Bad Dürkheim Alles außer Avantgarde
Es ist natürlich kein Zufall, dass das Jubiläum der Konzertreihe mit dem der Gemeinde zusammenfällt. Im Jahr 1966 zur 1200-Jahrfeier von Wachenheim gab es ein Festkonzert mit dem Bläserquintett der „Camerata Instrumentale“. Dies brachte den damaligen Stadtbürgermeister Hans Graumann und den Leiter des Kammermusikensembles „Camerata Instrumentale“, Gerhard Koch, auf die Idee, in Wachenheim eine regelmäßige Konzertreihe einzurichten. Beide waren für ein solches Vorhaben prädestiniert. Graumann hatte eine große Nähe zur Musik, war ausgebildeter Bassbariton und wirkte in der Region auch als Solist in Kirchenkonzerten mit. Gerhard Koch war der Solooboist des damaligen Pfalzorchesters, der heutigen Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz. Er hatte seit seinem Eintritt ins Orchester in der Kurpfalz schon etliche Kammermusik- und Vokalensembles geleitet und 1964 die hauptsächlich aus Mitgliedern des Pfalzorchesters, also aus Profimusikern bestehende „Camerata Instrumentale“ gegründet. Man beschloss also, regelmäßig Konzerte unter dem Namen „Wachenheimer Serenade“ zu veranstalten, wobei das Konzert vom 10. Juli 1966 im Nachhinein zur ersten „Wachenheimer Serenade“ erklärt wurde. Im darauffolgenden Jahr waren es schon drei Konzerte, und bald wuchs die „Wachenheimer Serenade“ auf zehn Konzerte an. Seit Jahren sind es nun sieben Konzerte pro Saison, gelegentlich ergänzt durch ein Sonderkonzert. Als Veranstalter fungierte die Stadt Wachenheim. Die Organisation übernahmen vor allem Hans Graumann und seine gesamte Familie selbst, unterstützt von einigen begeisterungsfähigen Mitarbeitern der Stadt – ehrenamtlich, um der Gemeinde Kosten zu ersparen. Die künstlerische Leitung hatte von Anfang Gerhard Koch – ebenfalls ehrenamtlich, versteht sich, und er blieb der „Wachenheimer Serenade“ in dieser Funktion bis zum Jahr 1999 verbunden. Das Konzept hatte von Anfang an großen Erfolg. Die Auftritte regionaler Musiker wurden ergänzt durch Gastspiele national, ja international berühmter Solisten. So gab es gleich im dritten Konzert den Auftritt der großen Pianistin Elly Ney, des Weiteren waren bereits in den ersten Jahren die Sängerin Erika Köth, der Trompeter Rolf Quinque sowie die Geiger Jürgen und Willi Kußmaul zu hören. Der Zulauf war gewaltig, bis zu 700 Besucher kamen. Das Publikum kam nun nicht nur aus der Region, sondern auch aus weiter Ferne angereist, aus Alzey etwa, Heidelberg oder Karlsruhe, auch der damalige Kultusminister Bernhard Vogel kam aus der Landeshauptstadt Mainz nach Wachenheim. Zu einer ersten Krise kam es, als die Stadt sich zunehmend mit dem finanziellen und organisatorischen Aufwand überfordert sah. Als auch noch Hans Graumann – Initiator, Organisator und so etwas wie die Seele der „Wachenheimer Serenade“ – die Stadt verließ, schien das Ende der Reihe besiegelt. In dieser Situation fand eine zunächst kleine Schar engagierter einheimischer und auswärtiger Musikfreunde zusammen, die die „Wachenheimer Serenade“ in Eigenregie weiterführen und die Stadt auch bei den Kosten entlasten wollten. Sie gründeten am 30. Juni 1972 den Verein „Freundeskreis Wachenheimer Serenade“. Seitdem sorgt der „Freundeskreis“ für die Organisation und Durchführung der Konzerte mitsamt Kartenverkauf, Aufstellen und Wegräumen der Bestuhlung sowie Getränkeverkauf in der Pause. Er wirkt auch mit bei der Auswahl der Künstler und Programme. Geführt wir der Verein von einem vierköpfigen Vorstand, der von sechs Beisitzern unterstützt wird. Gründungsvorsitzender war Dr. Sand, ihm folgten als Erste Vorsitzende Elly Himmel und Volker Vogt, seit 2012 hat Eckhard Hilgemann den Vorsitz, unterstützt wird er von den weiteren Vorstandsmitgliedern Dieter M. Poralla, Paul Burger und Robert Schumann. Hauptverantwortlich für die Auswahl von Künstlern und Programmen ist jedoch der Künstlerische Leiter. Gerhard Koch hatte dieses Amt 33 Jahre inne und hat somit die „Wachenheimer Serenade“ maßgeblich geprägt. Ihm folgte 1999 der Geiger Christoph Hertrampf, seit 2014 ist der Trompeter Friedhelm Bießecker Künstlerischen Leiter. Wie seine beiden Vorgänger ist auch er Mitglied der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz und hat hervorragende Verbindungen zur Musikszene, was die Verpflichtung hochkarätiger Künstler ermöglicht. Noch immer folgt man dem bewährten Konzept der Programmgestaltung. Konzerte von kleineren oder größeren Kammerensembles, aber auch Sinfoniekonzerte und selbstverständlich Solorezitals erstklassiger Solisten, dazu Serenadenkonzerte und Liederabende sowie gelegentliche Veranstaltungen, in denen das Unterhaltsame im Vordergrund steht. Man orientiert sich an den Erwartungen des traditionellen Publikums, die Programme entstammen vor allem dem Barock, der Klassik und der Romantik mit gelegentlichen Ausflügen in die Moderne – die Avantgarde bleibt weitgehend ausgespart. Wenn es auch Zeiten gab, in denen es, bedingt vor allem durch das große Konkurrenzangebot in der musikfreudigen Vorderpfalz, an manchen Abenden schwierig war, die Zuhörerreihen zu füllen, sind schon seit längerem wieder fast alle Veranstaltungen gut besucht, viele sind sogar ausverkauft. Von Anfang an wichtig war auch das reizvolle Ambiente, die Spielstätten. Als bevorzugter Spielort kristallisierte sich schon bald die Sektkellerei Schloss Wachenheim heraus, ob nun der schöne Festsaal oder – im Sommer – der lauschige Schlosshof. Die neuen Betreiber der Sektkellerei stellen sie allerdings nur noch für ein Konzert pro Jahr zur Verfügung. Aber es gab auch immer schon andere Spielstätten, die intime gotische Ludwigskapelle etwa oder für das Adventskonzert die Protestantische Kirche von Wachenheim, und in jüngerer Zeit spielt man bevorzugt auf dem Gelände des Weinguts Dr. Bürklin-Wolf, im Alten Kelterhaus, in der Kulturscheune oder auf dem Hof des Weinguts. Dort findet auch morgen, 19 Uhr, das Jubiläumskonzert der „Wachenheimer Serenade“ statt – mit Trompeter Reinhold Friedrich, Geiger Nikolaus Boewer, Oboist Kai Frömbgen und dem Orchester „La Palatina Nova“, die Meisterwerke des Barock spielen. Ein schöner Auftakt für 50 weitere erfolgreiche Jahre „Wachenheimer Serenade“.