Bad Dürkheim 1417 bis 2017: Echte Fans halten durch

Helmut Darting (links) besteht seine erste Feuerprobe, für Kurt Freund (rechts vorne) war es ein schöner Ausstand: 300 Schoppen
Helmut Darting (links) besteht seine erste Feuerprobe, für Kurt Freund (rechts vorne) war es ein schöner Ausstand: 300 Schoppen Wein sollten verteilt werden.

Die Ersten, die um 14.17 Uhr einen der begehrten Winzerkopf-Wurstmarkt-Orden aus den 50er Jahren ergattern, sind Wachenheimer. Beate Manz und Kai Flory sind schon kurz vor 11 Uhr am i-Dubbe-Stand gewesen. Dekoriert mit mindestens sechs Wurstmarkt-Wappen – der 21 Jahre alte Kai Flory hat alle 18 an einer Wurstmarkt-Kappe baumeln – durften sie einen roten Winzer am Bande mitnehmen. 40 Meter lang ist um 14 Uhr die Schlange vom i-Dubbe bis zum Wellenflug. Die Stimmung ist gut, obwohl sich manche jetzt schon gar nicht mehr einreihen wollen. Etwa 200 warten schätzungsweise schon. Marcus Brill vom neuen Marktleitungsteam verteilt die begehrte Trophäe, die beim Ausräumen der alten Wurstmarkt-Wache entdeckt worden ist. Auch für die Leistadterin Yvonne Scheiter sowie Rebecca Ringelspacher mit ihren Kindern Erik (2) und Eva (6) aus Ungstein reicht es noch. Sie sind wie ihre Ungsteiner Bekannten Miriam und Markus Held im Winzerkittel unterwegs. „Schließlich wollen wir alle Aktionen bis zum Ende noch mitmachen“, sagt Miriam Held, die auch alle Termine im Kopf hat. „Als nächstes geht’s mit den Kindern zu den Freifahrten.“ Den 100. und damit letzten Winzer-Orden ergattert das Ehepaar Juliane und Ralf Baumann aus Bad Dürkheim. Überglücklich packen sie das gute Stück gleich in die Tasche. „Zu Hause kommt er an die Pinnwand“, verrät Baumann. Seiner Frau Juliane ist das Glück fast peinlich: „Ich bin ja im Gegensatz zu meinem Mann eine Zugezogene, komme aus Hemsbach in Baden-Württemberg“, entschuldigt sie sich fast bei den Leuten hinter ihr. Solch drangvolle Enge wie bei den Orden herrscht nicht, als es um 15.17 Uhr eigentlich heißt: Freie Fahrt für freie Kinder. Das Problem: Die Kinder wissen Bescheid, die Betreiber von Kinderkarussells jedoch nur zum Teil. So ist Anja Ruppert-Keller, Betreiberin des gleichnamigen Fahrgeschäfts, etwas überrascht, als Eltern sie auf die (offenbar schlecht kommunizierte) Aktion des Schaustellerverbandes aufmerksam machen. Sie löst die Situation pragmatisch: Wer ein Ticket löst, bekommt eine weitere Fahrt geschenkt. 200 Freifahrten an sechs Standorten kommen auf dem gesamten Platz auf diese Weise unters Volk. Nur am Mini-Scooter weiß man weiterhin von nichts. Keiner fragt nach. Die Kinder Lotte, Luis und Kalle freuen sich trotzdem beim Fahrgeschäft Jockers. Die Welt ist schön in einem hupenden Feuerwehrauto, das sich im Kreis dreht. Weiter geht die wilde Fahrt am letzten Wurstmarkt-Tag für die Erwachsenen vor dem Riesenrad, wo nach einem Vierteljahrhundert Kurt Freund als erster Mann am Weinfass seinen Dienst quittiert und den Hammer des Wurstmarkt-Winzermeisters an seinen Nachfolger Helmut Darting weitergibt. Dafür gibt es wahre Elogen von Bürgermeister Christoph Glogger, der von großen Fußstapfen berichtet, in die Darting nun trete. Und von der Würde, die Freund dem Amt verliehen habe. Anerkannt und kompetent sei der Neue, heißt es. Als Vertrauensvorschuss gibt es die nicht schöne, aber dafür sehr seltene Krawatte des Wurstmarkt-Winzers, die auch Glogger zu diesem Anlass trägt. Kenner der Szene sagen, es sei das erste Mal überhaupt, dass Darting eine Krawatte tragen müsse. Anlass genug, um 300 Schoppen Wein unter das durstig-wartende Publikum zu bringen. Darting besteht seine erste Feuerprobe meisterlich. „Fertig!“ Es ist 17.20 Uhr - und die letzte Fleischwurst am Stand Ester ist weg! Hundert am Vortag frisch zubereitete Würste à 400 Gramm finden nahezu reißenden Absatz bei den vier Dürkheimer Metzgereien, die diesen Part des Präsenttages bestreiten. Um 17.16 Uhr trägt Gerd Ester den ersten Schwung aus dem Hintergrund in den Stand – „Aahh“ erschallt es aus dem Pulk vor dem Tresen. Dorthin werden die vakuumierten Würste ausgegeben – und wer pünktlich kommt, den bestraft die Menge. Bei Metzger Tempel ist es ähnlich. „Gefühlt keine zehn Minuten“, sagt Gerhard Tempel, und die Ware war weg! Einer von denen, die drankamen, ist Karl-Heinz Peter aus Wachenheim. Der 52-Jährige ist bestens gerüstet für diesen Tag: Zuvor hat er schon einen der Sonderorden und einen Schoppen Riesling ergattert. Den Wein trank er gleich, die Wurst ging mit nach Hause. „Die wird heiß gemacht...“, sagt der gebürtige Seebacher, der jedes Jahr an Wurstmarkt Geburtstag hat. Natürlich hatte Karl-Heinz Peter auch einen Winzerkittel an. Und damit war ihm auch ein Jubiläumsdubbeglas mit Logo sicher, das es ab 18.17 Uhr am Riesenrad gab. Als Lohn für die Teilnahme am zweiten Rekordversuch nach 2016. Denn daraus wurde nichts: 500 Menschen im blauen „Joppe“ wären wohl nur zusammengekommen, wenn Christoph Glogger doppelt gesehen hätte. Aber den Leuten ging’s gestern wohl eh mehr um den olympischen Wuma-Geist: Hauptsach’ debeigewesst!

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