Wachenheim
Babette Haag spielt Marimbaphon
Die Perkussionistin hatte schon 2013 das Publikum begeistert. Zur Eröffnung der diesjährigen Konzertreihe der Wachenheimer Serenade war es dem Vorsitzenden Eckhard Hilgemann gelungen, sie erneut zu verpflichten. Das Marimbaphon ist ein außergewöhnliches Instrument, daher erklärte Babette Haag den Zuhörern zwischen den einzelnen Musikstücken die Spielweise und welche Klangwirkung die verschiedenen Schlägel mit ihren unterschiedlichen Köpfen haben.
Die musikalische Weltreise begann ganz barock mit drei Sätzen der Suite Nr. 4, BWV 1010 in Es-Dur von Johann Sebastian Bach. Sonst als Solo für das Violoncello im italienischen Stil zu hören, führte die Klangfarbe des Marimbaphons zu einer schwerelosen Fröhlichkeit.
Aus Afrika
Stellvertretend für Afrika hatte die Künstlerin bei ihrem Konzert das Werk „Ghanaia“ des deutschen Komponisten Matthias Schmitt ausgewählt. Er versteht sein Werk als Hommage an die Rhythmen Ghanas, die er mit europäischen Musikeinflüssen verbindet.
Die Japanerin Keiko Abe gilt als die weltbeste Marimba-Virtuosin und Komponistin. Sie lehrt das Marimbaphonspiel an der Toho Gakuen School of Music in Tokio und schaffte es, das Instrument als ernstzunehmendes Soloinstrument zu etablieren. Zu dem Stück „Dream of the Cherry Blossoms“ wurde sie 1984 inspiriert als sie das Spiel des Windes in den Kirschblüten beobachtete.
Eingebettet in ein japanisches Volkslied bezaubert die abwechslungsreiche Melodie mit sanften und bisweilen heftigen Klängen. Der amerikanische Komponist Gordon Stout hat sich auf die Marimba spezialisiert.
Tänze aus Mexico
„Two Mexican Dances“ gehört zum Standardrepertoire eines jeden Marimbaspielers. Er verwendet darin Mariachi-Elemente als eine der typischen Facetten der mexikanischen Volksmusik. Als Komposition „mit französischem Akzent“ stellte Babette Haag ein weiteres Werk der Japanerin Keiko Abe vor. Bei der „Tambourin Paraphrase“ werden immer wieder auch die Schlägel in der Luft zusammengeschlagen als Beispiel für die verschiedenen Schlagtechniken. Auch der französische Komponist Emmanuel Séjourné hat einen eigenen Stil entwickelt.
Seine romantische und energische Musik enthält Elemente aus der westlichen Klassik und der Pop-Kultur. „Hombre d'Aout“ ist eine klare harmonische Melodie mit leisen Zwischentönen, die sich schwebend auflösen.
Entspannte Stille
Den unterschiedlichen Klang der Schlägel verdeutlichte Babette Haag bei den „Two Movements for Marimba“. Diese Komposition von Toshimitsu Tanaka gilt als typisches Beispiel für japanische Marimba-Musik. Das virtuose Stück ist aufgeteilt in zwei Abschnitte. Im ersten dominiert ein starker rhythmischer Schlag mit harten Schlägeln, der zweite beginnt mit einem sphärischen Klang, bei dem sich Babette Haag in eine Zauberin der Töne wandelt und zu weichen Schlägeln wechselt.
„Jetzt wieder etwas Gefälligeres“,so kündigt die Künstlerin ein Stück des brasilianischen Komponisten Ney Rossauro an. Das „Preludio No. 1“ klingt sehr melodiös und erinnert an eine träumerische Serenade. Auch das folgende „Little Prayer“ der schottischen Komponistin Evelyn Glennie wird mit weichen Schlägeln gespielt und lädt bei geschlossenen Augen zur meditativen Achtsamkeit ein, die das Publikum in entspannte Stille versetzt. Zum Ende der musikalischen Reise um die Welt entführte Babette Haag die Zuhörer mit Eric Sammuts „Libertango“ (nach Astor Piazolla) nach Argentinien und bewies dabei noch einmal ihre virtuose temperamentvolle Schlagtechnik. Das Publikum dankte ihr für das ausdrucksstarke Konzert mit stürmischem Applaus.