Freinsheim RHEINPFALZ Plus Artikel Altes Spital: Förderverein plant Jubiläumsfeier

Im Alten Spital in der Retzerstraße befindet sich das Haus der Jugend.
Im Alten Spital in der Retzerstraße befindet sich das Haus der Jugend.

Das Alte Spital, ein eher verstecktes Freinsheimer Schmuckstück, soll stärker ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken. Wie der Förderverein das erreichen möchte.

Das Alte Spital hat eine wechselvolle Geschichte. Die Familie Retzer hatte das ehemalige barocke Gartenhaus Anfang des 19. Jahrhunderts zu einem Spital erweitert und ausgebaut. Es sollte eine Zuflucht für ältere Mitbürger sein. Im Zweiten Weltkrieg diente es als Unterkunft für sogenannte „Pflichtjahr-Mädchen“. Junge Frauen, vorwiegend aus der Westpfalz, wurden in Freinsheim in der Landwirtschaft ausgebildet und eingesetzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Alte Spital Teil der Schule, später dann ein Obdachlosenasyl.

Gottfried Nisslmüller kennt all diese historischen Details. Als es 2006 hieß: „Das Ding ist in so einem schlechten Zustand, dass es nicht mehr zu retten ist“, sei er hellhörig geworden. „Da hab ich den Vorschlag gemacht: Wir gründen einen Verein“, erinnert sich der ehemalige Freinsheimer Verbandsbürgermeister. Die Eigentümerin, die Retzer-Reibold-Stiftung, sei aber mit einer Sanierung überfordert gewesen. Daraufhin habe die Stadt das Gebäude übernommen. Vom Armenhaus mauserte sich das Spital in der Retzerstraße zu einem Treff der Kulturen und Generationen.

Ein finanzieller Kraftakt

760.000 Euro kostete die Sanierung. Es war für die Stadt ein finanzieller Kraftakt: Letztlich schafft man es aber, das Geld zu beschaffen: Einen Großteil steuerte die Retzer-Reibold-Stiftung (260.000 Euro) bei, 304.000 Euro das Land Rheinland-Pfalz. Für die Stadt blieben 11.000 Euro. 65.000 Euro gab es vom Förderverein „Altes Spital”.

Das Gebäude vor der Sanierung, die 2010 beendet wurde.
Das Gebäude vor der Sanierung, die 2010 beendet wurde.

In neuem Glanz präsentierte sich das Gebäude vier Jahre nach der Gründung des Fördervereins. Heute beherbergt das denkmalgeschützte Gebäude das Haus der Jugend. Eine Etage wird von der Musikschule genutzt. Bis zur Pandemie hat der Förderverein das Spital auch oft als Veranstaltungsort genutzt.

Seufert jetzt Vorsitzender

Gottfried Nisslmüller hat die Führung des Fördervereins mittlerweile abgegeben. Der 88-Jährige übt jetzt das Amt des Ehrenvorsitzenden aus. Seit März steht dem 35 Mitglieder zählenden Verein der Architekt Rüdiger Seufert vor. Zuvor war er ein Jahr lang Nisslmüllers Stellvertreter. Er weiß um die baulichen Mängel des Gebäudes. So fehlt ein barrierefreier Zugang, die Toiletten befinden sich im Untergeschoss. Kleinere Anschaffungen seien aber durchaus finanziell zu leisten. So seien von Mitgliedsbeiträgen neue Tische und Stühle angeschafft worden. Es fehlen aber zum Beispiel ein Beamer und eine Leinwand.

Der 72-Jährige hat insbesondere ein Fest zum 20-jährigen Bestehen des Fördervereins im Blick, das am 20. Juni gefeiert werden soll. Das Programm wird gerade zusammengestellt. Viel Musik und Chorgesang ist laut Seufert geplant. Womöglich kämen bei dieser Gelegenheit auch weitere Spenden für das Spital zusammen, hoffen Seufert und Nisslmüller.

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