtliche Fassdauben lagen mit ihrem tonnenschweren Gewicht auf dem Gerüst und mein Vater bekam von Fritz Keller und dem am Bau beteiligten Zimmermann Fritz Umminger den Auftrag, das Gerüst zu entfernen“, berichtet Hans Stepp. Sein Vater habe dann zunächst die Axt geschärft, den Fluchtweg aus dem Fassinneren frei begehbar gemacht und dann mit einem Kumpel die tragenden Säulen des Gerüstes gekappt. Dabei sei das Fass um 20 Zentimeter nach unten gerutscht, wobei sich die Dauben richtig ineinander verkeilt hätten. Aber es blieb stehen! „Beide Fritze waren an dem Tag nicht anwesend und sind erst zurückgekommen, als das Gerüst entfernt war und sie das Fass in seiner ganzen Pracht unversehrt bestaunen konnten“, berichtet Stepp, der sich daran erinnert, dass „die Japaner“ in den 50er-Jahren ein noch größeres Fass bauen wollten, das allerdings, als es halb vollendet war, in sich zusammenfiel.
Das Fass wurde selbstverständlich nie mit Wein befüllt, sondern schon immer als Restaurant und Veranstaltungsort betrieben. Wäre es jemals gefüllt worden, hätte ein trinkfester Pfälzer, der täglich zwei Schoppen konsumierte, etwa 4650 Jahre gebraucht, um das Fass zu leeren. „Mein Opa war Küfer- und Kellermeister, kein Gastronom und hat das Fass von Beginn an verpachtet“, berichtet Heike Eckardt, die darauf hinweist, dass es seit 1934 bis zum heutigen Zeitpunkt lediglich sechs Pächter gab. Um den Weinabsatz im Fass zum Wurstmarkt 1934 anzukurbeln, hatte Fritz Keller Münzen prägen lassen, die für 30 Pfennig erworben werden und in ein Viertel Wein umgetauscht werden konnten.
Den Status eines Denkmals
Neben dem Fassinneren, das hauptsächlich für Veranstaltungen genutzt wird, hat sich der Restaurantbetrieb in die 1959 angebaute „Bütt“ verlagert, wo 120 Gäste Wein und Pfälzer Spezialitäten genießen können. Das Fass, das 1980 im Innenbereich aufgehübscht wurde und 2005 eine neue Außenfassade bekommen hat, besitzt seit 2019 den Status eines Denkmals. Nach Auskunft der Generaldirektion kulturelles Erbe in Rheinland-Pfalz, Direktion Landesdenkmalpflege, die für die Unterschutzstellung von Kulturdenkmälern verantwortlich zeichnet, geht dies aus einer Vorabinformation, die im Februar 2019 an die untere Denkmalschutzbehörde in Bad Dürkheim versendet wurde, hervor. Damit ist das Dürkheimer Riesenfass ein nach Paragraf 8, Absatz 1,1 des Denkmalschutzgesetztes erkanntes und geschütztes Kulturdenkmal, das auf die Denkmalschutzliste des Landes Rheinland-Pfalz aufgenommen werden kann.
zur serie
Die großen und kleinen Wahrzeichen in der Umgebung mal von einer anderen Seite zeigen – nämlich aus Drohnensicht – soll unsere Serie „Markant von oben“. Wir erzählen in loser Folge Geschichten rund um bekannte und weniger bekannte Bauwerke.