Konzert RHEINPFALZ Plus Artikel Starpianistin Gabriela Montero eröffnet die Reihe „Big Four“ in Ludwigshafen

Improvisiert gern: Gabriela Montero.
Improvisiert gern: Gabriela Montero.

Ein großer Konzertsaal und nur eine Handvoll Menschen. So fühlt sich die neue Normalität an. Wirklich stimmungsvoll ist sie nicht. Aber in Coronazeiten sind die Zuhörer froh, überhaupt Live-Auftritte erleben zu können. Starpianistin Gabriela Montero trat denn auch zur Eröffnung der Reihe „Big Four“ im Ludwigshafener BASF-Feierabendhaus zwei Mal auf.

In großem Abstand zueinander, immer vier Sitze bleiben leer, können nur 20 Prozent der Plätze besetzt werden, das sind 250 Besucher pro Konzert. Die Künstlerin gibt daher zeitversetzt noch ein zweites Konzert – mit einem anderen Programm. „So können wir zumindest die Abonnenten bedienen“, sagt Thomas Bufler, zuständig für die Klassiksparte der Kultur bei BASF. „Normalerweise planen wir drei Jahre in die Zukunft. Jetzt wissen wir nicht einmal, was in vier Wochen sein wird.“ Doch abgesehen von den üblichen Corona-Vorkehrungen ist fast alles wie immer. Fast.

Denn was die Hörer erleben, ist gerade mal ein halbes Konzert – eine Stunde ohne Pause –, was die venezolanische Pianistin aber bestmöglich zu überspielen weiß. Mit Robert Schumanns Kinderszenen spielt Montero sich warm, schwebt mal leichthändig durch die „Kuriosen Geschichten“ in D-Dur, bettelt sich wie das „Flehende Kind“ ausdrucksvoll in die Herzen des Publikums und hat sie spätestens bei der „Träumerei“ erobert. So schnell wie wechselhaft verfliegt das kurzweilige Vorspiel aus der Romantik, das sie leichtgängig und liebevoll interpretiert.

Russischer Schwermut

Dann setzt mit Sergej Rachmaninows Klaviersonate Nr. 2 b-Moll op. 36 die russische Schwere ein: Der erste Satz ist durchzogen von Ausflügen in andere Tonarten, chromatischen Brüchen und improvisiert wirkenden Passagen. Improvisationen liegen Gabriela Montero besonders gut, hier ist sie in ihrem Element. Im zweiten Satz entwickelt die 50-Jährige sehr feinfühlig das Motiv aus aufeinander folgenden Intervallen. Das Allegro molto mit Motiven aus dem ersten Satz treibt sie in einem Wahnsinnstempo voran, technisch brillant, stark im Ausdruck, nur ein ausgewiesener Fan der russischen Schwermütigkeit wird den kleinen Hauch Schroffheit und Ernsthaftigkeit vermissen. Laute Jubelrufe und langanhaltender Applaus belohnen ihre Interpretation.

Improvisationen sind Monteros Stärke

Doch erst danach folgt der Höhepunkt des Konzerts. Monteros Spezialgebiet, die Improvisationen, nehmen seit Jahren einen großen Raum in ihren Konzerten ein. „Musik, die im Moment entsteht“, erklärt sie auf Englisch, „wie ein spielendes Kind im Park“. Somit ist auch die Brücke zu Schumanns Kinderszenen geschlagen. Los geht es mit einer Improvisation von „Oh When The Saints“, die sie in eine Moll-Harmonie verpackt und wie einen klassischen Sonatensatz strukturiert. Hier ein paar Modulationen, dort eine Fugen-Struktur, ein kleiner Kontrapunkt im Bass, das prägnante Thema immer präsent. Mit einem Spannungsbogen à la Beethoven findet Montero ein imposantes Ende.

Auch das ihr vorgeschlagene „Somewhere Over The Rainbow“ – zufällig eine Lieblingsmelodie Monteros – bricht die ungewöhnlich begabte Pianistin und Komponistin gekonnt auf: Dynamik, Tonalität, Genre – alles wechselt fliegend. Von Bach über Joplin bis zum Tango argentino.

Nähe im leeren Raum geschaffen

Ein rauschendes Finale, bedacht mit großzügigem Applaus. Von ihrer Improvisationskunst hätte man sich noch mehr gewünscht. Denn mit dieser schafft Montero eine persönliche Nähe, die die Leere des Raums vergessen lässt. Im zweiten Konzert spielte sie Sergej Prokofjiew und Ludwig van Beethoven Klaviersonate Nr. 17 d-Moll op. 31/2.

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