Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Adventskonzert in St. Ludwig begeistert Zuhörer

Einen Klangkörper aus rund 70 Sängerinnen und Sängern hat Chorleiterin Charlotte Noreiks geschaffen.
Einen Klangkörper aus rund 70 Sängerinnen und Sängern hat Chorleiterin Charlotte Noreiks geschaffen.

Erzgebirgisches Weihnachtsmärchen trifft auf lyrisches Oratorium: Das Ökumenische Adventskonzert in der Kirche St. Ludwig hat mit einem Programm voller Kontraste überrascht. Und am dritten Advent für volle Kirchenbänke gesorgt.

Mystische Klänge eröffneten das vom Freundeskreis für die Kirchenmusik Bad Dürkheim unterstützte Konzert: Mit „Der kleine Melchior und das Weihnachtskind“ hatte Bezirkskantorin Charlotte Noreiks gemeinsam mit der Kleinen Cantorey ein selten gespieltes Stück einstudiert. Komponiert hatte es der Dresdner Kreuzkantor Rudolf Mauersberger (1189 bis 1971) im letzten Kriegsjahr 1944 aus einer Friedenssehnsucht heraus. Literarische Grundlage ist die gleichnamige Brauchtums-Erzählung des erzgebirgischen Poeten Kurt Arnold Findeisen (1883 bis 1963).

Volle Konzentration gefordert

Der legendenhafte, mit Binnenreimen durchsetzte Prosatext entführte in die weihnachtliche Winterwelt des Erzgebirges. Er beschrieb die romantische Stimmung während einer Christmette unter Bergleuten und den wundersamen Rollentausch des Weihnachtskindes mit einem kleinen Knaben, der als Sänger auftreten sollt, aber verhindert ist. Sprachfluss und Dramaturgie der fantastischen Erzählung hatte Mauersberger im Kriegsjahr 1944 zu berührenden Klangbildern verdichtet.Der Kammerchor interpretierte das streckenweise schwer zugängliche Werk detailgenau und phasenweise mit schwebender Harmonik. Anklänge an alte Weissagungstexte und traditionelle Adventslieder wie „Die Nacht ist vorgedrungen“ und „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ waren zu vernehmen. Das in Stil und Harmonik anspruchsvolle Werk mit seinem altertümlichen Vokabular und ungewöhnlichen Akkorden und Mixturklängen erforderte volle Konzentration nicht nur von den Sängern. Für das musikalische Verständnis erwies sich der Text zum Mitlesen als hilfreich. Nach 20 Minuten gab es zögerlichen Applaus.

Hauptstück des Abends war mit „Oratorio de Noël“ („Weihnachtsoratorium“) von Camille Saint-Saëns (1835 bis 1921) ein Frühwerk, das der Komponist im Jahr 1858 als 23-Jähriger ganz im Lyrismus der französischen Kirchenmusik des 19. Jahrhunderts geschaffen hatte und das zu Lebzeiten des Komponisten weitgehend unbeachtet blieb. In zehn Sätzen verwob Saint-Saëns lateinische Passagen der Vulgata mit Texten aus Psalmen, dem Buch Jesaja und den Evangelien nach Lukas, Matthäus und Johannes. Das pastorale Vorspiel gemahnte an Bach als barockes Vorbild. Erzählendes Rezitativ, volkstümliche Melodik und eine choralartige Homophonie wechseln ab mit expressiven, von Harfenklängen umschmeichelten dramatischen Episoden.

Rund 70 Sängerinnen und Sänger

Als Gemeinschaftsprojekt des Kirchenchors St. Ludwig mit der Kantorei an der Schlosskirche hatte Chorleiterin Charlotte Noreiks das Werk einstudiert und dabei rund 70 Sänger zu einem homogenen Klangkörper geformt. Der vierstimmige Chor ertönte farbenreich und wurde begleitet von einem elfköpfigen Streichorchester mit Piano (Yu-Lun Chang) und Orgel (Michael Orth). Glanzlichter setzte ein Solistenquintett mit zwei Sopranen (Michelle-Marie Nicklis und Mila Küssner), sowie Angela Lösch (Alt), Martin Steffan (Tenor) und Lorenz Miehlich (Bariton). Solisten, Chor und Orchester bestachen mit klanglicher Eleganz und flüssigem, homogenem Zusammenspiel. Die Darbietung war ergreifend, das Publikum applaudierte stehend. Als Zugabe erklang nochmals der Schlusschor mit seinen festlich glitzernden Passagen. Mit einem strahlenden Akkord von Glockenspiel und Orgel klang das Konzert aus.

Chorleiterin Charlotte Noreiks, seit April neue Bezirkskantorin im Dekanat Bad Dürkheim-Grünstadt, hat mit Kantorei und Kammerchor zwei gut aufgestellte Klangkörper mit insgesamt rund 70 Sängern übernommen und sich mit Mauersberger und Saint-Saëns gleich nach der Sommerpause in der Probenarbeit an anspruchsvolle Chorliteratur gewagt. Mit hörbarem Erfolg. Um die Klangqualität des Chors zu erhalten, werden jedoch weiterhin Mitsänger gesucht.

Und auch für das nächste Jahr gibt es bereits Pläne: Ein nächstes ökumenisches Konzertprojekt, die Messe von Schubert, ist für Mai (Christi Himmelfahrt) in der französischen Partnerstadt Bad Dürkheims, Paray-le-Monial, geplant. Die Kleine Kantorey will für das Projekt „Vanitas“ (Vergänglichkeit) des örtlichen Kunstvereins im Herbst den Totentanz von Hugo Distler einstudieren.

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