Denkmal RHEINPFALZ Plus Artikel Neues Konzept für das Schloss Villa Ludwigshöhe bei Edenkoben

Die Loggia an der Schauseite der Villa Ludwigshöhe zum Tal hin.
Die Loggia an der Schauseite der Villa Ludwigshöhe zum Tal hin.

Der erste Blick in die Villa Ludwigshöhe nach fast vier Jahren Sanierung: Die Fassade und Fenster sind frisch gestrichen, die Pergola steht. Doch noch stehen auch die Bauzäune. Eröffnung ist erst in einem Jahr mit neuem Konzept.

So mancher Wanderer, der mit dem Sessellift zur Rietburg hinaufgondeln will, steht vor den Bauzäunen rund um das Schloss und fragt sich, was wohl dahinter passiert. Im November 2019 wurde die Villa Ludwigshöhe geschlossen und sie hätte längst wieder geöffnet werden sollen – zu Beginn der Sommersaison 2022. Corona und zuvor unentdeckte Bauschäden hätten alles verzögert, sagt Angelika Kaiser-Lahme, Leiterin der rheinland-pfälzischen Direktion Burgen Schlösser Altertümer. Sie geleitete am Sonntag zwei kleine Gruppen mit Medienvertretern und Schlossführern durch die Anlage.

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Zurzeit hapert’s noch am Dachstuhl, genauer gesagt an den maroden Köpfen der Fetten. Eine schwierige Sanierung, sagt Kaiser-Lahme, denn am Holzgestühl sind die empfindlichen Decken mit ihren Bemalungen aufgehängt, denen jede Erschütterung zusetze. Noch dazu ist das nach antikem Vorbild gestaltete Dach so flach, dass sich die Arbeiter darunter nur kriechend fortbewegen können.

Malereien nach pompejanischem Vorbild zieren das Erdgeschoss.
Malereien nach pompejanischem Vorbild zieren das Erdgeschoss.

So genau wie für die Sanierung haben Denkmalpfleger schon lange nicht mehr unter die Lupe genommen, was sich hinter dem schönen Schein einer kostbaren Ausstattung mit Edelholzböden und pompejanischer Decken- und Wandmalerei tat. „Wir treffen immer wieder auf Stellen, an denen man sieht, dass dem König das Geld ausgegangen ist“, erzählt die Kaiser-Lahme. Sechs Jahre – von 1846 bis 1852 – dauerte der Bau seines Lustschlösschens, während derer Ludwig I. wegen der Affäre mit der Tänzerin Lola Montez zugunsten seines Sohns abdanken musste. Danach konnte der Bayernkönig a. D. die Arbeiten nicht mehr aus der Staatskasse zahlen.

Künftig Besuch auch ohne Führung

Nun wird die Sanierung der Ludwigshöhe fast so lange dauern wie ihr Bau. Zeit, sich auch über das künftige Nutzungskonzept im Klaren zu werden. Denn das Schloss hatte in der Vergangenheit nicht die Anziehungskraft, die ihm gebührt. Kaiser-Lahme möchte jedenfalls mehr Menschen erreichen. Die größten Neuerungen in der Villa Ludwigshöhe: Der Besucher soll sich frei durch die Räume bewegen können – nach wie vor mit Museumspantoffeln zum Schutz der kostbaren Böden, doch ohne eine eigene Führung buchen zu müssen. Ein Kurator oder eine Kuratorin soll her, die historischen Räume zu bespielen. Die Stelle will Kaiser-Lahme in Mainz beantragen.

In der Max-Slevogt-Galerie solle die Dauerausstellung von wechselnden Präsentationen abgelöst werden. Und die Ausstellungen im Obergeschoss sollen einen breiteren Fokus auch auf kulturgeschichtliche Themen erhalten. Die Historikerin kann sich hier zum Beispiel eine Kostümsammlung vorstellen, die das Land als Schenkung erhalten habe. Und bei der Keramik-Sammlung Lotte Reimers im Kellergewölbe soll es Kooperationen mit anderen Häusern geben.

