Sportlerin im Blick RHEINPFALZ Plus Artikel Anneliese Huf ist mit 90 neu im Turnverein

Anneliese Huf im Kurs „Alter in Bewegung“.
Anneliese Huf im Kurs »Alter in Bewegung«.

Anneliese Huf ist mit 90 Jahren dem TV Dürkheim beigetreten. Bewegung sei wichtig, gerade auch im Alter, sagt die Neu-Dürkheimerin, die so auch neue Kontakte knüpfen will.

Hochkonzentriert versucht Anneliese Huf den Anweisungen der Übungsleiterin der Sportgruppe „Alter in Bewegung“ zu folgen. Das liegt nicht etwa daran, dass ihr die Übungen schwerfallen würden, sondern dass sie nicht mehr so gut hört. Deswegen achtet sie genau darauf, was Susanne Müller-Hennicke erklärt und vormacht. Rauf auf den Stepper, runter vom Stepper, seniorengerechte Übungen, die helfen sollen, fit und aktiv zu bleiben.

„Man muss doch in Bewegung bleiben“, sagt sich auch Huf, die im März 91 Jahre alt wird. Dass sie erst jetzt Mitglied im TV Dürkheim geworden ist, liegt daran, dass sie im April 2021 erst nach Bad Dürkheim gezogen ist. 70 Jahre lang hat sie in Maintal-Dörnigheim, in der Nähe von Frankfurt, gelebt. Ihr Haus hat sie verkauft und ist in die Nähe der Tochter gezogen, die schon lange in Bad Dürkheim wohnt. „Ich hätte auch nach Köln zur anderen Tochter gehen können“, erzählt die muntere Dame. Die Kurstadt gefalle ihr aber besser. Es sei idyllischer hier. Dürkheim habe eine schöne Atmosphäre, auch weil es kleiner als ihr bisheriger Wohnort sei.

Schwimmen, Skifahren, Rehasport

Huf war schon immer sportlich. Mit den Töchtern sei sie bei der DLRG gewesen, viel geschwommen und war früher häufig Skifahren. Die Familie hat die gebürtige Ostpreußin allein gestemmt. Ihr Mann ist früh gestorben, da waren die Mädchen drei und noch nicht einmal zwei Jahre alt. Inzwischen sind die Töchter groß und Huf hat mittlerweile zwei Enkel, 18 und 21 Jahre alt. Auch in Maintal war die agile Dame Mitglied im Turnverein, hat sich mit Rehasport fit gehalten. Die Sportlichkeit merkt man ihr auch heute an. Eine 86-jährige Mitturnerin sagt, sie habe selten jemanden gesehen, der in dem Alter noch so fit sei. Dass Huf die Älteste in der kleinen Turngruppe, in der alle über 70 sind, ist, fällt nicht auf.

Sie sei froh, dass auch der Kopf noch so mitmache, sagt die rüstige Rentnerin, die im Seniorenheim An den drei Mühlen eine eigene kleine Wohnung bewohnt. Sie kocht und versorgt sich selbst, möchte noch möglichst lange selbstständig bleiben. Sie rätselt und strickt viel, nur das geliebte Klöppeln, dass sie zu Anfang der Rentenzeit begonnen hat, musste sie aufgeben. Denn für das Klöppelbrett war in der neuen Wohnung nicht mehr genügend Platz. „Das fehlt mir schon sehr“, erzählt sie. Viele ihrer Motive hängen an ihren Wänden und außerdem hat sie noch einen ganzen Koffer voll davon. Huf hat 38 Jahre lang als Bankkauffrau gearbeitet und hatte immer viel Kundenkontakt. Als sie mit 60 in Rente ging, sei das zunächst wie Urlaub gewesen, nach einer Weile habe ihr aber die Ansprache gefehlt.

„Man muss die Initiative ergreifen“

Als geselliger Mensch ist sie nach dem Umzug in die Pfalz aktiv geworden. Sie habe netten Kontakt mit den Nachbarn. „Man muss die Initiative ergreifen und nicht warten, dass man angesprochen wird“, erzählt sie. Das brachte sie auch zu einem Körbeflechtkurs. Auf ihre Bemerkung, jetzt suche sie noch etwas zum Turnen, habe ihr jemand eine Telefonnummer vom TVD gegeben. Sie hätte sich auch ein Fitnessstudio angesehen, aber Übungen an Geräten seien nicht ihrs. „Ich bin ein Vereinsmensch“, verrät sie. Die Seniorin hat auch 50 Jahre lang im Chor gesungen. „Sie ist sehr eifrig dabei“, lobt Müller-Hennicke.

Was geeignetes Training bewirken kann, hat Huf 2018 nach einer Rückenoperation erlebt. Sie saß danach zunächst im Rollstuhl. Dank Physiotherapie wechselte sie zum Rollator, den sie seit zwei Jahren nicht mehr braucht. „Ich laufe jeden Tag, habe das auch mit Rollator gemacht“, betont sie. Die OP habe ihr beinahe eine Reise vereitelt. Sie wollte unbedingt noch einmal nach Föhr, wo sie als Jugendliche zwei Jahre gelebt hatte. Dort war ihre Familie untergebracht, nachdem sie 1945 von einem kleinen Ort nahe Königsberg über das Eis der Ostsee fliehen musste. Damit diese lang geplante Reise mit Töchtern und Enkeln nicht ausfallen musste, organisierten die Töchter kurzerhand einen Rollstuhl in einer örtlichen Apotheke und haben die Mutter überall hingeschoben, wo sie hinwollte.

Vorfreude auf Zeit nach Corona

Die Bewegung sei besonders im Alter wichtig, erklärt die 90-Jährige, die noch älter werden möchte. Mit „Alter in Bewegung“ hat sie offensichtlich die richtige Gruppe gefunden, die Koordination, Dehnung und Kräftigung kombiniert. Huf fühlt sich hier auch menschlich sehr wohl: „Alle gehen aufeinander zu, es ist sehr locker.“ Sie bedauert, dass es wegen Corona noch keine Gelegenheit gab, sich anderweitig zu treffen. Darauf freue sie sich schon, denn sie habe schon gehört, dass die Frauen nach der Turnstunde auch mal gemeinsam was trinken gehen, erzählt sie mit einem Lächeln.

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