Kunst RHEINPFALZ Plus Artikel Philipp Klein in Mannheim: „Sensationelle Wiederentdeckung“

Ein seltenes reines Landschaftsbild: „Ein Wintertag“ in Pastell auf Papier von 1902.
Ein seltenes reines Landschaftsbild: »Ein Wintertag« in Pastell auf Papier von 1902.

Den früh verstorbenen Impressionisten Philipp Klein aus Mannheim würdigen die Reiss-Engelhorn-Museen mit einer wunderbaren Ausstellung.

„Aufgetaucht“ heißt die Ausstellung, und das Plakat wie das Titelbild des Katalogs zeigen einen Mann, der gerade aus dem Wasser hochgekommen ist, klatschnass und prustend. Der „Mann beim Bade“, der hier gerade ein erfrischendes Bad im Starnberger See nimmt, ist aller Wahrscheinlichkeit nach Lovis Corinth, porträtiert von seinem Malerkollegen Philipp Klein. In diesem Sommer 1899 hat er in Bernried Corinth getroffen und auch den Schriftsteller Max Halbe und den Galeristen Paul Cassirer. In Künstlerkreisen bewegte sich Philipp Klein unter seinesgleichen, seine Erfolge standen denen der später viel berühmteren Kollegen in nichts nach.

Wenig Glück in der Heimat

Philipp Klein? Selbst viele Kunsthistoriker dürften den Namen noch nie gehört haben. Weil er das Pech hatte, jung zu sterben – und damit auch das Glück, die zwei Weltkriege und düsterste Zeiten in Deutschland nicht mehr zu erleben –, ist er allmählich in Vergessenheit geraten. Und nun eben wieder aufgetaucht. Kurator Andreas Krock spricht von einer „sensationellen Wiederentdeckung“. Zu verdanken ist sie der Kunstsammlerin Barbara Hofkamp aus Zürich, die Kleins Werk über Jahre erforscht hat und die Reiss-Engelhorn-Museen und das Landesmuseum Hannover für eine Kooperation gewinnen konnte. Auf einen Aufruf in den (sozialen) Medien meldeten sich Besitzer von Gemälden Kleins, von denen zwölf nun in der Ausstellung zu sehen sind, und auch ein entfernter Nachkomme des kinderlos gebliebenen Malers.

Geboren am 16. Februar 1871 in Mannheim als Sohn eines aus Kaiserslautern stammenden Kaufmanns, ist Klein im Quadrat B1 in der Nähe des Schlosses aufgewachsen. Eine Auftragsarbeit für eine Zeitschrift, das Original ist verschollen, zeigt den Blick aus einem Fenster seines Elternhauses auf die Jesuitenkirche. Ansonsten hatte er in künstlerischer Hinsicht wenig Glück in seiner Heimatstadt. Er verließ sie, nachdem ein Unfall seine Offizierslaufbahn vorzeitig beendet hatte, als 20-Jähriger in Richtung München, der Kunst- und Kulturmetropole des ausgehenden 19. Jahrhunderts.

In Kandinskys Adressbuch

In der bayerischen Residenzstadt studierte Klein zwar nicht an der Akademie der Künste – er blieb zeitlebens Autodidakt –, gehörte aber trotzdem schnell zur Avantgarde. Es sind keine Aufzeichnungen Kleins erhalten und nur wenige Briefe über ihn. Aber die Ausstellung zeigt ein Faksimile von Wassily Kandinskys Adressbuch, in dem Kleins Adresse notiert war. Kontakt hatte er auch zu Max Slevogt, Josef Wopfner und Paula Becker (später Modersohn-Becker). Er beteiligte sich an Schauen der Berliner und Münchner Secession und der Künstlergruppe „Phalanx“ und hatte gemeinsame Ausstellungen unter anderem mit Edvard Munch und Claude Monet. Dessen Gemälde „Impression, Sonnenaufgang“ von 1872 hatte der Epoche des Impressionismus ihren Namen gegeben. Kleins Werk „Sonnenaufgang am Chiemsee“ von 1893 steht in dieser Tradition.

Klein malte aber keineswegs nur leuchtende Landschaften. Die Ausstellung zeigt Porträts, Akte, Stillleben, Strandszenen und das Leben in den Biergärten der Stadt München und an den oberbayerischen Seen. Umrahmt werden die Gemälde, die wenigen Grafiken und Zeichnungen von Werken seiner Zeitgenossen – und Zeitgenossinnen, von denen viele das Schicksal teilen, im kunstgeschichtlichen Kanon nicht den Platz einzunehmen, der ihnen gebührt.

Beitrag zur Biennale

Sowohl was Publikumserfolg als auch was Ansehen bei Kunstkritikern angeht, war Philipp Klein bei seinen heute noch berühmten Zeitgenossen unter seinesgleichen. Dass sein Name allmählich verblasste, hängt für Kurator Krock allein mit seinem frühen Tod zusammen. Liebermann, Slevogt, Corinth – sie alle überlebten ihn um zwei bis drei Jahrzehnte. Philipp Klein starb im Jahr des 300. Stadtjubiläums seiner Heimatstadt Mannheim am 9. Mai 1907 im Alter von nur 36 Jahren an den Folgen des Roemheld-Syndroms im Sanatorium auf Schloss Horneck in Gundelsheim am Neckar. Erst im Jahr zuvor hatte er Elisabeth Wendroth geheiratet, und auch künstlerisch befand er sich auf einem Höhepunkt. In der Münchner Modernen Kunsthandlung Brakl & Thannhauser hatte er mit Vertretern der Künstlergruppe „Scholle“ 64 Werke gezeigt, eine Ausstellung seines Hauptwerks „Vor der Redoute“ – nun ebenfalls in Mannheim zu sehen – auf der 7. Biennale in Venedig sollte er nicht mehr erleben.

Nachdem ein Beitrag von ihm zur Jubiläumsausstellung 1907 abgelehnt worden war, würdigte Kleins Heimatstadt, wo er auf dem Hauptfriedhof begraben ist, den Künstler 1909 mit einer Gedenkausstellung im Kunstverein. Danach war in Mannheim jahrzehntelang nichts mehr über ihn zu hören. Bis Philipp Klein nun, endlich, wiederaufgetaucht ist.

Die Ausstellung„Aufgetaucht. Philipp Klein im Kreis der Impressionisten“, bis 6. April in den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim.

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