Kunst und Musik Schreiende Töne zu Francis Bacons Papst-Bild: Das Mannheimer Projekt „Stücke für Werke“
Sich überlagernde Töne pulsieren aus einem geisterhaften Off. Kunsthalle Mannheim, Ständige Sammlung. Sagt da jemand etwas? Es klingt nach „painting“, Englisch für Gemälde. Nach „pain“, Schmerz. Nach „think“, denken. Nach „ting“, Dänisch für Ding. Ziehende Viola- und Cellotöne dann, die mal näher, mal ferner an der Stimme rumoren, die, wie zu erfahren ist, zu dem Zwölftonmusiker und Künstler Arnold Schönberg (1874 bis 1951) gehört.
Dass die bildlose Musik in die bildende Kunst hineinspielt und umgekehrt, ist spätestens seit Giorgiones (oder Tizians) „Ländlichem Konzert“ aus dem Jahr 1509 virulent. Nachzuhören etwa auch in Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung“. Inzwischen sind die Grenzen sowieso fließend. „TING(S)-PAIN“ nennt Alexander Tillegreen sein Duo für Cello, Viola und Tonband, das als Ko-Klangkunstskulptur zu Anna Mahlers bronzener Arnold-Schönberg-Porträtbüste aus dem Jahr 1951 entstanden ist. Ein Werk, das auf der Phantomwort-Illusion basiert, einem psychoakustischen Effekt , der entsteht, wenn ein zweisilbiges Wort aufgeteilt und abwechselnd über zwei Lautsprecher wiedergegeben wird. Stündlich erfüllt die Komposition jetzt den Kubus 7 im Museum, in dem Anna Mahlers Schönberg-Kopf ausgestellt ist. Zudem lässt sie sich vor Ort via eines QR-Codes anhören oder über Soundbites in der Kunsthallen-Web-App: Als eins von zehn, vergangenen Mittwoch vom Berliner ensemble mosaik uraufgeführten Musikstücken, die der 35-jährige dänische Künstler und Komponist Tillegreen zu Kunsthallenwerken verfasst hat. Unter anderem auch zu Arbeiten von Rosemarie Trockel, Isa Genzken, Édouard Vuillard und Auguste Rodin. Oder zu Francis Bacons „Pope II“ (1951), zu dem jetzt ein dringliches Quartett für Schlagzeug, Akkordeon, Klavier und Viola zu hören ist: hämmernde Klavierobertöne, reibende Streicher, die Bratsche klingt nervös. Und manche Töne scheinen zu schreien wie Papst Innozenz X. auf Bacons Bild.
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www.kuma-art