Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Breitbandausbau im Kreis Bad Dürkheim: Arbeiten ab April

Bunte Kabel in der Erde: rund 1500 Kilometer Glasfaserkabel verlegt Inexio bis 2021 im Kreis.
Bunte Kabel in der Erde: rund 1500 Kilometer Glasfaserkabel verlegt Inexio bis 2021 im Kreis. Archivfoto: dpa

Für gut 11.000 Privathaushalte, 330 Unternehmen und 61 Schulen werden rund 1500 Kilometer Glasfaserkabel verlegt – der Breitbandausbau im Landkreis Bad Dürkheim ist ein Infrastrukturprojekt von enormem Ausmaß, auch in Sachen Förderung. Zudem könnten weit mehr Haushalte angeschlossen werden, als geplant.

Die Freude bei Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld (CDU) und Anja Genetsch ist groß. Vor einem Jahr, am 10. Dezember 2018, hat das Telekommunikations-Unternehmen Inexio den Zuschlag für das Projekt bekommen. Ihlenfeld und die Abteilungsleiterin des kommunalen Projektvertriebs bei Inexio haben den Vertrag unterzeichnet, dank dem das saarländische Unternehmen bislang unterversorgte Regionen im Landkreis mit Glasfaserhausanschlüssen versorgen wird. Das bedeutet: Wer aktuell einen Internetanschluss mit einem Datenvolumen von weniger als 30 Megabit pro Sekunde hat, bekommt in den kommenden zwei Jahren einen deutlich verbesserten Anschluss mit einem Gigabit pro Sekunde.

Für das Förderprojekt haben Gemeinden und Kreis ein sogenanntes Kreiscluster gebildet. Der Kreis ist die Durchgangsstation für die Fördergelder, übernimmt die Koordination. Nur dieser Zusammenschluss ermöglichte die Förderung – die höchste, die der Landkreis jemals für ein Projekt bekommen hat und zugleich auch die höchste, die das Land je verteilt hat. „Das ist etwas Großes, etwas Außergewöhnliches“, betont Ihlenfeld und zieht Vergleiche zur Einführung der Kanalisation oder der Stromversorgung – Infrastrukturprojekte, die das tägliche Leben der Menschen von Grund auf veränderten.

Wie berichtet, fördern Bund und Land den Breitbandausbau mit rund 25 und 20 Millionen Euro, weitere fünf Millionen Euro tragen die beteiligten Kommunen im Kreis selbst. Der endgültige Förderbescheid des Bundes war Anfang November eingegangen. Bereits im Sommer hatte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) den vorläufigen Bescheid des Landes persönlich nach Bad Dürkheim gebracht. Da war eigentlich schon alles klar, aber für den endgültigen Bescheid des Landes war eben jener des Bundes nötig, weshalb nun Anfang Dezember die Innenstaatssekretärin Nicole Steingaß einen Zwischenstopp bei der Kreisverwaltung einlegte und das „Weihnachtsgeschenk“ unter den metaphorischen Tannenbaum des Landkreises stellte. Es ist Ihlenfeld zufolge „nur der erste Schritt auf dem Weg des Breitbandausbaus“. Den derzeit noch nicht ausgebauten Haushalten und Betrieben sagt der Landrat: „Das ist noch nicht das Ende, der Bund plant weitere Ausbauprojekte.“ Auch die werden also nicht ewig mit nur wenig mehr als 30 Megabit pro Sekunde im Netz surfen oder ihre Lieblingsserie streamen müssen.

„Jägerthal schnell bedienen“

Bereits parallel zum Ausbau im Kreiscluster laufen Sonderaufrufe für Gewerbe- und Industriegebiete und Schulen. Laut Elke Thomas, Geschäftsführende Beamtin der Kreisverwaltung, haben die Kommunen im Kreis sich dafür ebenfalls schon zusammengeschlossen.

Aber zunächst geht es um Inexio und das Kreiscluster. „Wir sind froh, dass wir die Ausschreibung gewonnen haben, es ist unser bislang größtes Projekt. Und anhand der Haushalte ist es auch das Projekt in ganz Rheinland-Pfalz“, sagte Genetsch, die erklärte, Inexio werde zusätzlich zu den geplanten 50 Millionen, die von Bund, Land und Kommunen kommen, selbst weitere 20 Millionen Euro investieren.

