Frankfurter Buchmesse Mit tschechischem Humor Brücken bauen
Ein wenig Schalk im Nacken ist schon dabei, wenn ein Binnenland wie die Tschechische Republik sich im Oktober mit Küstensymbolik präsentieren wird: ein Verweis auf Shakespeare ist das, er hatte in „Das Wintermärchen“ Böhmen als ebensolches „Land an der Küste“ beschrieben.
Tschechische Autoren haben ihren ganz eigenen Humor, der stets hintersinnig ist und den Blick auf gesellschaftliche Verwerfungen erleichtert. „Ich wollte über Fake News schreiben und über die Hoffnung und die Liebe“, erklärt etwa Dora Kaprálová, frisch mit dem European Union Prize for Literature ausgezeichnet, ihren Roman „Die Mariborhypnose“ (auf Deutsch ab September). Dazu erzählt sie dann aber aus der Perspektive einer Fliege („Meine Mutter hat früher so viele erschlagen“). Ein Hypnotiseur und Tito kommen auch vor. „Ich wollte schon immer über einen Diktator schreiben“, sagt die Tochter des Dichters Zeno Kaprál beim Ehrengast-Pressetermin am Donnerstag in Frankfurt lächelnd. In einem fast fehlerfreien Deutsch übrigens: Die 1975 in Brno geborene Autorin lebt in Berlin. Sie habe inzwischen viele Heimaten in Europa, sagt sie. Und: „Ich hoffe, dass Worte uns auch in Zukunft verbinden.“
Zwischen den Wolken
Ums Thema Küste soll es auch visuell gehen: Das Designbüro JinJan (benannt nach seinen Gründern, Jindřich Ráftl und Jan Tůma) hat eine luftig-verträumt gedachte, aufblasbare weiche Landschaft aus grauorangenen Objekten geschaffen, die wie Felsen an einer Küste wirken können. Oder wie tschechischer Sandstein. Oder wie Wolken. Und auf sie kann viel projiziert werden, eigens geschaffene Illustrationen tschechischer Autoren etwa. Und natürlich Texte – von einem stilisierten Leuchtturm aus.
Wer sich bis zum Buchmessestart am 6. Oktober einlesen möchte: Dora Kaprálová empfiehlt die Dichter Petr Borkovec und Pavel Novotný, der schon mal Straßenbahnfahrten verschriftlicht hat.