Kultur Kultur mit oder ohne Sternchen
Sie kommen aus Neustadt, Wuppertal, Bogotá, Kattowitz, Seoul, London und Kalifornien: Acht ehemalige Meisterschüler namhafter Kunsthochschulen bündeln ihr kreatives Potenzial für eine gemeinsame Ausstellung vom 25. August bis zum 23. September im Speyerer Kulturhof Flachsgasse. Der Anlass: Der Kunstverein der Domstadt feiert sein 50-jähriges Bestehen. „Congratulations“ – frei nach einem alten Schlager des noch um einiges älteren britischen Sängers Cliff Richard – heißt die Jubiläumsschau. Versprochen wird „ein spannendes wie vielfältiges Spektrum der aktuellen Kunstszene“: So ist die 1984 in Neustadt geborene Anne-Louise Hoffmann, die in Köln und Mainz arbeitet, mit Installationen, Performances und Videos vertreten, in die sie unter anderem ihre Erfahrungen als Sängerin einer Band einbringt. Ellen Akimoto, Christian Jaramillo, Aneta Kajzer, Daniel Man (alle Malerei), Jaana Caspary (Fotografie, Plastik, Skulptur), Ted Green (Malerei, Installation) und Hyun Jin Kim (Plastik, Skulptur) sind ihre Kollegen. Doch damit nicht genug: Um das Jubiläum auch gesellschaftspolitisch standesgemäß zu feiern, haben sich Gäste aus Mainz angesagt: Das Kuratorinnen-Kollektiv „Orga Orga“ veranstaltet von Freitag bis Sonntag im Speyerer Zimmertheater, das sich im gleichen Gebäude wie der Kunstverein befindet, ein feministisches Kulturfestival. Unter dem Titel „Well.Ness Bad.Ass“ planen die Kuratorinnen nach eigenen Angaben in Zusammenarbeit mit dem rheinland-pfälzischen Kultursommer ein Rahmenprogramm aus verschiedenen Veranstaltungen. Dafür, so erfährt das staunende Publikum, machten sich zehn „internationale Künstler und Theoretiker“ eigens auf nach Speyer – im feministisch korrekten Kollektiv-Deutsch finden hier jeweils ein Sternchen und der Zusatz „-innen“ Verwendung. Ob mit oder ohne Sternchen – im Mittelpunkt stehen soll den Informationen zufolge „das Themenfeld körperliche und mentale Gesundheit im Kontext von Kunst und Kultur“. Dabei gelte es, „zeitbasierte künstlerische Medien mit wissenschaftlichen Formaten“ zu kombinieren. So solle sich eine „Programmdramaturgie“ mit „verschiedenen inhaltlichen Perspektiven“ und „Partizipationspotenzialen“ fürs Publikum ergeben. Kurz: Solcherart umfassend theoretisch unterfüttert, solle der Kunstverein für ein Wochenende zum „Speyer Spa“ werden. Wer’s gern konkreter mag: Dahinter verbergen sich unter anderem ein meditativer Yoga-Kurs, Kurzfilme, Lesungen, ein Sportpädagoge, der unter dem schönen Titel „Wir sind Orchideen“ über „ethnografische Untersuchungen der Fitnesskultur“ spricht, und – am Samstagabend – eine performative Skulptur namens „Nahrungswippe“. Dabei, so heißt es, gebe es „kleine, köstliche Speisen“ zu kaufen, die „das Potenzial haben, das Wohlbefinden zu steigern“. Mahlzeit! Termine und Kontakt —Ausstellung „Congratulations“ zu sehen beim Speyerer Kunstverein vom 25. August bis zum 23. September, donnerstags bis sonntags, 11 bis 18 Uhr —Festival-Informationen gibt es unter der Internet-Adresse www.orgaorga.net.