Bad Dürkheim Abgedrehte Metaphern fürs Kopfkino
Er gestaltete am Mittwochabend den Höhepunkt der Literaturtage „Schwarze Schafe“ in Bad Dürkheim: Peter Licht las und spielte auf der Hardenburg unter freiem Himmel vor einem kleinen Zuschauerkreis. Dabei demontierte er so manches gesellschaftliche Phänomen und scheute auch nicht davor zurück, politisch zu werden – auch wenn er sich selbst nicht als politischen Ratgeber betrachtet, wie er im anschließenden Gespräch verriet.
Während der Name Peter Licht wohl nicht bei vielen sofort ein Glühbirnchen zum Leuchten bringt, so gibt es doch einen Schriftsteller, der fast jedem bekannt sein dürfte: Heinrich Böll. Der Autor nahm vor 65 Jahren in Bad Dürkheim den Preis der Gruppe 47 entgegen – die erste Auszeichnung seiner Schriftstellerkarriere, die letztendlich mit dem Nobelpreis gekrönt wurde. Um diesem Jubiläum Rechnung zu tragen, hat Ruth Ratter, Kulturpolitikerin und ehemalige Grünen-Landtagsabgeordnete, die Literaturtage organisiert, die den Beinamen der Erzählung tragen, für die Böll damals ausgezeichnet wurde: „Die Schwarze Schafe“. Nicht ganz so bekannt wie Böll ist Peter Licht – aber darauf legt der Indie-Musiker und Autor aus Köln augenscheinlich keinen großen Wert. Zwar feierte er 2001 mit „Sonnendeck“ seinen ersten und einzigen Charthit, aber danach hat er sich in seiner Wohlfühl-Nische eingenistet, in der er munter kritisch-ironische Texte verfasst. So wie beispielsweise das „Lied vom Ende des Kapitalismus“, dessen fröhliches und oft wiederholtes „Vorbei“ noch lange im Ohr nachhallt. Generell mag Licht das Spiel mit Wiederholungen. Phrasen oder Wörter, die er für wichtig hält, setzt er sowohl in seinen Prosa- als auch Liedtexten gezielt mit mehrfachen Nennungen in Szene. Damit bohrt er sich nicht nur in die Ohren seiner Zuhörer, sondern trägt so manches Mal zu kleinen Lachanfällen bei. Etwa wenn sich im „zeitgenössischen Dialog eines Krisenverkäufers und Krisenkäufers“ beide Seiten stets ein „Oje“ ihren Sätzen voranstellen. Dieses kommt in der fortschreitenden Unterhaltung oft, und durchaus auch Dutzende Male hintereinander, zum Einsatz, sodass man irgendwann aufhört mitzuzählen. Immerhin ist das Gesprächsthema ja auch kein einfaches: Galt es doch „eine Krisenkiste“, die „böse Geister“ enthält, zu verkaufen. Da ist es nur verständlich, dass sich die Beteiligten bei einem verzweifelten „Oje“ die Haare raufen, und das Publikum angesichts dieser Absurdität das Lachen kaum zurückhalten kann. Genau darin liegt Lichts Stärke: Gesellschaftliche Absurditäten aufzeigen, ohne dabei zu konkret zu werden. Vielmehr lässt er reichlich Spielraum für Assoziationen. Eindeutige Aussagen stehen verschlüsselten Botschaften gegenüber, und doch gibt es eine Gemeinsamkeit: Alle Texte regen mit Tiefgründigkeit zum Nachdenken an, bohren sich quasi ins Innere, wo sie weiter vor sich hin brodeln. Statt literarischem Fast Food bekommen die Zuschauer ein mehrteiliges Menü serviert, das lange nachwirkt. Das liegt vorallem an Lichts bildhafter Sprache, die sich einiger abgedrehter Metaphern und Vergleiche bedient. Wenn er im „Hosengott“ die Zuneigung zu einer Beinbekleidung mit „ich blieb an ihr hängen wie eine Dorade beim Fliegenfischen“ beschreibt, setzt sich das Kopfkino von allein in Gang. Auch die schleichende Verwandlung in einen „Maggiwürfel“, die durch ein Hosen-Waschverbot ausgelöst wird, projiziert lustige Bilder vors geistige Auge. Selbst bei seinen ernsthafteren Texten wie „Lob der Realität“ gelingt Licht dies spielerisch. Indem er immer noch einen tiefgründigeren Satz an den nächsten reiht, demontiert er fast schon sein Werk und macht es damit nur noch aussagekräftiger. Dabei lässt er Platz für viele Leerstellen, die individuell gefüllt werden können, denn „jeder ist sein eigener Ratgeber“, so Licht.