Interview RHEINPFALZ Plus Artikel „Anlässe bieten, in die Stadt zu kommen“

Der Tourismus ist auch für die Innenstadt wichtig.
Der Tourismus ist auch für die Innenstadt wichtig.

Pandemie und die hohe Inflation haben den Einzelhandel auf eine harte Probe gestellt. Wie ist die Bad Dürkheimer Innenstadt durch die Krisen gekommen? Alexander Sperk hat mit Wirtschaftsförderer Marcus Brill über vergangene und künftige Herausforderungen gesprochen – und über einen möglichen Ersatz fürs Comedy Festival.

Herr Brill, wie hat sich die Bad Dürkheimer Innenstadt seit dem Abflauen der Pandemie entwickelt?
Generell hat Corona den Online-Handel weiter gestärkt. Umso erfreulicher ist es, dass die Innenstadt in Bad Dürkheim die Krise in meinen Augen gut überstanden hat. Wir haben zwar alteingesessene Geschäfte verloren, ich denke da zum Beispiel an Fernseh Müller, aber auch neue wie das Brautmoden- oder das Lederwarengeschäft dazu bekommen. Für eine Stadt dieser Größe haben wir eine sehr niedrige Leerstandsquote. Es wird häufig vergessen, dass wir nicht Neustadt oder gar Speyer sind, die viel mehr Einwohner und noch dazu ein größeres Einzugsgebiet haben. Sogar eine Bekannte aus München hat kürzlich von den vielen kleinen Geschäften in der Innenstadt geschwärmt.

Was macht eine lebendige Innenstadt aus?
Wir haben hier eine gute Mischung aus Gastronomie, Geschäften, aber auch die Stadtbücherei und die Musikschule. Die Leute haben einen Anlass, in die Innenstadt zu kommen, das ist ein großes Plus. Vieles hängt aber auch vom Tourismus ab, wobei die Zahlen im vergangenen Jahr wieder gut waren.

Was kann die Stadtverwaltung tun, um die Innenstadt attraktiv zu halten?
Erreichbarkeit sichern, für Sauberkeit sorgen, den Gastronomen eine attraktive Außenbestuhlung ermöglichen und – so abgedroschen es klingt – Parkplätze zur Verfügung stellen. Wobei mit dem Radverkehr in den vergangenen Jahren ein neues Thema hinzu gekommen ist. Wir haben mehr Abstellmöglichkeiten für Räder geschaffen, aber es geht auch um die Erreichbarkeit der Innenstadt mit dem Fahrrad, die wir verbessern müssen.

Sie sprachen vorhin den Tourismus an. Manchen Dürkheimerinnen und Dürkheimern ist er bereits jetzt zu viel.
Für uns geht es darum, hochwertigen Tourismus zu forcieren, die Saison zu verlängern. Das hilft auch der Innenstadt. Deswegen haben wir ja die Weinnächte oder den Weihnachtsmarkt. Als wir keinen Weihnachtsmarkt hatten, war die Innenstadt in den Wintermonaten dunkel. Das hat sich durch den Dürkheimer Advent geändert. Wie ich vorhin schon gesagt habe: Wir müssen den Menschen einen Anlass bieten, in die Innenstadt zu kommen.

An der neuen Sondernutzungssatzung, die unter anderem die Außenbestuhlung regelt, gab es ja auch Kritik.
Problematisch ist eigentlich nur der Übergang von Stadt- und Römerplatz. Da müssen Fußgänger und Radfahrer genügend Raum haben, gleichzeitig muss die Nordseite des Stadtplatzes befahrbar sein und es muss auch noch Bestuhlung für die Gastronomie geben. Diesen Bereich müssen wir uns vielleicht noch mal anschauen.

Im Stadtrat haben Sie kürzlich berichtet, dass es in der Innenstadt zunehmend mehr Dienstleister, aber weniger Geschäfte gibt.
Ja, das hat zwei Seiten. Zum einen ist es gut, dass keine Leerstände entstehen. Aber gleichzeitig verschwinden Schaufenster, wenn sich beispielsweise die Kreisverwaltung im ehemaligen Jack-Wolfskin-Laden einmietet oder eine neue Arztpraxis eröffnet. Da muss man irgendwann aufpassen, dass es nicht kippt. Hinzu kommen dann noch Galerien.

Ist das gut oder schlecht?
Das ist positiv, weil die Art Gallery am Stadtplatz oder auch die neuen Ausstellungsräume von Mechthilde Gairing am Römerplatz zum Flanieren einladen.

Ein anderer Punkt, den Sie im Stadtrat angesprochen haben, sind die Nachfolgeregelungen bei einigen alteingesessenen Geschäften.
Ja, in den kommenden Jahren stehen einige Betriebsnachfolgen an. Wir hoffen, dass die Geschäfte weitergeführt werden können. Es ist zum Beispiel wichtig, dass man in der Innenstadt auch weiter Schuhe kaufen kann. Es ist eine große Herausforderung, ein Geschäft zu übernehmen und letztlich müssen auch die Banken bei der Finanzierung mitspielen.

Ein Teil der Strategie der Stadt ist es ja, mit Veranstaltungen Besucher in die Stadt zu locken. Die Ankündigung des SWR, dass es ab 2025 kein Comedy Festival mehr gibt, ist da ein Rückschlag.
Ja, ich sehe das mit zwei weinenden Augen. Zum einen, weil die Zusammenarbeit mit dem Sender sehr, sehr gut war. Zum anderen, weil uns die Reichweite fehlen wird – selbst wenn wir die Lücke inhaltlich füllen könnten.

Gibt es schon Pläne für einen Ersatz?
Wir werden das Comedy Festival nicht eins zu eins ersetzen können. Aber statt einer großen Veranstaltung, die an einem Wochenende Tausende Besucher in die Stadt bringt, lassen sich über das Jahr verteilt vielleicht viele kleine Angebote machen, die jeweils Hunderte Besucher bringen.

Marcus Brill
Marcus Brill
x