Konkret sagen, wann in welchen Gemeinden die ersten Bagger anrollen, könne man noch nicht. Derzeit läuft die Bauausschreibung. „Wir werden an mehrere Unternehmen vergeben, nicht einem allein die Verantwortung übertragen“, erklärt die Inexio-Abteilungsleiterin. Ist das geschehen, werde es einen Zeitplan geben. Ausgangspunkt werde aber bereits bestehendes Inexio-Netz sein. Von dort soll „perlenkettenartig“ aufgereiht ausgebaut werden. „Wir wollen Problemfälle am Anfang bearbeiten und werden auch sehen, dass wir das Jägerthal in Bad Dürkheim schnell bedienen können“, berichtet Genetsch. Dort hat die Telekom ihren Kunden gekündigt, weil sie die bisherigen ISDN-Anschlüsse durch Telefonie übers Internet (Voice over IP) ersetzen will. Die Grundlage dafür: Schnelles Internet, das es im Jägerthal bislang nicht gibt. Genetsch rechnet mit ersten Bauarbeiten im April. Derweil wird bei Inexio am vorgelagerten Vertrieb gearbeitet. Noch viele Informationen müssen verbreitet werden, daran wirkt auch Katja Kiefer mit, bei Inexio die Projektverantwortliche für den Dürkheimer Landkreis. Es wird Informationsveranstaltungen geben. Die auszubauenden Haushalte müssen benachrichtigt werden. Außerdem ist ein Hausanschlussvertrag nötig, der Inexio berechtigt, das Glasfaserkabel bis ins Gebäude zu verlegen. „Bei den Kunden im Förderprojekt ist das kostenlos, unabhängig davon, ob sie bei uns einen Internet-Vertrag abschließen oder nicht“, erklärt sie.

Angebot für weitere Haushalte

Aber es könnten noch mehr Menschen davon profitieren, als im Förderprojekt geplant. Denn Abteilungsleiterin Genetsch hat bei der Vertragsunterzeichnung mitgeteilt, dass Inexio auch die sogenannten B-Adressen anschließen möchte. Das sind Adressen, die an die Ausbaustrecke angrenzen, aber eigentlich nicht als unterversorgt gelten.

Das Angebot von Inexio: „Wir legen einen kostenlosen Hausanschluss, dafür schließen die Bewohner einen 24-monatigen Versorgungsvertrag mit uns ab“, erklärt Genetsch. Wer nur den Anschluss ohne Vertrag möchte, müsste außerhalb des Ausbauprojekts knapp 2400 Euro bezahlen. Laut Genetsch könnten so noch einmal rund 7000 weitere Haushalte angeschlossen werden – es könnten am Ende also 18.000 sein.

Der Startschuss dafür ist mit der Vertragsunterzeichnung endgültig gefallen. Ihlenfeld sieht im Breitbandausbau eine „deutliche Stärkung des ländlichen Raums“, berichtet davon, dass gerade mit der immer schwierigen Situation der Hochstraßen in Ludwigshafen die Nachfrage nach Büroflächen in der Region um Bad Dürkheim in den vergangenen zwei Jahren deutlich gestiegen sei. Auch dafür sei der Ausbau ein wichtiger Faktor. „Jetzt kann’s losgehen.“ Den Worten von Staatssekretärin Steingaß ist vorerst nichts hinzuzufügen.

Zur Sache

Inexio

Im Jahr 2007 hat David Zimmer Inexio in Saarlouis im Saarland gegründet. Inzwischen hat das Informationstechnologie- und Telekommunikationsunternehmen bundesweit eine eigene Infrastruktur mit mehr als 10.000 Kilometern modernem Glasfaserkabel errichtet. Inexio verfügt außerdem über sechs Rechenzentren in Saarlouis, Saarbrücken und Kaiserslautern. Das Unternehmen betreut mehr als 6000 gewerbliche und mehr als 110.000 Privatkunden. Schwerpunkt der Aktivitäten sind bisher unterversorgte Regionen – wie die sogenannten weißen Flecken im Landkreis Bad Dürkheim, die nun in den kommenden beiden Jahren an das schnelle Netz mit einem Gigabit Datenvolumen angebunden werden. Im September hat der schwedische Infrastrukturfonds EQT Inexio gekauft. Die Geschäftsführer David Zimmer, Christoph Staudt und Martin Balzer blieben im Amt. Ziel des Unternehmens sei und bleibe es, bis zum Jahr 2030 zwei Millionen Haushalte ans Glasfasernetz anzuschließen. Das Kapital von EQT sei der Grundstein, „um die ehrgeizigen Ziele“ umzusetzen.

Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld und Inexio-Abteilungsleiterin Anja Genetsch bei der Vertragsunterzeichnung.
Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld und Inexio-Abteilungsleiterin Anja Genetsch bei der Vertragsunterzeichnung. Foto: unn
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