Vor 100 Jahren
Tod des Meister-Ingenieurs: Gustave Eiffel
Als sein Leben kurz nach Weihnachten 1923 zu Ende ging, konnte sich Gustave Eiffel einer Sache sicher sein: Der erbitterte Kampf um den Erhalt des nach ihm benannten Turms in Paris hatte sich gelohnt. Anders als ursprünglich geplant, wurde das Monument nicht wieder abgebaut, sondern entwickelte sich zu einem unverzichtbaren Symbol der französischen Metropole. Zum Zeitpunkt von Eiffels Tod vor genau 100 Jahren, am 27. Dezember 1923, stand bereits die Verlängerung der Konzession mindestens bis 1980 fest. Vor allem die strategische Nützlichkeit des heute 330 Meter hohen Bauwerks als Sendeturm für das französische Militär, später auch seine Verwendung für den Rundfunk und nicht zuletzt seine Beliebtheit weltweit wirkten als Bestandsgarantien. Inzwischen besuchen pro Jahr sechs bis sieben Millionen Menschen die „Eiserne Dame“.
Es handelte sich bei weitem nicht um Eiffels einziges Bauwerk, aber um das berühmteste. Auch sagte sein Kampf um die Entstehung und Erhaltung des Turms viel über die Durchsetzungskraft und den Einfallsreichtum des Ingenieurs und Geschäftsmannes aus. Dabei stammten die ursprünglichen Pläne gar nicht von Eiffel selbst, sondern von zwei seiner Mitarbeiter, den Ingenieuren Maurice Koechlin und Émile Nouguier. Nachdem er sie mit dem Entwurf für ein Projekt für die Weltausstellung 1889 in Paris beauftragt hatte, auch unter Beteiligung des Architekten Stephen Sauvestre, kaufte Eiffel ihnen ihre Patent-Anteile am Turm ab.
Künstler und Intellektuelle gegen das „Monster“
Er war es auch, der die politischen Entscheidungsträger von der kühnen Idee überzeugte, Werbung und Presseartikel finanzierte und einen Teil der Kosten auslegte. Warum er sich so sehr dafür einsetzte? „Den höchsten Turm der Welt zu bauen war das große Projekt, von dem damals alle Ingenieure träumten“, sagt François Vey, Autor eines Buches über den Eiffelturm und die Legenden dahinter. Tatsächlich war das Pariser Bauwerk jahrelang das höchste der Welt, bis es 1930 vom Chrysler Building und dann vom Empire State Building in New York „entthront“ wurde.
Aber tatsächlich stellte Eiffels Projekt laut Vey eine „echte technische Meisterleistung für diese Zeit“ dar. Innerhalb der ersten sechs Monate strömten zwei Millionen Besucher zu ihr und straften die Pariser Intellektuellen und Künstler Lügen, die sich gegen das vermeintliche „Monster“ empört hatten.
Eisenfachwerk für die Freiheitsstatue
Es war der Höhepunkt der Karriere des fünffachen Vaters Eiffel, dessen Frau Marguerite in frühen Jahren starb. Geboren und aufgewachsen in Dijon, schloss der Sohn eines Sekretärs der Militärverwaltung und einer Geschäftsfrau im Kohlehandel ein Chemie-Studium in Paris ab und arbeitete in verschiedenen Konstruktionsbüros. Ab 1858 verantwortete er mit dem Bau einer 500 Meter langen Eisenbahnbrücke in Bordeaux sein erstes großes Projekt. Er wählte dafür eine leichte Fachwerkkonstruktion, die zu seinem Markenzeichen wurde.
1866 machte er sich in einem Vorort von Paris mit seinem Betrieb, der Société de construction de Levallois-Perret, selbstständig. Weltweit, von Chile über Peru bis Ungarn, beteiligte er sich an der Planung und am Bau von Bahnhöfen, Kathedralen und Brücken.
Außerdem beteiligte er sich an der Konstruktion des Eisenfachwerks im Inneren der Freiheitsstatue in New York, die sein Landmann Frédéric-Auguste Bartholdi entwarf.
Der Bonickhausen-Turm
Ein massiver Rückschlag war ein Finanzskandal um den Panama-Kanal, für den Eiffel Schleusen bauen sollte. Ein Schuldspruch wegen angeblicher Nichterfüllung im Jahr 1893 wurde zwar wieder aufgehoben und er rehabilitiert. Dennoch zog er sich von seinen Geschäften zurück, um sich Experimenten zum Luftwiderstand geometrischer Formen zu widmen.
Wie würde der Eiffelturm heißen, hätte der Ingenieur zuvor nicht seinen Namen ändern lassen? Eigentlich lautete dieser Bonickhausen oder auch Bönickhausen dit Eiffel („genannt Eiffel“) nach einem väterlichen Vorfahren aus der Eifel. Doch Gustave Eiffel beklagte, dass der Name mit dem deutschen Klang „Zweifel an meiner französischen Nationalität wecken“ und geschäftliche Nachteile zur Folge haben könne. „Bonickhausen-Turm“ wäre als Bezeichnung für das Pariser Wahrzeichen tatsächlich weniger eingängig.