Zuckmayer-Medaille
Preisverleihung an Maria Schrader in Mainz
Maria Schrader ist ein Multitalent. 1965 in Hannover als Tochter eines Malers und einer Bildhauerin geboren, entdeckte sie die Liebe zur darstellenden Kunst bereits in frühen Jahren. Seit der Theater-AG ihres Gymnasiums blieb sie den Bühnenbrettern treu. Nach einer (abgebrochenen) Schauspielausbildung am Wiener Max-Reinhardt-Seminar absolvierte sie Stationen in Hannover, Wien, Venedig, Bonn und gehörte zuletzt zum prominent besetzten Ensemble des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg.
Die Filmbranche entdeckte Schrader Ende der 1980er für sich. Ihr Debüt gab sie in der Komödie „RobbyKallePaul“, Regie führte Dani Levy. In etlichen seiner Filme übernahm Schrader in der Folgezeit die Hauptrolle, in seinem Privatleben über lange Jahre ebenso. Gemeinsam waren sie 1997 zu sehen in dem Kinohit „Aimée & Jaguar“. Wenig später wechselte die vielseitige Künstlerin die Seiten, verfasste Drehbücher und führte ab 2005 Regie. Etwa in der preisgekrönten Stefan-Zweig-Biografie „Vor der Morgenröte“, für die Maria Schrader gemeinsam mit Jan Schomburg auch das Drehbuch schrieb.
Bodenhaftung nicht verloren
Apropos Preise: Beinahe so lang wie die Liste ihrer Filme ist jene ihrer Auszeichnungen. Angefangen vom Saarbrücker Max-Ophüls-Preis 1992 als beste Nachwuchsdarstellerin, sammelte Maria Schrader Trophäen zuhauf, darunter gleich mehrfach den Bayerischen Filmpreis (unter anderem für „Aimée & Jaguar“) und den Bundesfilmpreis sowie dem Silbernen Bären der Berliner Filmfestspiele. Auf internationaler Ebene errang sie den Europäischen Filmpreis und als erste deutsche Regisseurin überhaupt einen Emmy für ihre Regie in der Netflix-Miniserie „Unorthodox“.
Dass Maria Schrader trotz ihrer vielen Verdienste, die an diesem Abend unter anderem ein Filmporträt des SWR-Redakteurs Alexander Wasner aufgriff, die Bodenhaftung nicht verloren und sich vielmehr eine sympathische, zurückhaltende, ja bescheidene Art bewahrt hat, wurde bei der Preisverleihung ebenfalls deutlich. Nicht nur die überaus persönliche Laudatio der mit Schrader eng befreundeten Dokumentarfilmerin Regina Schilling zeichnete das Bild einer gewinnenden Künstlerin, die sich das Thema Menschsein mit all seinen Facetten zum zentralen Anliegen gemacht hat. Auch Schraders ausführliche Dankesrede ließ hinter der Kunstschaffenden ein nahbares, umgängliches und spontanes Wesen heraufscheinen, inklusive aller Selbstzweifel, die zu ihrem Leben ebenso zu gehören scheinen wie eine gute Portion Mut, die vielfachen Herausforderungen anzunehmen und schlussendlich zu meistern.
Plädoyer für Offenheit
Als „Mutmacherin“ bezeichnete denn auch Ministerpräsident Alexander Schweitzer in seiner Ansprache die Künstlerin und würdigte die Vielfalt ihrer Perspektiven und Geschichten. Dabei greife sie wichtige gesellschaftliche Themen auf und erzähle sie glaubwürdig und differenziert. Daneben lobte Schweitzer ihre prinzipielle Offenheit, die er im Folgenden auch als Grundbedingung der Demokratie bezeichnete. Wer nun an dieser Stelle die Wendung hin zu Wahlkampfthemen vermutete, lag nur bedingt richtig.
Zwar widmete der SPD-Mann einen guten Teil seiner Rede den politischen Verhältnissen im Land und insbesondere der Medienlandschaft und sprach auch vom Druck, der die derzeitige Lage präge. Und doch ersparte Schweitzer – anders als seine Vorgängerin Malu Dreyer, die ihre Zuckmayer-Ansprachen nur allzu gerne für Attacken auf politische Gegner genutzt hatte – sich und dem Publikum parteipolitisches Geplänkel.
Vielmehr warb er in wohlgesetzten Worten für eine offene Gesellschaft und einen respektvollen Umgang miteinander, wofür die Kultur das Fundament bilde: „Kultur ist grundwichtig und schafft Debattenräume“, so Schweitzers Credo. In diesem Zusammenhang lobte er auch die „wunderbar lebendige Kulturszene“ in Rheinland-Pfalz. Dass „sein“ Bundesland bei den Kulturausgaben jedoch schon traditionell das Schlusslicht im Länderranking bildet, erwähnte er allerdings nicht. Schön wäre es dagegen schon, wenn Lippenbekenntnissen auch Taten folgen würden – solche, wie sie Kulturschaffende vom Schlage Schraders mit ihrem Wirken tagtäglich zweifellos liefern.