Kultur
„Reality-life, kein Real-life“: Was „Prince Charming“ trotzdem so besonders macht
Für seinen „Prince Charming“ ist der 31-jährige Manuel Flickinger im vergangenen Jahr nach Griechenland geflogen. Um die wahre Liebe zu finden, aber auch um ein Zeichen für die Gleichberechtigung zu setzen und das spannende Leben hinter den Kulissen einer Reality-Sendung kennenzulernen. Er stellt direkt klar: Gespielt wird bei der Sendung nichts. Es habe nicht einmal viel Kontakt mit den Leuten der Produktion gegeben. „Wir hatten kein Skript. Niemand hat etwas auswendig gelernt oder irgendwelche Anweisungen bekommen, wie er sich zu verhalten hat. Das denken ja viele. Ich kann sagen, dass ich immer ich selbst war.“ Eine bestimmte Rolle hätte der nebenberufliche Fitnesstrainer aber auch gar nicht spielen wollen – er habe sich völlig auf seinen „Prince Charming“ konzentriert. Dabei verrät er sogar: „Es waren Gefühle im Spiel.“
Dating unter besonderen Umständen
Ganz so wie im „echten“ Leben sei es in einer Villa mit 20 schwulen Männern aber nicht abgelaufen. „Es ist eben Reality-life, kein Real-life“, meint der quirlige Justizfachwirt aus Limburgerhof. Zum einen hätten sich die Kandidaten ohne Zugang zur Außenwelt via Smartphone völlig auf sich und ihre Gefühle konzentrieren können. Zum anderen hätten sie ständig unter Beobachtung gestanden. Fest installierte, bewegungsgesteuerte Kameras mit Mikrofonen überall im Haus und sogar eine Drohne, die das Geschehen von der Vogelperspektive filmt. Seltsam sei das schon gewesen. Doch für Manuel Flickinger war das nichts Neues mehr. Bereits 2018 hat er in der Sendung „First Dates“ bei Vox mitgemacht. Das Fernsehen habe es ihm angetan. „Wenn du einmal Blut geleckt hast, kannst du eben nicht mehr aufhören“, sagt er scherzend. „Ich fühle mich sehr wohl im Rampenlicht, präsentiere mich gern.“ Seit 2013 ist er auch mit seiner Kunstfigur „Lafayette Diamond“ auf diversen Bühnen und Christopher-Street-Day-Paraden (CSD) unterwegs. Er setzt sich passioniert für die LGBT-Gemeinde (lesbisch, schwul, bisexuell und transgender) ein.
Vielfalt als Aushängeschild
Umso begeisterter war er deshalb von der Idee der ersten Schwulen-Datingshow in Deutschland. „Für viele ist das ja noch eine gesellschaftliche Form, mit der sie nicht so viel zu tun haben. Hier konnten wir einmal zeigen, wer und vor allem wie vielfältig wir sind“, erzählt er. Nach der ersten Ausstrahlung über den Internetstreaming-Dienst „TVNow“ waren auch die Zuschauer wie Kritiker begeistert. Im April 2020 gewann das Format als erste Dating-Show sogar den deutschen Grimmepreis in der Kategorie Unterhaltung. Begründung: „Echte Gefühle, echte Personen“ und die Vielfalt des Formats. Tatsächlich ist die Sendung bunt wie die Flagge der Community. Genauso wie ihre Teilnehmer, die mittlerweile sogar einen kleinen Prominentenstatus genießen und sogar heute noch Kontakt zueinander pflegen. Manuel Flickinger schärmt von dem Finale, das damals live in Hamburg ausgestrahlt wurde: „Die Leute haben Schlange gestanden, um uns zu sehen. Leute, die uns unterstützen und anfeuern wollten – das war ein wahnsinnig tolles Gefühl.“
Keine Chance für Negativtät
Natürlich habe es aber nicht nur positives Feedback gegeben: „Auf meiner Facebook-Seite gab es auch viele homophobe Kommentare und Hate – aber darauf reagiere ich gar nicht.“ Allen Zweiflern könne er nur raten, sich eine Sendung anzusehen. Es sei einfach „die beste Dating-Show aller Zeiten“. So ähnlich sieht es auch die Jury des Grimme-Preises in ihrer Bewertung: „Wenn dieser ’Prince Charming’ am Ende die Liebe findet, dann ist das nicht nur tolle, emotionale Fernsehunterhaltung. Dann ist das auch eine neue Art von Märchen.“
Ob Manuel seine große Liebe gefunden hat? Das kann der Zuschauer am Montagabend um 22.10 Uhr bei Vox selbst herausfinden.