Kultur RHEINPFALZ Plus Artikel „Little America“: SWR-Mini-Fernsehserie über den Einfluss der US-Army in der Pfalz

Ein Handlungsstrang des in der PFalz angesiedelten Sechsteilers „Little America“ soll sich um die bäuerliche Familie Kastner dre
Ein Handlungsstrang des in der PFalz angesiedelten Sechsteilers »Little America« soll sich um die bäuerliche Familie Kastner drehen. Es spielen (von links): Elisa Schlott, Aljoscha Stadelmann, Winnie Böwe und Paul Sundheim. Regie führt Dror Zahavi (stehend).

Anfang März haben die – inzwischen unterbrochenen – Dreharbeiten begonnen. „Little America“ wird von Branchendiensten als „historische Miniserie aus der Pfalz“ angekündigt. Erzählt werden soll damit von der „Amerikanisierung“ hier bei uns nach dem Zweiten Weltkrieg. Aber was daran ist pfälzisch?

„In der Eifel, in Köln, im Raum Heidelberg und in Idar-Oberstein“ soll die sechsstellige Fortsetzungsgeschichte laut SWR entstehen. Anfang März haben in der nordrhein-westfälischen Eifel die Dreharbeiten begonnen. Bis Ende Juni sollten sie dauern. Die Corona-Krise sorgte jetzt für ein vorzeitiges Ende. Wann die Filmarbeit weitergeht, ist ebenso fraglich wie ein Sendetermin. Der SWR, der die Federführung der beteiligten Partnerfirmen innehat, teilte auf Anfrage mit, es sei „derzeit alles offen“.

Ort der Handlung der Miniserie jedenfalls ist „ein Landstrich im Westen von Rheinland-Pfalz“, dort die fiktive Kleinstadt Kaltenstein. Ferner geht es um ein Kloster und eine nicht näher bezeichnete „Base“ der US-amerikanischen Besatzungstruppen.

Die Pfalz, über Nacht ein Eldorado der Dollars

Die Fernsehzeitschrift „Hör zu“ spricht – trotz der Drehorte – auf ihrer Internetseite ausdrücklich von einem Film über „die Pfalz der Nachkriegszeit“. Und weiter: „Sollte man sehen, weil die 1950er Jahre zwar schon im TV thematisiert wurden, aber der lokale Fokus auf die Pfalz, auf die US-Militärmacht und auf weibliche Heldinnen (…) für gute, weil originelle Unterhaltung sorgen könnten.“

„Von heute auf morgen“, so der SWR-Pressedienst zum Inhalt der Serie, „werden hunderttausende GIs stationiert und die Stützpunkte der US-Armee massiv ausgebaut“. Die „beschauliche, ja weitgehend archaische Provinz“ wandele sich „über Nacht in ein Eldorado der Dollars und der Unmoral – und zugleich in eine moderne Gesellschaft“.

Regie führt der in Israel geborene Dror Zahavi, der durch zahlreiche „Tatort“-Krimis sowie die Nico-Hofmann-Produktion „Die Luftbrücke“ (2005) bekannt geworden ist. Er ist zweifacher Träger der Goldenen Kamera sowie des Deutschen und das Bayerischen Fernsehpreises.

Zahavi gilt als Spezialist für publikumswirksam aufbereitete Zeitgeschichte. In „Little America“ dient die Nachkriegszeit als Hintergrund für vier Lebensläufe, die laut Ankündigung „auf dramatische Weise durch die Stationierung der Amerikaner gelenkt werden“. Eine Bauerntochter nimmt eine Stelle „auf der Base“ an, nachdem der Vater von den US-Streitkräften enteignet wird. Ein schwarzer US-Soldat erlebt auf deutschem Boden jene Freiheit, die in den Staaten durch Rassismus eingeschränkt ist. Die Tochter des profitgierigen Bürgermeisters von Kaltenstein indes stürzt sich ins aufblühende Nachtleben, ihr Bruder kehrt unverhofft aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück.

Der Heimkehrer wird von Jonas Nay dargestellt, der in Lübeck geboren wurde und zuletzt in der Hauptrolle des ARD-Films „Club der singenden Metzger“ zu sehen war. Die beiden Freundinnen spielen die gebürtige Berlinerin Elisa Schlott, soeben in „Unsere wunderbaren Jahre“ zu erleben, und die Hamburgerin Franziska Brandmeier („Parfum“, „Morden im Norden“). Als schwarzer G.I. agiert der Engländer Reomy D. Mpeho, der unlängst in der Arte-Serie „Tödliche Flucht“ auffiel.

In weiteren Rollen sind populäre TV-Stars wie Anna Schudt, Julia Koschitz, Philippe Brenninkmeyer, Samuel Finzi und der Kölner „Tatort“-Fahnder Dietmar Bär zu sehen.

Ein berlinernder Schauspieler mit Verbindung ins Pfalztheater

Einen bäuerlichen Patriarchen gibt Aljoscha Stadelmann, gefeierter Charakterstar an Hamburger und Berliner Bühnen, TV-bekannt durch die ungewöhnliche, im Harz spielende Dorf-Krimireihe „Harter Brocken“. Er ist in Wuppertal zur Welt gekommen und spricht nach Angaben seiner Agentur neben Englisch und Französisch auch „fließend Berlinerisch“. Inwieweit diese Sprachkenntnisse in „Little America“ zur Anwendung gelangen, bleibt abzuwarten. Aber wenn man so will, stellt der hochgelobte Stadelmann immerhin eine tatsächliche Verbindung zum Südwesten her – zumindest hinter den Kulissen: Er ist der Bruder der Schauspielerin Aglaja Stadelmann, die seit 2018 zum Ensemble des Pfalztheaters Kaiserslautern gehört.

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