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Tipps für Juni: Leonie Benesch mal anders
Im britischen Sechsteiler „Prisoner – auf der Flucht“ kann sich Deutschlands Schauspielstar Leonie Benesch („Das Lehrerzimmer“, „September 5“) von einer ganz anderen Seite zeigen. Sie verkörpert eine Verbrecherin mit ruhiger Hand am Abzug und jederzeit kühlem Kopf: Ihre Nina Drâgus hat eine selbst ausgestellte Lizenz zum Töten. Sie wirkt wie ein Roboter, der keine Gnade kennt. Eiskalt knallt sie jeden oder jede ab, die sich dem Clan entgegenstellt, für den sie unterwegs ist. Sie kennt auch keine Gewissensbisse, jenen Mann zu töten, der sie einst rekrutierte. Denn Tibor Stone will als Kronzeuge gegen das Syndikat „Pegasus“ und dessen Kopf Harrison Dempsey aussagen, den die britische Polizei nach jahrelanger Ermittlungsarbeit hinter Gitter bringen will.
Doch der geplante Anschlag auf Stone bei einer Überführung in ein sicheres Quartier geht schief. Er entkommt, ist aber an eine Justizbeamtin mit einer Handschelle gefesselt. Es beginnt ein fesselndes Katz- und Maus-Spiel mit Polizei und Gangstern, das mit zahlreichen attraktiven Actionszenen gepickt wurde.
Auch hinter der Kamera setzte die BBC bei „Prisoner“ (ARD-Mediathek ab 19. Juni) auf bekannte Namen. Otto Bathurst, der den britischen Film- und Fernsehpreis Bafta für „Peaky Blinders“ gewann, inszenierte die ersten drei Folgen. Die deutsche Regisseurin Pia Strietmann („Herrhausen – Herr des Geldes“) führt den Sechsteiler in der zweiten Hälfte zu einem furiosen Finale. Angelehnt an Klassiker wie „Flucht in Ketten“, „Auf der Flucht“ oder Luc Bessons „Leon – der Profi“, kombiniert sie die Genrezutaten eines packenden Krimis zu einem jederzeit spannenden Geschehen.
Abschied von „Poldi“
Mit der Serie versüßt die ARD den Krimifreunden die lange Sommerpause ohne neue „Tatort“-Folgen. Zudem bietet sie eine lohnende Alternative zum Fußball-Hype. Den bedient Netflix mit der Dokumentation „Poldi“ (ab 4. Juni), einem unterhaltsamen Einblick in die Welt von Fußball-Weltmeister Lukas Podolski, bei der der Spaßvogel im Fußballer und Mensch immer wieder durchkommt.
Ansonsten setzten die großen Streamingdienste im Juni auf Bewährtes. Mit Vorfreude warten die Fans auf die dritte Staffel der Targaryen-Saga „House of Dragons“ bei HBO Max, die am 19. Juni in Berlin in Anwesenheit von Harry Collett, Abubakar Salim und Clinton Liberty Premiere feiert. Vorher dürfen, so ist es leider üblich bei den Anbietern, keine künstlerischen Wertungen vorgenommen werden. Zumindest eine vierte Staffel ist aber bereits angekündigt.
Neuer Coben-Thriller mit Superstar Sam Worthington
Die gleichen Regeln gelten leider für zwei Programm-Höhepunkte von Netflix. In der Adaption von Harlan Cobens Bestseller „Nur für dein Leben“ (ab 19. Juni) kämpft Sam Worthington als David Burroughs in acht Folgen um sein Leben. Burroughs wurde verurteilt, weil er seinen Sohn umgebracht haben soll. Nun bekommt er Hinweise, dass dieser noch am Leben ist. Um seine Unschuld zu beweisen, sieht er nur eine Chance: Er muss fliehen.
Ambitionierter geht der Zeitsprung-Film „In the Hand of Dante“ (Netflix, ab 24. Juni) von Maler und Regisseur Julian Schnabel („Basquiat“) mit zwei ineinander verwobenen Handlungssträngen aus verschiedenen Jahrhunderten ins Rennen um die Zuschauergunst. Während der notorisch geldklamme New Yorker Autor Nick Tosches (Oscar Isaac) im Auftrag eines Mafiabosses ein Manuskript von Dante Alighieris „Göttlicher Komödie“ stehlen will, wird der Dichter (ebenso Isaac) im Mittelalter auf der Suche nach Inspiration für sein bekanntestes Werk begleitet. John Malkovich, Gal Gadot und Al Pacino runden die Besetzung ab.
Eine Parabel auf die Tech-Industrie
Schließlich sei unter dem reichhaltigen Streamingangebot die Wiederaufführung der Tragikomödie „Mountainhead“ (seit 31. Mai) von „Succession“-Schöpfer Jesse Armstrong beim im Januar gestartete Streamingdienst HBO Max erwähnt. Das Kammerspiel um vier Milliardäre in einer Luxusvilla in einem Skigebiet will trotz einiger geistreicher und witziger Einfälle jedoch nie so richtig zünden. Was schade ist, denn die Ähnlichkeiten dieser gewissenlosen Alphatiere aus der Tech-Industrie mit bekannten Persönlichkeiten sind sicher nicht zufällig. Das Quartett verdient prächtig mit KI, Fake News auf Plattformen und Apps. Auch vor der Verantwortung für die ethischen Folgen ihrer digitalen Welt wollen sie sich drücken, wobei diese Seite des Geschäfts inhaltlich eindeutig zu kurz kommt.