Bad Dürkheim „Auf unsere Wurzeln besinnen“

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Mo’ Blow ist eine der heißesten Jazz-Funk-Bands Europas. Ihre mitreißenden Konzerte sind legendär. Jetzt ist die Band auf Abschiedstour. Sie spielt morgen bei Palatia Jazz auf der Klosterruine Limburg (wir informierten gestern). Wir sprachen mit Bandgründer Felix Falk.

Herr Falk, das ist die Abschiedstour – warum nur?

Och, pffff, das hat verschiedene Gründe. Hauptsächlich, weil jeder von uns auch mal andere Sachen machen will. Jeder hat andere spannende Projekte – aber wir wollten auch nicht mit Mo` Blow weniger machen und erleben, dass wir schwächer werden, nicht mehr so gut eingespielt, nicht mehr so druckvoll. Deshalb machen wir lieber noch mal eine richtig große Abschiedstour mit der neuen CD, dann konzentrieren wir uns auf neue Herausforderungen. Also aufhören, wenn’s am schönsten ist? Ja, vielleicht. Für Jazzmusiker ist ja auch wichtig, immer in Bewegung zu bleiben, sich persönlich weiterzuentwickeln. Nur weil etwas gut läuft, muss man nicht damit stehenbleiben. Wir sind alle Anfang 30 und das ist zu früh, um nur noch an dem festzuhalten, was wir erreicht haben. Könnte das Ende von Mo` Blow damit zusammenhängen, dass euch das Genre Funk zu eng geworden ist? Das wird wohl jeder von uns unterschiedlich bewerten. Klar ist, dass es im Jazz Stile gibt, die freier und spontaner sind, während es im Funk zuerst darum geht, dass es knackig ist, eingespielt und dass es groovt. Da kann man nicht jedes mal 80 Prozent neu erfinden. Aber einen Groove hinzubekommen, wie ihr ihn habt, ist doch auch Kunst? Ja, klar. Da sind wir auch stolz drauf. Aber wir spielen als Band 40 bis 50 Konzerte im Jahr und stehen jedes mal voll dahinter und geben alles. Wir wollen aber nicht so enden, dass wir nur noch fünf Mal spielen und es irgendwann nicht mehr groovt. Für eine Funk-Band seid ihr eine ungewöhnliche kleine Besetzung. Kein großer Bläsersatz, keine Rhythmusgitarre ...? Anfangs hatten wir noch einen Gitarristen dabei. Aber dann haben wir mit der Besetzung, die wir jetzt haben, immer mehr fokussiert. Wir wollten auch nicht wie andere Funk-Bands klingen, sondern etwas ganz eigenes entwickeln. Deshalb spiele ich viele verschiedene Saxofone, Didgeridoo und Percussion, um Abwechslung zu bringen. Andererseits wollten wir auch die anderen Instrumente ausreizen, also zum Beispiel mal gucken, was alles auf dem Rhodes E-Piano geht, ohne Keyboard, das noch Streicherflächen legt. Und während anderswo die Gitarre den Rhythmus macht, haben wir keine. Da müssen eben das Rhodes und der Bass ran. Da spielt Tobi den Bass eben auch mal mit Plektrum. So Ideen sind durch Beschränkung und Konzentration entstanden. Dadurch gibt es für die Einzelnen auch viel mehr Abwechslung, während in konventionellen Funk-Bands jeder seine feste Aufgabe hat. Gibt es aus diesem Entwicklungsprozess der Band und der Musiker etwas, das Sie als Erkenntnis oder Ergebnis als Künstler weiter begleiten wird? Da gibt es bestimmt einiges. Für mich als Saxofonist sind bestimmte Sounds entstanden, bestimmte Effekte, oder die Verwendung des Loopers, die Integration des Didgeridoos ... Dann natürlich die Art, mit dem Publikum umzugehen, da eine Verbindung zu bekommen, die sich für beide Seiten gut anfühlt. Da gibt es ganz viele tolle Erfahrungen. Wie werden die Konzerte der Abschiedstour? Wir wollen uns auf unsere Wurzeln besinnen und zeigen, was wir Vier so erreicht haben. Es wird deshalb auch keine Gastmusiker geben. Dann haben wir die besten Songs aus zehn Jahren dabei und feuern noch mal alles ab. Wir wollen noch mal alles geben. Bei den ersten Konzerten haben wir schon gemerkt, dass da eine ganz besondere Energie entsteht, noch mehr als bisher. Da kommen viele ins Konzert, die uns kennen und noch mal einen richtig tollen Abend haben wollen. Sicher werden viele Leute traurig sein, dass sich die Band auflöst. Können Sie denen vielleicht schon einen Ausblick in die Zukunft geben? Alle von uns arbeiten schon an neuen Projekten, darüber werden wir auch informieren. Pianist Martin Klein arbeitet mit dem brasilianischen Sänger Ed Motta. Bassist Tobias Fleischer hat eine abgefahrene neue Funk-Band namens The Booty Jive, André Seidel (Drummer) ist in Pop-Projekten unterwegs. Und bei Ihnen? Bei mir ist noch nicht so viel passiert, weil ich mich die ganze Zeit um Mo’ Blow gekümmert habe. Aber ich will auch raus aus dem Hamsterrad. Ich will jetzt mit ganzem Herz und Seele die Abschiedstour erleben und nach dem Abschlusskonzert im Oktober in Ruhe überlegen, was ich mache. Aber es wird wahrscheinlich sehr funky bleiben. Das war der Ursprung dieser Band und ohne Funk kann ich nicht.

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