Niederhorbach
Wiesenhof-Hühnermast: Anwohner protestieren gegen Pläne
Im beschaulichen Niederhorbach mit seinen knapp 500 Einwohnern herrscht seit einigen Tagen Unruhe. Grund dafür sind die Pläne von Jonas und Andreas Jung, die ihren Landwirtschaftsbetrieb am Ortsrand erweitern möchten. Dabei geht es nicht etwa um die Ausdehnung ihrer derzeit rund 120 Hektar umfassenden Ackerfläche. Der Zankapfel ist eine zirka 120 Meter lange und 25 Meter breite Halle, die auf einem Feld der beiden Männer ein paar Hundert Meter östlich von ihrem Hof entstehen soll. Wobei das nicht ganz korrekt ist. Denn nicht die Halle an sich ist das Problem, sondern das, was in der Halle passieren soll.
In dem Neubau sollen nämlich knapp 30.000 Hühner leben. Für das Federvieh wird es ein Zuhause auf Zeit sein, denn nach wenigen Wochen werden sie eingesammelt und zum Schlachthof gebracht. Das heißt: In Niederhorbach ist eine Hühnermast-Anlage im großen Stil geplant. Eine entsprechende Bauvoranfrage ist bereits bei der Kreisverwaltung Südliche Weinstraße eingereicht. Der Bauausschuss der Gemeinde Niederhorbach wird sich am Mittwoch mit dem Projekt beschäftigen.
Nach sieben Wochen kommen die Hähnchen zum Schlachter
Leben sollen die Masthähnchen laut Jonas Jung in der Haltungsform 3, die sich unter anderem dadurch auszeichnet, dass die Tiere Zugang zu Außenklimabereichen haben. Der Landwirt spricht von einem Wintergarten, in den die Hühner über Tag laufen können. Angeliefert werden die Küken aus einer Brüterei in Bayern schon einen Tag nach ihrer Geburt. Dann leben sie für sieben Wochen in der großen Halle, ehe sie eingesammelt und per Lastwagen in einen Schlachthof in Bayern gebracht werden. Danach steht der Stall einige Tage leer, um gereinigt und desinfiziert zu werden – dann startet ein neuer Zyklus.
Lieferant der Küken und Abnehmer der gemästeten Hähnchen wird kein Unbekannter sein. Es ist Wiesenhof, die bekannteste Geflügelmarke Deutschlands, die Teil der PHW-Gruppe, dem größten Unternehmen in der Geflügelwirtschaft in Deutschland und viertgrößten in Europa ist. Auf RHEINPFALZ-Anfrage heißt es seitens PHW zwar: „Wir können mitteilen, dass uns kein geplantes Bauprojekt in Niederhorbach bekannt ist.“ Jonas Jung sagt allerdings unumwunden: „Ich baue den Stall im Endeffekt für Wiesenhof.“ Das wiederum passt zum Geschäftsmodell des Geflügelriesen, der seine Anlagen größtenteils nicht selbst baut. „Grundsätzlich ist es so, dass wir mit selbstständigen Partnerlandwirten zusammenarbeiten“, teilt das Unternehmen mit.
Anwohner möchten Bau der Mastfarm verhindern
Bei den Anwohnern im 500-Einwohner-Dorf stoßen diese Pläne auf viel Unverständnis. Das erklärt Dirk Wollenweber als Sprecher der neu gegründeten Bürgerinitiative (BI) „Südpfalz ohne Hühnermast“. Die Errichtung eines solchen Mastbetriebs bringe erhebliche negative Auswirkungen mit sich, sagen er und seine Mitstreiter. Gründe dafür sehen sie gleich mehrere.
Ein Huhn, das normalerweise zehn Jahre leben kann, wird hier in 42 Tagen auf zirka 2,8 Kilogramm gemästet, auf einen Quadratmeter kommen 15 bis 20 Hühner.
Da ist zum einen die erwartete Geruchsbelästigung. „Diese giftigen Gase, die bei der Haltung einer so großen Anzahl von Hühnern freigesetzt werden, sind nicht nur unzumutbar im Alltag, sondern können auch gravierende gesundheitliche Risiken bergen.“ Hinzu kommt, zumindest erwartet das die BI so, ein deutlicher Anstieg des Schwerlastverkehrs, „was nicht nur unsere Straßen belastet, sondern auch die Sicherheit unserer Kinder und Anwohner gefährdet“.
Natürlich gehe es der BI ebenso um das Tierwohl. „Ein Huhn, das normalerweise zehn Jahre leben kann, wird hier in 42 Tagen auf zirka 2,8 Kilogramm gemästet, auf einen Quadratmeter kommen 15 bis 20 Hühner“, sagt Wollenweber. „Vielfach kommt es zu Krankheiten und Missbildungen, also ganz weit weg von glücklichen Hühnern.“ Dass es ausgerechnet Wiesenhof ist, mache die Sache noch schlimmer. Denn gerade der Marktführer in Deutschland in Sachen Geflügelprodukte stand und steht immer mal wieder im Zusammenhang mit schlechten Haltungsbedingungen der Tiere im Rampenlicht.
Landwirt sieht Problem bei den Verbrauchern
Andreas und Jonas Jung können mit der Kritik der Anwohner bislang wenig anfangen. „Den Widerstand können wir nicht verstehen“, sagt Andreas Jung. Er sieht das Problem wenn überhaupt bei den Verbrauchern. „Wenn die Nachfrage nicht da wäre, wäre Wiesenhof ja gar nicht so groß.“ Sein Sohn Jonas präzisiert diese Aussage. Er vermarkte jetzt schon Hühnerfleisch im kleinen Maßstab. Der Preis sei entsprechend höher als im Supermarkt. Am Ende bekomme er die Hühner nicht alle los, weil zu wenige bereit sind, den Preis zu bezahlen. „Wenn ich in dem kleinen Maßstab weitermachen könnte und meine Hühner verkauft bekäme, müsste ich den Stall gar nicht bauen.“
Die Fronten in Niederhorbach scheinen verhärtet. Wobei Wollenweber im Gespräch mehrfach betont, dass niemand im Ort etwas gegen Jonas Jung habe. „Es geht überhaupt nicht gegen die Person, es geht nur gegen die Sache“, betont er. Das Thema wird den Ort jedenfalls noch länger beschäftigen. Denn wie bereits erwähnt: Es liegt bislang nur eine Bauvoranfrage vor. Bevor sich der Bauausschuss der Gemeinde am Mittwoch, 19.30 Uhr, damit beschäftigt, hat Ortsbürgermeister Hubert Horbach um 17.30 Uhr zu einer Bürgerversammlung ins Festspielhaus eingeladen.