Lichter im Advent RHEINPFALZ Plus Artikel Auf den Spuren der Sterne durch Wachenheim

Schöne Lichtstimmung: die Sterne neben der Kirche.
Schöne Lichtstimmung: die Sterne neben der Kirche.

In Wachenheim geht man während der Adventszeit andere Wege als anderswo: Weg von einem eher geschäftigen Weihnachtsmarkt als Treffpunkt, hin zu individuellen Begegnungen. Diese Möglichkeiten möchten die Wachenheimerinnen Christiane Wolf, Isabel Lübke und Gabriele Popp in der Adventszeit mit den Sternstunden bieten.

Das eigene Leben entschleunigen, andere Menschen unterstützen, denen es nicht so gut geht, miteinander ins Gespräch kommen: Diese Gedanken verbinden Christiane Wolf, Isabel Lübke und Gabriele Popp mit den Wachenheimer Sternstunden, deren Sinnbild die in der ganzen Stadt aufgehängten Herrnhuter Sterne sind. Die Sternstunden wurden 2010 ins Leben gerufen. Christel Heilig gehörte zu den Initiatorinnen, hat sich zwischenzeitlich jedoch zurückgezogen.

Marktplatz als Mittelpunkt

Mittelpunkt der Geschichte ist der Wachenheimer Marktplatz, auf dem zwei mächtige Kastanien stehen. Darin leuchten – im Schatten der Kirche – jeweils mehr als ein Dutzend dieser großen Sterne. Einen Baum stattete die Stadt damit aus, die Sterne des zweiten Baums spendeten Wacheneimer Bürger.

Am frühen Abend gehen Wolf, Lübke und Popp mit etwa einem halben Dutzend Gäste den Spuren dieser Sterne und den Gedanken dahinter in der ganzen Stadt nach. Vor dem Aufbruch weisen sie auf das an der Kirche angebrachte Messingschild des Sternenwegs – Französisch „Chemin des Étoiles“ – hin. Pilgern entlang der Sterne Europas für Toleranz, Humanität, Freiheit, Demokratie, freundschaftliche Begegnungen der Kulturen und Frieden. In dieser europäischen Vision finden sich die Initiatorinnen der Wachenheimer Sternstunden wieder.

Auftakt im Bürgerspital

Die öffentliche Sternstunden-Reihe beginnt jedes Jahr im Bürgerspital, danach trifft man sich auf dem Marktplatz, wo die Sterne, die der örtliche Bauhof zuvor mit dem Hubsteiger in den Bäumen aufgehängt hat, unter vielen „Ahs“ der Besucher angeschaltet werden. Es gibt Sternstunden-Kuchen und Glühwein. Der Serenadenverein veranstaltet zudem ein Adventskonzert, die Kita-Gruppe der Waldameisen besucht die Senioren im Bürgerspital, man backt gemeinsam Plätzchen. Die Kita-Kinder basteln die Weihnachtsdeko für die Räume des Bürgerspitals. Der Kulturverein ist ebenfalls mit diversen Beiträgen an den Sternstunden beteiligt. Über dem Eingang zum Pfarrhaus in der Burgstraße hängt der größte Herrnhuter Stern. „Hoffnungsstern“ nennt ihn Pfarrerin Julia Heller ebenso wie den großen Stern in einem Baum auf dem Friedhof. Er soll Trost spenden, wo es am nötigsten ist.

Neben dem Marktplatz sind im Garten des Bürgerspitals die meisten Sterne aufgehängt. Sie bieten ein prächtiges Bild für die immobilen Menschen, wenn sie aus ihren Fenstern schauen. Der Lions Club hat sie gestiftet.

„Die schönste Sternenstraße“

Für Wolf ist die Bleichstraße die „schönste Sternenstraße“. In einer Privatinitiative haben die Anwohner ihre Sterne mit Tannengirlanden über die Straße gespannt und treffen sich auf einen Glühwein. „Genauso wünschen wir uns das“, betont Wolf und erzählt die Geschichte der Herrnhuter Sterne. Sie stammen aus einem kleinen Ort gleichen Namens in der Oberlausitz und werden heute noch per Hand gefertigt, unter anderem von Menschen mit Beeinträchtigungen. Wachenheim werde wegen seiner vielen Sterne in Aufnahmen der Manufaktur in einem Atemzug mit London und Berlin genannt, freut sich Lübke.

In den dunklen Winternächten sind die Sterne in der ganzen Stadt zu finden. Doch wo bleiben sie den Rest des Jahres? Auch darüber klärt das Trio auf: im Keller des alten Postgebäudes in der Nachbarschaft des Rathauses. Dort baumeln sie an gespannten Seilen von den Decken – bis sie wieder, manchmal auch ausgebessert – aufgehängt werden. Wegen der Energiekrise wurden dieses Jahr weniger Sterne aufgehängt. Der Hofladen Höflich ist die offizielle Verkaufsstelle.

Lichter im Advent

Es ist eine dunkle Jahreszeit, die in diesem Krisenjahr noch ein bisschen düsterer wirkt. Unsere kleine Serie soll ein wenig leuchten.

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