TV
Schauspielerin Friederike Becht: „Bin gerne in der Pfalz“
In „Trügerische Sicherheit“ spielen Sie die musisch begabte Pressesprecherin eines einflussreichen Ministers, die mit dessen Personenschützer liiert ist und eine Missbrauchssituation erlebt. Wie haben Sie sich auf die Rolle der Katharina Borba vorbereitet?
Ich habe viel mit dem Regisseur Thomas Kronthaler gesprochen und eingehend mit Annika Tepelmann, die das Drehbuch geschrieben hat. Und ich habe versucht, Einblick zu bekommen in die Berufswelt von Katharina, also von Pressesprechern für Minister, weil das ja schon etwas ist, das mir eigentlich sehr fern steht. Ich habe mich mit einer Fachkraft unterhalten, die das macht und hatte da so einen Einblick, wie das Verhältnis ist mit den Menschen, die man in der Öffentlichkeit repräsentiert.
Außerdem baue ich mir immer so ungefähr, wie Katharinas Lebensweg gewesen sein könnte. Wie wird man eigentlich Pressesprecher? Und dann hat Katharina ja auch noch Geige gespielt. Wenn sie so gut war, wie viele Stunden hat sie dann wohl geübt? Daraus ergibt sich so das Bild eines Menschen.
Was war für Sie das Herausfordernde an dieser Rolle, was war für Sie neu oder besonders schwierig?
Das Geige spielen. Ich habe Unterricht genommen und geübt, auch weil ich selbst den Ehrgeiz dazu hatte. Geige ist ein anspruchsvolles Instrument, weil man ja gleich zwei Teile zu beherrschen hat, den Körper der Geige und den Bogen. Und beides ist sehr filigran. Wenn du da aufgeregt bist und nicht ordentlich atmest, hast du schon verraten, dass du sie in Wirklichkeit nicht beherrschst. Ich habe dann versucht, das wenigstens zu imitieren.
Spielen Sie selbst ein anderes Instrument?
Ich spiele ein bisschen Gitarre. Aber jetzt möchte ich weiterhin Geige spielen und nehme Unterricht. Das ist tatsächlich geboren aus dem Film.
Im Film wird Ihre Figur Opfer eines sexuellen Übergriffes. Haben Sie im Filmgeschäft selbst etwas Ähnliches erleben müssen oder beobachtet?
Ich habe etwas erlebt, worüber ich mit der Presse nicht sprechen möchte. Aber nicht in der Filmbranche. Und ich kenne viele Frauen, die in ihrem Leben verbale oder gar physische Übergriffe von Männern erleben mussten. Leider sind solche Erlebnisse keine Randerscheinung, wie ja auch die #MeToo-Bewegung zeigt. Unabhängig von meiner Erfahrung finde ich, dass Grenzen, die eine Person setzt, unumstößlich sind. Und dass wir uns nicht schämen sollten, diese auszusprechen.
Viel zu oft ist man versucht, das Fehlverhalten eines anderen zu verharmlosen oder eine Erklärung dafür zu finden. Das passiert schnell und oft, und ich kann eigentlich nur hoffen, dass Frauen oder generell Menschen sich ihrer Grenzen bewusster werden und sagen können: „Lass das, ich will das nicht!“
Für mich war auch interessant, was Katharina trägt. Hose? Rock? Sie kann alles anziehen, sie kann auch mal Bein zeigen, aber nicht, weil sie irgendwie Lust darauf hat, Männern ihre Beine zu zeigen, sondern weil sie selbst es schön findet und es sie kleidet. Wie oft hören wir von Tätern, die über ihr Opfer sagen, die Frau habe zur Verführung quasi aufgerufen, denn sie habe durch ihren Rock provoziert. Unglaublich! Frauen sollten sich doch genau wie andere Personen anziehen dürfen, was sie wollen. Und ein Rock ist keine Einladung zu einer missbräuchlichen Handlung.
Ich fand es spannend, dass wir uns in der Konzeption solche Fragen auch zur Optik Katharinas stellen mussten, und bin ganz froh, dass wir uns dafür entschieden haben, dass Katharina sehr wohl körperbetonte Dinge anziehen kann, ohne dass das gleich irgendwas zu heißen hat. Das Thema des Films ist für mich ja der Blick der anderen auf Katharina und was dieser Blick mit ihr und vor allem der Hauptfigur Jonas, ihrem Freund, macht. Alle reden über sie und dichten ihr Affären an. All das beeinflusst sogar die Sicht von Jonas auf Katharina, obwohl er sie ja persönlich kennt.
Das hört sich danach an, als konnten Sie bei der Entwicklung des Films ziemlich viel mitreden?
