Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel „Annullierung wäre schade für Region“

Der FC Leistadt (graue Trikots) und der TV Ellerstadt belegen Rang eins und zwei der C-Klasse. Eine Annulierung der Saison könnt
Der FC Leistadt (graue Trikots) und der TV Ellerstadt belegen Rang eins und zwei der C-Klasse. Eine Annulierung der Saison könnte die Teams um den Lohn ihrer Leistung bringen. Verständnis hätten die Verantwortlichen dennoch dafür.

Auch bei den drei Vereinen aus der Region, die in der Fußball-C-Klasse Rhein-Mittelhaardt Mitte eingruppiert sind, rollt aufgrund der Corona-Krise kein Ball. Gesehen haben die Trainer Riccardo Coppola (TV Ellerstadt), Michael Möckel (FC Leistadt) und Jens Andrä (TV Gönnheim) ihre Spieler schon länger nicht mehr.

„Wir sind über unsere Whats-App-Gruppe regelmäßig in Kontakt. Dieses virtuelle Miteinander wollen wir beibehalten“, sagt Ellerstadts Coach Riccardo Coppola. Er hat darauf verzichtet, Trainingspläne auszugeben, weil er weiß, dass es im Kader genügend Akteure gibt, die von sich aus etwas machen.

„Ich bin froh, dass die Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbote erlassen wurden. Sie sind wichtig, um die Zahl der Infizierten einzudämmen und sollten beibehalten werden“, betont Coppola. Er hat italienische Wurzeln. Onkel, Tanten, Cousins und Cousinen wohnen in einem Bergdorf auf der Höhe von Neapel, also eher im südlichen Teil Italiens. „Die Menschen dort gehen anders mit dem Virus um. Sie versuchen, das Beste daraus zu machen“, sagt der Trainer. Dass er seine Zeit derzeit zu Hause mit der Familie verbringt, sei kein Problem. „Diese Kultur pflegen wir sowieso schon immer“, verdeutlicht Coppola.

„Würden Saisonabbruch ohne Murren akzeptieren“

Der Übungsleiter, der in ständigem Kontakt mit dem Vorstand und dem Spielleiter des TVE steht, hat sich Gedanken über eine mögliche Fortsetzung der Saison gemacht. „Über allem steht die Gesundheit. Und wenn die Saison abgebrochen würde, dann würden wir das ohne zu murren akzeptieren“, erklärt der 32-Jährige. Rein sportlich gesehen wäre ein Abbruch allerdings ärgerlich, weil Ellerstadt angesichts von nur zwei Zählern Rückstand auf den Tabellenführer aus Leistadt gute Chancen habe, aufzusteigen.

„Vielleicht kann man in dieser Ausnahmesituation das Saisonende über den 30. Juni hinaus verlängern und die neue Runde später starten. Aber klar, da sehe ich unsere Situation und nicht das große Ganze“, räumt der Ellerstadter Coach ein. Der Südwestdeutsche Fußballverband oder der Deutsche Fußballbund müssten eine für alle Klassen gültige Entscheidung treffen. Der Großteil der Spieler des TVE habe für die kommende Saison bereits zugesagt, unabhängig davon, in welcher Liga Ellerstadt spielt.

„Je länger die Pause, desto schwieriger wird es“

Was eine Fortführung der Spielzeit anbelangt, ist Michael Möckel, der 53 Jahre alte Trainer von Spitzenreiter FC Leistadt, eher skeptisch. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass im Amateurbereich weitergespielt wird. Je länger die Pause dauert, desto schwieriger wird es“, glaubt Möckel. Möglicherweise könne man im Jahr 2020 gar keine Partien mehr austragen. Mit dem Vorschlag von Seebachs Spielleiter Moritz Keßler, die aktuelle Runde im Frühjahr 2021 zu Ende zu spielen, kann sich der Leistadter Coach nicht anfreunden. Wobei noch gar nicht klar ist, ob die Durchsetzung von Keßlers Idee überhaupt machbar ist. Zum Beispiel in Bezug auf Wechselmöglichkeiten.

„Eine Annullierung der Saison wäre aus sportlichen Gründen für die Region schade, weil mit Seebach, Weisenheim, Freinsheim, Ellerstadt und uns fünf Teams gute Chancen haben, den Aufstieg zu schaffen“, bedauert Möckel. Keine Absteiger, der Aufstieg der jeweiligen Vorrunden-Tabellenführer und deshalb eine Aufstockung der Ligen wäre nach seiner Auffassung eine mögliche Lösung bei Abbruch. „Meine Mannschaft ist enttäuscht, dass sie wohl nicht den Lohn für eine starke Saison einfahren kann. Aber jeder weiß, dass das Wohlbefinden der Menschen wichtiger ist“, sagt der Übungsleiter des FCL. Vermutlich werden einige Spieler am Saisonende ihre Laufbahn beenden. Mancher würde jedoch im Aufstiegsfalle vielleicht noch ein Jahr dranhängen.

„Im Niemandsland der Tabelle“

Der TV Gönnheim kann der Entscheidung seitens des Fußballverbandes entspannt entgegenblicken. „Wir sind im Niemandsland der Tabelle und spielen weiterhin in der C-Klasse“, erklärt Trainer Jens Andrä. Beim TVG seien alle Abteilungen im Ruhezustand. Die Spieler hätten jetzt quasi eine vorgezogene Sommerpause, Trainingspläne gebe es keine. Der Coach will mit allen Akteuren telefonieren und die Bereitschaft abklopfen, in der kommenden Serie weiter für Gönnheim zu spielen.

„Ich würde mir wünschen, dass keiner wechselt, um den Verein zu unterstützen und sich solidarische zu zeigen. Es wäre schön, wenn wir das gemeinsam durchziehen könnten“, sagt Andrä und hofft, dass wenigstens zwei Drittel des Kaders dem TVG die Treue halten. Für den 51-Jährigen wäre eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs aus sportlichen Gründen wünschenswert, er nennt dieses Szenario jedoch unvorstellbar und unrealistisch. Für die Spitzenteams sei ein Abbruch mit Annullierung der Saison bedauerlich.

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