Ende des 19. Jahrhunderts letztmals bewohnt

Das neue Konzept beginnt schon beim Inventar. Haben sich die Denkmalpfleger sonst für einen Zustand der Villa um 1900 entschieden – vier große Gestaltungsphasen gab es – so fällt eine Entscheidung bei der Möblierung ungleich schwerer. Nach Jahrzehnten wurde die Villa zum ersten Mal wieder komplett ausgeräumt. Das Ergebnis des Kassensturzes: „Wir können nur die wenigsten Räume ausstatten – egal nach welcher Zeit“, sagt Kaiser-Lahme.

Schon in der Ära Ludwigs wurde für Besuche ein Großteil der Ausstattung samt den Betten von München in die Pfalz gekarrt. „Erst Kronprinz Rupprecht stieg 1952 in eine museale Repräsentation ein“, so die Historikerin. Zum letzten Mal richtig bewohnt wurde die Villa Ende des 19. Jahrhunderts durch Luitpold. Jedenfalls war die Immobilie leer, als das Land Rheinland-Pfalz sie 1975 vom Wittelsbacher Ausgleichsfonds kaufte. Die Möbel, die bislang zu sehen waren, hat die Stiftung zur Verfügung gestellt. So ist das Arbeitszimmer des Monarchen noch nahezu komplett erhalten. Andere Zimmer sollen künftig mit Reproduktionen inszeniert werden. Dazu hat Kaiser-Lahme in Münchener Archiven Inventarlisten aufgestöbert, die als verschollen galten.

Küche aus der Bauzeit erhalten

Sehen sollen Besucher auch, wie sich das Schloss verändert hat mit der Zeit. Der skurrilste Part dürfte beim Rundgang das Badezimmer sein, das das Land für Staatsgäste in der Ludwigshöhe einrichten ließ: mit grüner Keramik im Zeitgeschmack der 70er und goldenen Wasserhähnen – vielleicht als Reverenz an die majestätische Umgebung.

Skurrilster Raum: ein 70er-Jahre-Bad mit goldenen Wasserhähnen.
Skurrilster Raum: ein 70er-Jahre-Bad mit goldenen Wasserhähnen.

Ein Höhepunkt dürfte auch die Küche sein, die noch aus der Bauzeit stammt: rauchfrei mit Abzug unter dem Boden. Dazu ist auch eine neue Schauspielführung in Auftrag gegeben, bei der sicher auch die ungewöhnlich üppige Eiskammer für des Monarchen Lieblingsspeise zur Sprache kommt.

Die Schauseite der Villa Ludwigshöhe mit ihrer doppelstöckigen Loggia.
Die Schauseite der Villa Ludwigshöhe mit ihrer doppelstöckigen Loggia.

Das Hauptaugenmerk soll laut Kaiser-Lahme klar auf dem Wunsch Ludwigs I. nach einem Lustschloss liegen: „La dolce vita in der Pfalz“. Denn die Villa sei trotz ihrer imposanten doppelstöckigen Loggia, die auf Säulen ruht, kein Repräsentationsort, sondern ein Feriensitz gewesen, in dem der Monarch „mal nicht König sein musste“. Hinter der Holzvertäfelung des Schlafzimmers haben die Arbeiter eine bürgerlich-behagliche Biedermeier-Tapete entdeckt.

Künftig Krimidinner um Lola Montez?

Wieder in Schuss gebracht und klar strukturiert wird derzeit die Außenanlage. Sie habe darauf gedrungen, dass die Direktion Burgen Schlösser Altertümer zum ersten Mal auf einer ihrer Baustellen auch den Klimawandel in ihre Überlegungen einbezieht, sagt Kaiser-Lahme. So werden Zisternen für insgesamt 20.000 Liter Regenwasser eingebaut. Für den kleinen Hausgarten, der nach historischem Vorbild hergerichtet wird, dürfte das reichen. Für die ganze Anlage rund ums Schloss wohl kaum. Zu ihr gehören auch der Weinberg und der Kastanienwald – noch Ludwig I. hat verfügt, dass sie erhalten bleiben, auf dass man sich an den unterschiedlichen Grüntönen erfreue.

Auf dem Vorplatz soll wieder eine Bühne für Konzerte aufgebaut werden können. Und das Land wünscht sich, dass die Gastronomie, für die derzeit eine Ausschreibung läuft, auch durch eigene Veranstaltungen für Publikumsverkehr sorgt. Vielleicht gibt es auf der Ludwigshöhe ja künftig Krimidinner um Lola Montez.

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