Ja, sicher. Man ist ja nicht nur erfüllendes Element, sondern ein denkender Mensch, und dann ist es auch toll, wenn man so wahrgenommen wird. Und ich spiele das ja am Ende, das heißt, ich muss die Figur, die wir da zusammen erschaffen, ja ausfüllen können. Das muss stimmen. Dafür sind Kostümproben und Leseproben super, und Gespräche mit dem Regisseur und den Kollegen sind immer gut. Das Drehbuch war gut geschrieben, aber das heißt nicht, dass man da nicht noch die ganze Zeit suchen kann und daran arbeiten kann.
Kommen Sie noch regelmäßig in die Pfalz?
Ja, klar, meine Mama und mein Bruder leben da ja nach wie vor. Und ich bin gerne da.
Wie hat es hier denn angefangen, dass Sie Schauspielerin werden wollten?
Der Anfang war eigentlich, dass ich mal im „König der Löwen“ war, in Landau im Kino. Da war ich neun, und dieses Erlebnis, in einem Raum mit fremden Menschen zu sein, die der gleichen Geschichte lauschen und auch an den gleichen Stellen lachen und weinen oder ruhig sind, wenn die Spannung steigt, das fand ich magisch. Großartig. Ich dachte: „So was möchte ich auch machen.“ Geschichten erzählen vor Leuten und für Leute.
Ich habe dann auch am Schultheater Verschiedenes gesehen, das mich sehr berührt hat, und angefangen, selber Schultheater zu machen. An der Integrierten Gesamtschule Kandel hatte ich Darstellendes Spiel als Wahlpflichtfach und in mir drin wohl so einen Wunsch, Schauspielerin zu werden. Im Theater Chawwerusch habe ich dann ein Regiepraktikum gemacht, weil ich einfach nicht genug davon bekommen habe. In Neustadt an der Weinstraße habe ich dann bei Michaela Sommer Schauspielunterricht genommen, und bei Annette Postel in Karlsruhe war ich dann auch mal zum Singen.
Welches waren dann die wichtigsten Schritte Ihrer Karriere?
Das erste Engagement nach der Schauspielschule war wichtig für mich. „Wallenstein“ mit Peter Stein, einem großen Theaterregisseur, am Berliner Ensemble. Da hatte ich die Ehre, mit Alexander Fehling, Klaus Maria Brandauer, Walter Schmidinger und Jürgen Holtz zu spielen. Das sind alles unglaublich großartige Schauspieler. Mit denen in Kontakt zu kommen, da kann man, glaube ich, gar nicht glücklich und dankbar genug sein. Und dann auch „Westwind“. Das war einfach filmisch für mich die erste große Erfahrung. Das war ebenfalls ein Geschenk und eine großartige Arbeit. Da habe ich schon viel gelernt, und dann ging das tatsächlich auch mit vielen ähnlich interessanten Projekten weiter.
Würden Sie gerne auch einmal in der Pfalz drehen oder im Pfälzer Dialekt?
Ja, klar doch. Würde ich können und würde ich auch machen, wenn die Rolle es verlangt.
Termin
„Trügerische Sicherheit“ läuft am Montag, 4. April, 20.15 Uhr als „Fernsehfilm der Woche“ im ZDF. Schon jetzt ist das Drama in der Mediathek zu sehen.
Zur Person
Friederike Becht ist 1986 in Bad Bergzabern geboren. Sie wuchs im südpfälzischen Winden auf, ging in Kandel zur Schule und nahm den ersten Schauspielunterricht in Neustadt. Schauspiel hat sie an der Universität der Künste Berlin studiert. Gespielt hat sie danach an Bühnen wie dem Schauspielhaus Zürich, dem Berliner Ensemble und dem Schauspielhaus Bochum. Ihre erste Kinorolle erhielt sie 2008 in „Der Vorleser“, die erste Hauptrolle 2011 in „Westwind“. Regelmäßig ist sie in Fernsehfilmen zu sehen, zuletzt in „Plötzlich so still“ und in der Miniserie „Schneller als die Angst“. Ihr Ehemann ist Sebastian Rabsahl (bekannt als „Sebastian 23“).
Zum Film
Im Fernsehdrama „Trügerische Sicherheit“ spielt Friederike Becht die Figur Katharina Borba. Diese ist die Pressesprecherin von Landesminister Magnus Mittendorf (Christian Berkel) und die Geliebte seines Personenschützers Jonas Neimann (Max Simonischek). Dessen Kollege gibt anzügliche Bemerkungen („bisschen flach, aber geiler Arsch“) von sich, wie auch ihr Pressechef, der behauptet, Katharina würde sich ihrer Karriere wegen an den Minister heranmachen. Bei einer geschäftlichen Feier, bei der alle zu viel getrunken haben, kommt es zum Missbrauch durch den Minister. Katharina Borba ist fortan für Jonas Neimann nicht mehr zu sprechen. Der Bodyguard – die eigentliche Hauptfigur des Films – beginnt zu zweifeln, wie er sich verhalten soll.