Kaiserslautern
Porträt: Anja Gurres hat zwei Filmkrimis um „Kommissar Dupin“ inszeniert
„Ich war so ein Studentenbaby“, erinnert sich Anja Gurres heute und lacht. Mehr oder weniger auf dem Campus der damaligen TU Kaiserslautern und in der Kita vor Ort habe sie ihre ersten Lebensjahre verbracht: Ihre Eltern waren aus dem nahen Bad Dürkheim zum Studium – Mathematik und Informatik – hierhergekommen. Ihre familiären Verbindungen in die Pfalz sind also eng. „Ich war alle Ferien inklusive der Semesterferien immer dort“, berichtet die Filmemacherin, die ihre Geburtsstadt Kaiserslautern allerdings bereits mit fünf Jahren verließ, als ihre Eltern für den Beruf ins schwäbische Weinstadt umgezogen.
Anja Gurres ist früh vom Film fasziniert. „Ich habe irgendwie schon mit acht Jahren versucht, ein Drehbuch für ,Harry Potter’ zu schreiben“, erzählt sie. Als sie schließlich etwa doppelt so alt war, begann sie tatsächlich, Kurzfilme zu inszenieren, die sie letztlich zurück in die Pfalz und die Kurpfalz führten. 2014 und 2015 gewann sie beim Mannheimer Kurzfilmfestival Girls Go Movie mit ihren Zehnminütern „Die Ratte“ und „Vögel zählen“. Beide Arbeiten zeigte anschließend auch das Festival des deutschen Films in Ludwigshafen. „Das war richtig schön dort“, meint Gurres, inzwischen ausgebildete Regisseurin. „Da würde ich gerne noch mal irgendwann laufen.“
Schon die Teilnahme, nicht erst die Auszeichnungen – drei erste Plätze bei Girls Go Movie –, hätten ihr „auf jeden Fall weitergeholfen“, blickt die Filmemacherin heute dankbar zurück. „Wenn man anfängt, ist man ja nicht gleich total selbstbewusst. Ich wusste ja noch nicht: Hat das eine Qualität, was ich da mache? Kommt das an? Kann ich tatsächlich das Gefühl transportieren, das ich transportieren möchte?“ Der Raum, den ihre Filme auf den verschiedenen Festivals erhielten, die Sichtbarkeit und die positiven Rückmeldungen seien extrem wichtig gewesen.
Nach einem Semester Medienwissenschaften in Weimar begann Gurres in Ludwigsburg, nur rund 20 Kilometer von ihrem Wohnort Weinstadt entfernt, Regie an der Filmakademie Baden-Württemberg zu studieren. „Das war so ein bisschen meine Traum-Uni, weil ich sie kannte und auch die Filme, die von da kamen. Ich fand den Unterricht dort sehr gut.“ Sechs Jahre nach ihrem Abschluss lobt sie besonders die vielfältigen Möglichkeiten, sich auszuprobieren, sich entwickeln zu können und eine eigene filmische Stimme zu finden. Als Studentin blieb sie bei Kurzfilmen („Kaugummiblase“, „Im Widerschein“), bis sie die Hochschule 2020 ausgerechnet zum ersten Corona-Lockdown verließ.
Eine bessere Eintrittskarte ins Filmgeschäft ist freilich ein Langfilm. So kam es 2022 zu „Balconies“, ihrem 82-minütigen Episodenfilm, der tatsächlich ausschließlich auf Balkonen oder „in Balkonien“ spielt. Gurres, , die nebenher auch als Autorin („Glory“) arbeitet, schrieb ihn (zusammen mit Manuel Ostwald), produzierte und inszenierte ihn ohne Budget, aber mit Unterstützung von Freunden, zum Teil ausgebildeten Filmemachern, die zu Zeiten der Pandemie einen schwierigen Start hatten. Die Komödie lief auf verschiedenen Festivals, kam aber nie ins Kino und lässt sich heute auf Prime Video abrufen.
„Den Film haben ein paar Leute gesehen“, berichtet die Regisseurin. So zog „Balconies“ das Angebot der Produktionsfirma Filmpool Fiction nach sich, 2023 den „Flensburg-Krimi: Wechselspiele“ mit Katharina Schlothauer und Eugene Boateng zu inszenieren. Ein ARD-Donnerstagskrimi wie die Bretagne-Reihe um Kommissar Georges Dupin (Pasquale Aleardi), hinter denen Filmpool Fiction ebenfalls steht. „Kommissar Dupin: Bretonische Sehnsucht“ und „Bretonische Versuchungen“ nach den Romanen von Jean-Luc Bannalec (alias Jörg Bong) konnte Anja Gurres im vergangenen Jahr inszenieren.
Insgesamt vier Monate war Gurres daher 2025 in der Bretagne, rund um Concarneau und auf der kleinen, ganz im Westen gelegenen Insel Ouessant. „Vier Wochen Vorbereitung und vier Wochen Dreh“ gab es je Krimifolge, wie sie berichtet, dazwischen zwei Monate in Deutschland, um den ersten Film „Bretonische Sehnsucht“ zu schneiden. In diesem 13. Fall der Reihe, der an diesen Donnerstag erstmals ausgestrahlt wird, findet ein Liebespaar eine Leiche, der Fall führt in eine ungewöhnliche Frauen-WG.
Nach der Ostsee, für den „Flensburg-Krimi“, führte ihr Beruf Gurres also an den Atlantik. Irgendwie ziehe es sie ans Wasser oder ans Meer, beobachtet die Regisseurin. „Ich liebe einfach das Wasser, ich mag das total gerne“, schwärmt sie. Mittlerweile ist sie in Hamburg zu Hause. Regelrecht verliebt habe sie sich in die Hansestadt, sagt sie, nicht zuletzt wegen der Lage an Elbe und Alster.
Gleichwohl führt ihr Weg sie regelmäßig zurück in die Pfalz. Erst vor wenigen Wochen hat sie das Weinbergleuchten in Bad Dürkheim besucht und meint, befragt nach der Pfalz als Filmschauplatz: „Ich kann mir das schon vorstellen, diese Landschaft in einem Film aufzugreifen. Ich finde Bad Dürkheim und die Umgebung schon wahnsinnig inspirierend. Und ich finde auch, dass sich die Sonne dort ganz besonders anfühlt.“
Termin
„Kommissar Dupin: Bretonische Sehnsucht“, Das Erste, 2. April, 20.15 Uhr, bereits abrufbar in der Mediathek. Der Sendetermin für „Kommissar Dupin: Bretonische Versuchung“ steht noch nicht fest.