Blickpunkt RHEINPFALZ Plus Artikel Außengastronomie: Die Euphorie hält sich in Grenzen

Während am Wochenende im Hof der Sektkellerei in Wachenheim reger Betrieb herrschte, waren am Montag die meisten Tische unbesetz
Während am Wochenende im Hof der Sektkellerei in Wachenheim reger Betrieb herrschte, waren am Montag die meisten Tische unbesetzt.

Seit Anfang vergangener Woche dürfen Gaststätten in Kommunen, deren Inzidenzwert unter 100 liegt, im Freien wieder öffnen. Wegen der strengen Auflagen haben von dieser Möglichkeit jedoch nur wenige Betreiber Gebrauch gemacht. Doch wie kommen die Angebote bei den Gästen an?

Das Vorweisen eines tagesaktuellen negativen Corona-Schnelltests, der auch vor dem Eintreten in das Lokal gemacht werden kann, ist zurzeit die Eintrittskarte für einen Besuch in der Außengastronomie. Zahlreiche Gastronomen haben sich gegen eine Eröffnung entschieden, da wirtschaftliche, personelle und bürokratische Hürden gegen ein Hochfahren des Betriebs sprechen würden. Diejenigen, die öffneten, haben in den vergangenen Tagen ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Werner Paul vom Le Café in Bad Dürkheim zeigt sich nicht sonderlich zufrieden. „Wir haben seit vergangenem Mittwoch geöffnet und konnten nur vereinzelt Gäste begrüßen. Die Resonanz war bisher sehr mau“, berichtet Paul, der das auch darauf zurückführt, dass die verlangten Testungen doch viele Besucher abschrecken würden.

Wie die meisten seiner Kollegen bietet auch er die Möglichkeit, sich vor dem Café testen zu lassen. Entweder mit eigenen Tests oder einem Test, den der Gastronom zum Selbstkostenpreis an die Gäste ausgibt. „Wir bescheinigen den Leuten das Testergebnis, sodass sie die nächsten 24 Stunden auch andere Lokalitäten aufsuchen können“, sagt der Inhaber, der persönlich davon ausgeht, dass alle Betriebe wegen des steigenden Inzidenzwerts bald wieder schließen müssen. Dennoch wolle er das Café, so lange es geht, offen lassen.

„Die Gäste zeigen Verständnis“

Thomas Papadinas von Thomas Waldweinstube, die zwischen Wachenheim und Forst gelegen ist, hat seine Weinstube am Wochenende geöffnet und zeigt sich mit der Nachfrage der Gäste zufrieden. „Die Maßnahmen haben funktioniert, die Menschen waren sehr diszipliniert und haben auch Verständnis dafür gezeigt, dass der Nachweis des Testes unverzichtbar ist“, berichtet Papadinas, der in der Regel Stammgäste aus der näheren Umgebung begrüßen konnte. „Es war wohl nicht allen bekannt, dass in Rheinland-Pfalz die Außengastronomie auf hat“, betont der Gastronom und fügt hinzu, dass er, so lange es ihm erlaubt sei zu öffnen, auch öffnen werde. „Auch wenn es nur für einen Tag wäre.“

„Ein Dankeschön für die Unterstützung“

Auch in der Sektkellerei Schloss Wachenheim ist der Betrieb im weitläufigen Außenbereich am Wochenende wieder angelaufen. Die Leiterin Direktvermarktung, Heike Kuhly, hat extra zusätzliches Personal aufgeboten, um auch vor Ort die Selbsttests durchführen zu lassen. „Wir hatten den ganzen Hof voll. Die Leute waren glücklich, und jeder war einfach dankbar, dass es jetzt wieder ein Stück weit in ein normales Leben übergeht“, sagt Kuhly, die betont, dass sie im Sektschloss gute Möglichkeiten hätten, auch wenn die Öffnung nicht zu einem wirklich großen wirtschaftlichen Erfolg führte. „Wir sehen es auch als ein Dankeschön für all diejenigen, die uns in den letzten schwierigen Monaten unterstützt haben.“ Das positive Feedback vieler Menschen habe sie darin bestätigt, und auch sie wolle so lange wie möglich am Öffnungskonzept festhalten.

Jochen Frey vom Café Pompöös im Dürkheimer Kurpark sieht die Tests als Hauptgrund dafür, dass viele Leute momentan auf die Außengastronomie verzichten. „Die Leute sehen es nicht ein, so viel Geld für den Test auszugeben, die muss ich dann natürlich wegschicken“, sagt Frey.

Im Pompöös steigen die Reservierungsanfragen

Das Pompöös ist seit vergangenem Mittwoch geöffnet und wurde anfänglich nur zögerlich von Gästen, die im Kurpark unterwegs waren, angenommen. „Jetzt hat es sich aber rumgesprochen, und wir bekommen ständig mehr Reservierungen“, freut sich der Gastronom. Frey hofft, dass ihm ein steigender Inzidenzwert keinen Strich durch die Rechnung macht. Selbst bei kühlerem Wetter können sich Pompöös-Gäste in den Zelten auf der Terrasse aufhalten.„Wenn die Politik nichts anderes beschließt, werden wir auf haben, so lange wir können“, sagt Frey, der den Geschäftsbetrieb zurzeit mit seiner Frau und seinem Bruder Bernd aufrechterhält. Eine „goldene Nase“ könne er sich derzeit zwar nicht verdienen, sagt Frey. Trotzdem sei es gut, wieder unter Menschen zu sein, mit ihnen in Kontakt zu kommen und wieder zu arbeiten, sagt der Gastronom.

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