Bad Dürkheim Akustischer Orientexpress
Mit rund 70 Gästen bestens besucht war am Freitagabend das Saisoneröffnungskonzert im Badehaisel Wachenheim. Zum beginnenden Frühling hatte das Oriental-Jazz-Ensemble FisFüz einen musikalischen Tulpenstrauß dabei: „Lale“ – auf türkisch „Tulpe“ heißt ihre neue CD, die wie das Zwiebelgewächs Buntes und Vielfältiges versprach.
Das Aufspüren von Verbindungen und Berührungspunkten, Unterschieden und Gemeinsamkeiten sowie das kreative Gestalten von Übergängen in den Musikkulturen unterschiedlicher Ost-West-Provenienzen haben sich die Flensburger Klarinettistin Annette Maye, der türkische Lautenspieler Gürkan Balkan und der deutsch-türkische Multiperkussionist Murat Coskun seit 23 Jahren zur Aufgabe gemacht. Ihr akustischer Orient-Express startete ganz gemächlich mit den zart hingetupften, fast minimalistischen Klängen des ukrainischen Hochzeitstanzes „Kolomeyka“ und nahm zunehmend Fahrt auf. Sehnsuchtsvoll suggestiv war der Dialog von Bassklarinette und Oud (arabischer Laute) in dem Stück eines usbekischen Reisenden aus dem 19. Jahrhundert mit dem Titel „Ich freue mich, wenn sie kommt“. Herbstliches aus Sankt Petersburg steuerte Murat Coskun auf der Hang bei: in dem Stück „Blätterfall“ entlockte er auf dem ufo-artigen Klangkörper seiner metallenen Handtrommel das akustische Szenario zur Erde segelnder Blätter. Herbstliche Sturmböen wischt Coskun mit einem kleinen Rattanbesen auf Rahmentrommeln herbei. Zärtlich gezupfte Klänge zauberte Oud-Spieler Gürkan Balkan aus seiner arabischen Laute. Besonders gefiel der Musiker auch als Sänger mit fein nuanciertem Timbre, etwa in einem Lied aus der Osttürkei, das von der unerfüllten Liebe einer jungen Frau handelte. Ihrer Titelblume der Tulpe haben FisFüz auf ihrer neuen siebten CD gleich mehrmals gehuldigt: etwa in den eleganten Melodielinien des Stückes „Lale“, das Murat-Coskun für seine steeldrumartig klingende Hang komponierte und in einem Frühlingslied aus Aserbaidschan. Darin kokettiert die Tulpe mit ihrer eigenen Schönheit: „Ich habe zwar keine Flügel zum Fliegen, aber ich bin die Königin der Blumen“ und die Musiker zeigten sich hier auch als Gesangstrio von ihrer besten Seite. Höhepunkt des ersten Konzertteils war ein Janitscharenmarsch aus dem 16. Jahrhundert von Ali Uftin, einem gebürtigen Polen, der als Hofkomponist des türkischen Sultans reüssierte. Ähnlich lebhaft starteten FisFüz nach der Pause mit „Tango to go“ (Murat Coskun). Hier konnte sich Klarinettistin Annette Maye zwischen argentinischer Melodramatik, halsbrecherischen Klezmerklängen und freien Improvisationen und im Wechsel zwischen Tenor- und Bassklarinette richtig austoben. Dabei verblüffte die studierte Jazzklarinettistin mit Variantenreichtum und Spielwitz. Vor allem die Musik Georgiens mit ihrer Wehmut und Melancholie habe es ihnen angetan, verrät Murat Coskun nach dem Konzert. Auf Reisen in die Schwarzmeerregion haben die Musiker georgische Traditionen erforscht, Hirtentänze im pulsierenden Sechser-Rhythmus als volkstümliche Miniaturen mitgebracht und daheim dort Vorgefundenes als Inspirationsquelle für Eigenkompositionen genutzt.