Bad Dürkheim Appell für mehr Sozialwohnungen

Für so manchen Rentner oder jungen Menschen ist es schwer, an eine Wohnung zu kommen.
Für so manchen Rentner oder jungen Menschen ist es schwer, an eine Wohnung zu kommen.

Gabriele Popp weiß von „frustrierenden Erlebnissen“ zu berichten. Die Wachenheimerin ist in der Flüchtlingshilfe engagiert und hat in den vergangenen Jahren so ihre Erfahrungen bei der Wohnungssuche für Asylbewerber gemacht. Da gibt es zum einen Vermieter mit Vorurteilen – zumeist gegen das Jobcenter, wie Popp betont. Aber auch das knappe Angebot an bezahlbarem Wohnraum spiele mit hinein. Leerstände verschärften das Problem. Bei ihrer Suche nach Wohnungen sei sie noch „kein einiges Mal“ erfolgreich gewesen. Aber das Problem betreffe längst nicht nur Flüchtlinge. Gerade hilft Popp einem älteren Mann auf der Suche nach einer Wohnung. Dabei sei ihr immer deutlicher geworden, dass sich nicht nur Flüchtlinge mit der Wohnungssuche schwer tun. Klein, barrierefrei, zentral und bezahlbar – das sei eben schwer zu finden. 100 Unterschriften gesammelt Diese und andere Erlebnisse haben die ehrenamtlich Engagierten der VG Wachenheim wie Popp und Mitstreiterin Isabel Lübke zu einem gemeinsamen Schritt bewegt. Sie haben in einem Brief an die Räte der Verbandsgemeinde gesammelt, was sie stört und was sie sich wünschen. In dem Schreiben sprechen sie von einem „kaum zu lösenden Problem“. „Wir stellen fest, dass es für Rentnerinnen und Rentner, für sozial Benachteiligte, für junge Menschen und für Geflüchtete nur schwer möglich ist eine Wohnung zu finden und sie auch bezahlen zu können“, heißt es in dem Schreiben, für das sie 100 Unterschriften aus der ganzen VG sammeln konnten. In ihrem Schreiben schildern sie nicht nur die Situation. Sie verbinden damit einen Appell, mit einem Projekt schnell zu beginnen. Gemeint sind die Pläne, die zwei Häuser in der Burgstraße mit jeweils sechs Sozialwohnungen betreffen. Diese sollen abgerissen und neugebaut werden, wobei es konkretere Planungen bislang nur für eines der beiden Objekte gibt. Das Haus dessen baulicher Zustand am schlechtesten ist, soll als erstes Projekt angegangen werden, informiert VG-Bürgermeister Torsten Bechtel (CDU). Die Mieter haben das Haus fast alle verlassen. Abriss und Neubau ist in Planung. Dies sei aber ein langwieriger Prozess: Seit 2017 beschäftige sich Stadt und Verwaltung mit dem Thema, führt Bechtel aus. Er habe die Planungen Ende 2016 als Stadtbürgermeister initiiert. Danach beschäftigte sich der Stadtrat unter anderem mit dem Grundstück, das der Stadt gehört und das in Erbpacht an die VG vergeben wurde. Es geht bei den Diskussionen in den Räten um Fragen der Finanzierung und um die mögliche Gründung einer Genossenschaft. Diese könnte alle betreffenden Wohnungen VG-weit einschließen. Dabei müsse die Genossenschaft nicht Bauherr in der Burgstraße sein, also auch erst nach Baubeginn gegründet werden, so Bechtel. Die Beschaffung bezahlbaren Wohnraums ist eigentlich Aufgabe der Ortsgemeinden, das kann aber auf die VG übertragen werden. Hoffen auf baldige Umsetzung In dem ersten Gebäude in der Burgstraße sollen, wenn alle Fragen geklärt sind, Wohnungen mit Sozialbindung entstehen. Das sind Wohnungen zu einer Höchstmiete von 5,10 Euro für den Quadratmeter. 1,6 Millionen Euro kostet das nach ersten Schätzungen. 480 Quadratmeter Wohnfläche unterschiedlichen Zuschnitts sollen entstehen, damit nicht Großfamilien und Singles auf die immer gleich geschnittenen Wohnungen verteilt werden müssen. So sei es möglich, Menschen „zielgenau“ unterzubringen, so Bechtel. Dass das Gebäude in der Burgstraße sich nach und nach leerte, sei möglich gewesen, weil in der Verbandsgemeinde derzeit „ein bisschen Spielraum“ sei. 2015 habe man aufgrund der vielen Flüchtlinge einige Wohnungen angemietet, nun aber nicht mehr so viele Menschen unterzubringen. Die engagierten Frauen aus Wachenheim kennen die Pläne für den sozialen Wohnungsbau – und die Abläufe. Mit der Unterschriften-Aktion habe man den Bemühungen noch einen Schub geben wollen, sagen Popp und Lübke und hoffen auf eine baldige Umsetzung der Pläne. „Es müssen alle gesellschaftlichen Anstrengungen unternommen werden, um daran zu arbeiten, das Bewusstsein dafür hochzuhalten“, sagt Isabel Lübke.

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