Ludwigshafen
Pfalzbau: Corinna Harfouch, Ulrich Matthes und Joschka Fischer
Man merkte Tilman Gersch den Stolz an, als er den Spielplan für 2026/27 vorstellte, zum ersten Mal gemeinsam mit dem neuen, selbst auch für die Kultur zuständigen Ludwigshafener Oberbürgermeister Klaus Blettner (CDU). Den Stolz nicht nur darauf, Ludwigshafen „für einen Moment ins Zentrum des internationalen Tanzgeschehens“ zu rücken. Sondern auch darauf, elf Jahre nach dem Start seiner Intendanz ein Netzwerk geschaffen zu haben, das diesen Moment möglich macht: Die GöteborgsOperans Danskompani zeigt die Weltpremiere von „See You Sunday“, dem neuen Stück der Choreografen Sarah Balzinger und Isaiah Wilson, in Ludwigshafen. Die eigene Residenz, die Oper von Göteborg, wird bis in den Herbst hinein Baustelle sein.
Wieder eine Werkschau
Das besondere Gastspiel aus der zweitgrößten Stadt Schwedens markiert am zweiten Oktoberwoche den Start der Festspiele Ludwigshafen. Bis kurz vor Weihnachten gastieren acht Tanz- und sechs Schauspielproduktionen im Theater im Pfalzbau, dazu kommen Konzerte, Lesungen von Katharina Thalbach, Ursula Krechel oder Edgar Selge und Gespräche, etwa mit dem früheren Vizekanzler Joschka Fischer.
Im Schauspiel knüpft Gersch an eine Tradition aus vorpandemischer Zeit an und widmet einer renommierten deutschsprachigen Bühne eine Werkschau: Das Berliner Ensemble zeigt drei Produktionen: den Abend „K.“, in dem sich Regisseur Berrie Kosky mit Franz Kafka und seinem Jüdischsein auseinandersetzt, das Oscar-Wilde-Solo „De Profundis“ mit Jens Harzer und Carl Zuckmayers „Der Hauptmann von Köpenick“ als Ein-Personen-Stück mit Max Hopp. Der Trend an den Bühnen gehe derzeit zu Solostücken, sagte Gersch, der auch das Wiener Burgtheater mit Stefanie Reinspergers gefeiertem „Elisabeth!“-Abend eingeladen hat, der unlängst schon beim Heidelberger Stückemarkt zu Gast war. Ein Höhepunkt der Spielzeit wird sicher auch „Heroes“ sein, die Hommage des Berliner Schauspielers Alexander Scheer an Popikone David Bowie.
Viele prominente Namen
Die Arbeit eines nicht weniger verehrten Regisseurs wird posthum noch einmal zu erleben sein: Die Volksbühne Berlin gastiert mit der René-Pollesch-Produktion „Ich weiß nicht, was ein Ort ist, ich kenne nur seinen Preis (Manzini-Studien)“ mit Martin Wuttke und Kathrin Angerer. Überhaupt ist die Liste der prominenten Schauspielerinnen und Schauspieler lang. Corinna Harfouch spielt in „Arendt – Denken in finsteren Zeiten“, einem Hannah-Arendt-Abend des Thalia Theaters Hamburg, Ulrich Matthes in Bastian Krafts „Die Physiker“-Inszenierung des Deutschen Theaters Berlin, die in einem Jahr zum Ende der nächsten Spielzeit kommt. Zuvor ist noch einmal das Berliner Ensemble mit Shakespeares „Was Ihr wollt“ in der Version von Regiestar Antú Romero Nunes zu Gast.
Im Tanz kommen nicht nur internationale Kompanien wie eben besagte GöteborgOperans Danskompani oder das Ballett der Opera di Roma (mit „Giselle“ von Carla Fracci) nach Ludwigshafen, sondern auch bedeutende nationale: Die WINNDance Company Stuttgart präsentiert unter dem Titel „Scirocco“ Choreografien von John Neumeier, Imre und Marne van Opstal und anderen. Das Tanztheater Wuppertal Pina Bausch ist mit dem Stück „Vollmond“ seiner 2009 verstorbenen Namensgeberin im Programm vertreten.
Neben Gastspielen aus Frankreich (unter anderem vom Ballet national de Marseille und Les Ballets de Monte Carlo), Spanien (IGalván Company, GN/MC Barcelona) und Taiwan (Mailantia Dance Company Taiwan) kündigte Intendant Gersch noch eine zweite Weltpremiere an: Das Tanzstück „The Rain Maiden“ nach Theodor Storms Kurzgeschichte „Die Regentrude“ wird inszeniert von der kubanischen Nationalkompanie Danza Contemporánea de Cuba und koproduziert vom Theater im Pfalzbau – was früher nicht unüblich war und heute aus Kostengründen nur noch ganz selten geschieht.
Neues Ticketsystem kommt
Stichwort Kosten: Der Zuschuss der Stadt Ludwigshafen zum Theateretat ist mit 5,27 Millionen Euro unverändert hoch. Auch für das Jahr 2027 seien keine Einsparungen geplant, sagte Oberbürgermeister Blettner, der den Stellenwert des Theaters betonte: „Kultur und insbesondere dieses Haus zählen zu den Stärken unserer Stadt.“ Und auch wenn die Eintrittspreise nicht sinken werden (die der Abonnements allerdings auch nicht erhöht wurden und ausgesprochen günstig sind), verspricht das Theater einen deutlichen Komfortgewinn für das Publikum durch ein neues Ticketsystem. Es soll im Sommer eingeführt werden.
Die Kooperation mit den Kollegen aus Kaiserslautern geht unverändert weiter: Das Pfalztheater gastiert mit vier Musiktheaterproduktionen. Intendant Tilman Gersch steuert mit der Bürgerbühnenproduktion „Der Drache“ zum Spielzeitauftakt ab dem 2. Oktober und mit „Prinzessinnendramen“ nach Elfriede Jelinek mit Shootingstar Josephine Thiesen zwei Eigenproduktionen zum Spielplan seines Theaters bei. Und auch für Kinder sind einige Gastspiele geplant.