Kunst
Symposium „Künstlerpaare der Moderne“ zum Jubiläum des Museums Purrmann-Haus in Speyer
Das Geburtshaus des Malers Hans Purrmann, das 1986 von der Stadt Speyer gekauft wurde, ist seit drei Jahrzehnten nicht nur ein Museum mit der größten öffentlichen Sammlung von Bildern Purrmanns und seiner ebenfalls künstlerisch tätigen Gattin. Es ist auch eine Forschungsstätte und wird von Maria Leitmeyer als Kustodin mit Engagement geführt.
Zusammen mit Felix Billeter, dem Leiter des privaten Hans Purrmann Archivs München, in dem sich die Nachfahren der Künstler einbringen, hat Maria Leitmeyer in jüngster Zeit zwei vielbeachtete Bände mit Briefen des Künstlerpaares Hans Purrmann und Mathilde Vollmoeller-Purrmann veröffentlicht. Speyer hütet den Nachlass von Mathilde Vollmoeller-Purrmann, in München sind über 18.000 Briefe und 5000 Fotos der Purrmanns versammelt.
In der Folge dieser Publikation entstand die Idee, einen Diskurs mit anderen Künstlerpaaren ihrer Zeit zu eröffnen. So kam es zu dem Symposium und dem nun dritten Band einer aufschlussreichen Trilogie zu den Purrmanns und anderen Künstlerpaaren.
Spektrum an Lebensbildern
Mit hochkarätigen Referentinnen und Referenten, absoluten Experten auf ihren kunsthistorischen Arbeitsfeldern, wurde an zwei Tagen in acht Referaten ein breites Spektrum vielfältiger Lebensbilder am Beispiel von Reinhold und Sabine Lepsius, Oskar und Marg Moll, Leo von König und Mathilde Tardif, Maria Caspar-Filser und Karl Caspar, Alexej von Jawlensky und Marianne von Werefkin, Gabriele Münter und Wassily Kandinsky und schließlich Max Beckmann und Minna Tube gezeigt. Dabei wurden in den Vorträgen und Texten nicht selten brandaktuelle, noch nicht veröffentlichte und eminent spannende Forschungsergebnisse vorgestellt.
In den Blick kamen Künstlerpaare, die auch biografisch mit den Purrmanns verbunden waren, aber auch solche ohne konkrete Bezüge. Dafür aber geht es ja bei Alexej von Jawlensky und Marianne von Werefkin, Gabriele Münter und Wassily Kandinsky sowie Max Beckmann und Minna Tube um herausragende Größen der Kunst um und nach 1900.
Hochaktuelles Thema
Der Thema Künstlerpaare ist hochaktuell, weil es sich ja vor allem mit der Rolle der Frau in der Lebenspartnerschaft und der künstlerischen Zusammenarbeit bezieht. Und da gelang es den Referentinnen und Referenten, mit vielen Vorurteilen aufzuräumen und die sehr unterschiedlich gearteten Lebensentwürfe zu diskutieren.
So stellte Isabelle Jansen, die Leiterin der Gabriele Münter und Johannes Eichner-Stiftung aus München, die eigene künstlerische Leistung von Gabriele Münter in ihrer Beziehung zu Wassily Kandinsky heraus.
Annette Dorgerloh von der Humboldt-Uni Berlin stellte heraus, dass Sabine Lepsius, die Lehrerin von Mathilde Vollmoeller-Purrmann, in ihrer Ehe mit Reinhold Lepsius nach außen die Hausfrau, aber eigentlich die wirtschaftliche Stütze der Familie war.
Purrmann-Preis wird wieder vergeben
Komplex war die Beziehung von Alexej von Jawlensky und Marianne von Werefkin, denn da spielte noch eine zweite Frau eine Rolle – und bei Max Beckmann und seiner ersten Frau Minna Tube gab die Gattin die Bildende Kunst auf und wurde Opernsängerin.
Alle zwei Jahre wird auch der Hans-Purrmann-Preis als eine anerkannte und gewichtige Auszeichnung für zeitgenössische Künstler verliehen. Im Herbst ist es wieder soweit.
Lesezeichen
Die im Deutschen Kunstverlag erschienene Publikation (ISBN: 978-3-422-98650-3) kann im Purrmann-Haus Speyer (Vorbestellung auch per Telefon 06232 142020 oder purrmann-haus-speyer@gmx.net) sowie im Buchhandel erworben werden. Sie kostet 18 Euro.