Kultur Meditativ, verspielt, poetisch
Die Städtische Galerie Villa Streccius in Landau ist schon äußerlich ein Hingucker. Seit die einst private Gründerzeit-Immobilie zum Ort der Kunst mutierte, stellt sie auch ihr lichtdurchflutetes Innenleben zur Schau. Die zweiteilige Ausstellung „Räume der Anderen“ verbindet die Architektur mit künstlerischen Raum-Positionen und lässt beglückend viel Raum für eigene Assoziationen. 16 Künstler verorten sich hier zur Gesamtschau, acht eröffneten nun den ersten Teil.
Was ist ein Raum? Wer kann ihn nutzen, gestalten, verwalten? Bietet er Schutz oder engt er ein? Hat er trennende oder verbindende Funktion? Ist er konstruiert oder natürlich unberührt? In den noblen, 125 Jahre alten Räumen des ehemaligen Wohnhauses des königlichen Notars Heinrich Streccius suchen 16 Künstler der Gegenwart mit den Mitteln der Malerei, Bildhauerei, Fotografie, Installation und Videokunst Antworten. Eingeladen haben sie die Kuratorinnen Karin Leydecker und Monica Jager-Schlichter im Auftrag der Stadt Landau. Die Resonanz war so groß, dass die sehr unterschiedlichen Positionen nun in zwei aufeinander folgenden Ausstellungen gezeigt werden. Der erste Teil widerspiegelt die eher ruhigen, meditativen, poetisch verspielten Raum-Interpretationen mit Arbeiten von Edite Grinberga, Monika Schmid, Dorothée Aschoff, Jochen Hein, Eva Schaeuble, Sarah Oh-Mock, Isa Dahl und Lars Möller. Im zweiten Part, ab 23. März, soll es nach dem Konzept der Ausstellungsmacher dynamischer, expressiver und wuchtiger zugehen. Aktuell bieten die Räume viel Platz für Träume. Die Wände sind Projektionsflächen für flüchtige Gedanken und eher leise Eventualitäten. Die überlegte Reaktion und sinnliche Reflexion prägen den harmonischen Gesamteindruck – egal, ob sich der Besucher im Werkraum einer Künstlerin, nämlich in Edite Grinbergas real und lebensgroß anmutendem Ölgemälde „Atelier mit Kreisel“, oder unter dem luftig-filigranen „Baldachin“ wiederfindet, den Monika Schmid so märchenhaft aus einfachem Messingdraht und Vliesstoff wob. Die federleichten, schwerelosen Raumobjekte, die mit jedem Lufthauch spielen, sind wie geschaffen für den luxuriösen Spiegelsaal im Obergeschoss. Vor ziemlich baufälligen historischen Kulissen im urbanen Raum sind hingegen die malerischen, leicht surrealen Fotografien von Sarah Mock und Bongjun Oh entstanden, die eine Brücke zwischen Heimat und touristischen Sehnsuchtsorten schlagen, also Kulturen verbinden wollen. Die in Neustadt aufgewachsene Pfalzträgerin und ihr Partner stehen dafür quasi persönlich Pate und dokumentieren die Entstehung auf Video. Verblüffend echt und natürlich wirkt dagegen Jochen Heins idyllische Parklandschaft, die sich mit ihrem von Sonnenflecken gesprenkelten satten Grün vor einem imaginären Schloss ausbreitet. Aber warum denkt man an eine höfische Szene? Es sind die anmutigen Fayencefiguren der Karlsruher Künstlerin Eva Schaeuble, die dem Gemälde gegenüber stehen und ihm die fürstliche Aura verleihen. Dabei wirken die auf verschnörkelten Barhockern positionierten Damen beim zweiten Hinsehen selbst wie Betrachter der Szenerie und bergen – um das Raumwunder zu perfektionieren – ihr eigenes Geheimnis. Denn zu gerne würde man ihre kecken Köpfe heben, um herauszufinden, ob sie als Deckel ihrer vasenförmigen Körper funktionieren. Weit weg von höfischer Etikette fühlt man sich dort, wo das verrottete „Gitterboot“ der Neustadter Künstlerin Dorothée Aschoff gestrandet ist. Die fragmentarische Papierskulptur liegt direkt vor dem „Steinstrand“ von Lars Möller und weitet den Blick in eine imaginäre Ferne. Die Schwarz-weiß-Farbgebung dieses Raumes befördert ausufernde Gedanken an Transzendenz, Vergänglichkeit und Einsamkeit. „Eben still“ heißt auch ein Gemälde von Isa Dahl. Das kreisrunde Bild erinnert an ein verlassenes Nest, also an einen ausgedienten Schutzraum. Die Ausstellung „Räume der Anderen I“; Villa Streccius, Landau, bis 11. März. „Räume der Anderen II“: 23. März bis 6. Mai; dienstags/mittwochs, 17 bis 20 Uhr, donnerstags bis sonntags, 14 bis 17 Uhr.