Beziehungstipp Warnsignale in Beziehungen: Worauf kommt es an?

Nicht nur verbale Gewalt sei ein Warnsignal in der Beziehung, dass man nicht ignorieren sollte, sagt Paarberaterin Stefanie Ludw
Nicht nur verbale Gewalt sei ein Warnsignal in der Beziehung, dass man nicht ignorieren sollte, sagt Paarberaterin Stefanie Ludwig.

Achtung vor „Red Flags“ beim Partner, sagen einige Beziehungsratgeber – vor allem im Internet. Was dran ist an solchen Warnsignalen, erklärt Expertin Stefanie Ludwig.

Was sind „Red Flags“ eigentlich? Stefanie Ludwig sagt, es gehe hier um Warnsignale und Anzeichen, dass sich eine Beziehung ungesund entwickeln kann. Das Wort „kann“ sei dabei besonders wichtig. Denn nicht jedes kontrollierende Verhalten heißt, dass jemand ein Narzisst ist. „Wenn jemand fragt, wo warst du, dann ist das nicht gleich Kontrolle. Vielleicht ist das sogar ehrliches Interesse“, sagt Ludwig. Wenn jemand heimlich das Handy durchschaut, sei das aber wieder eine andere Sache und eindeutig ein Eingriff in die Privatsphäre.

Das Beispiel soll zeigen: Auch Warnsignale sind individuell. Ein weiteres Signal, das häufig genannt werde, sei respektloses Verhalten. „Auch was man über Respekt denkt, ist individuell“, sagt Ludwig. Für den einen sei es respektlos, anderen ins Wort zu fallen, für die andere könne das aber ganz normal sein. Da komme es beispielsweise auf die Erziehung an.

Paarberaterin Stefanie Ludwig.
Paarberaterin Stefanie Ludwig.

Laut Ludwig ist ein weiteres Warnsignal fehlende Kommunikation. „Man muss nicht übers Wetter reden, wenn man eigentlich ansprechen möchte, dass sich die Partnerin gesünder ernähren soll“, nennt Ludwig ein Beispiel. Denn hier komme es auf die Art der Kommunikation an. Es gehe also eher um fehlende wertschätzende Kommunikation.

Gewalt in jeglicher Form sei inakzeptabel

Bei unehrlichem Verhalten gebe es dagegen weniger Spielraum: Geheimnisse und Betrügereien seien ein deutliches Warnsignal. Und nicht zu vergessen: Gewalt. „Gewalt ist in jeder Form inakzeptabel. Und dazu gehört auch emotionale Gewalt“, sagt Ludwig. Als Beispiel dafür nennt sie ein Verbot auszugehen oder sich auf eine bestimmte Weise anzuziehen oder zu schminken. Auch emotionale Erpressung falle darunter: „Wenn jemand damit droht, die andere Person zu verlassen, wenn er oder sie nicht tut, was man will“.

Bei Gewalt rät Ludwig, sich professionelle Hilfe zu suchen. Gerade bei körperlicher Gewalt stünde die eigene Sicherheit

an erster Stelle. „Wenn ein Alkoholiker oder eine Alkoholikerin im Rausch und gewalttätig ist, sollte man auf sich achten und lieber keine Kritik äußern“, sagt Ludwig. Auch bei Narzissmus solle man einen Ausstieg eher langfristig planen, da die Gefahr von Gewalttaten in einer Beziehung groß sei. Erste Anlaufstelle sei bei akuter Gefahr die Polizei. Ansonsten gebe es professionelle Beratungsstellen. Rund um Landau nennt Ludwig das Frauenzentrum Aradia, die Frauenzufluchtsstätte Südpfalz und das Interventionszentrum Südpfalz gegen häusliche Gewalt. Wer nicht in der Südpfalz lebe, könne im Internet nach seinem Ort und dem Begriff „Häusliche Gewalt“ suchen und werde schnell fündig. „Die Frauenhäuser sind eine gute Anlaufstelle. Oder man fragt bei einer Beratung, die kennen diese Themen und können einschätzen, ob jemand Hilfe braucht“, sagt Ludwig.

Auf die richtige Kommunikation kommt es an

Dass Menschen trotz Gewalt zusammenbleiben, habe Ludwig schon häufig mitbekommen. „Es gibt Leute, die zum Beispiel sagen, im Urlaub ist es doch auch schön, da trinkt er oder sie nicht. Oder: Ohne mich würde er ganz abstürzen. Aber das stimmt nicht, den Absturz verhindert man nicht, indem man bei dem anderen bleibt“, sagt Ludwig. Und man sei für einen anderen Erwachsenen nicht verantwortlich. Oft werden solche Probleme erst besser, wenn man gehe. Zu körperlicher Gewalt sagt sie noch einmal: „Du musst dir keine einzige Ohrfeige gefallen lassen.“

Warnsignale – ohne Gewalt – seien nicht pauschal ein Problem. Man müsse forschen: „Warum tust du das? Wie meinst du das?“. Dabei sei es wichtig, zu versuchen, ohne Vorwurf zu formulieren. „Das ist aber schwierig, wenn man gerade wütend ist. Dann vielleicht lieber einen Tag warten.“ Auch hier gebe es aber verschiedene Typen: „Die einen warten zu lange und sprechen es dann doch nicht an – dann kann es sein, dass sich da etwas unterbewusst ansammelt. Andere sprechen sofort alles an, werden dabei aber schnell verletzend“, erklärt Ludwig. Wichtig sei, zunächst für sich zu reflektieren: Ist das wirklich ein Problem? Wenn ja: Grenzen setzen und Nein sagen. Hier sei offene Kommunikation wieder wichtig.

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