Corona-Hilfen RHEINPFALZ Plus Artikel Kleine Schritte: Wie die Programmkinos der Pfalz das Förderprogramm des Landes nutzen

Zeigt seit 28. Mai wieder Filme, auch am morgigen Samstag zur „Kurzen Nacht der Kultur“: das Union-Kino Kaiserslautern.
Zeigt seit 28. Mai wieder Filme, auch am morgigen Samstag zur »Kurzen Nacht der Kultur«: das Union-Kino Kaiserslautern.

500.000 Euro sind im Landesprogramm „Im Fokus – 6 Punkte für die Kultur“ eingeplant, um Programmkinos während der Coronakrise zu unterstützen. Bisher haben neun der rund 20 für die Förderung in Frage kommenden Kinos Unterstützung aus diesem fünften Hilfstopf beantragt.

Um einen Blick nach vorn soll es bei dem Hilfsprogramm des Landes gehen. Die von den verordneten Schließungen gebeutelten Programmkinos sollen fit für die Zukunft gemacht werden. Bei der Provinz 80 GmbH, die in Kaiserslautern das Union-Kino und in Enkenbach das Provinzkino betreibt, setzt man dabei aufs Thema Frischluft: Um die geplanten Open-Air-Kinoabende unter besten Voraussetzungen anbieten zu können, hat die GmbH beim Land 15.000 Euro für einen leistungsstarken Beamer beantragt, berichtet Geschäftsführer Stefan Sprengart. Noch sei der Antrag zwar nicht bewilligt, aber von der zuständigen Referentin im Kulturministerium seien positive Signale gekommen, so dass das Gerät schon bestellt werden könne.

Mit neuem Beamer in die Zukunft

Im Einsatz sein soll der Beamer dann ab Mitte Juli vier Mal in Alsenborn im angestammten Open-Air-Standort Krämers Hof. Außerdem habe die Verbandsgemeinde einen Open-Air-Abend im Freibad angefragt, so Sprengart. Laufen soll „Bohemian Rhapsody“. Laut der seit diesen Mittwoch geltenden neuen Corona-Verordnung des Landes sind Open-Air-Veranstaltungen mit bis zu 350 Besuchern wieder erlaubt.

Eine weitere Finanzspritze sei unterdessen vom Bund bereits eingetroffen, erläutert Sprengart: Kulturstaatsministerin Monika Grütters hatte einen zusätzlichen Programmkinopreis an bisherige Bundespreisträger ausschütten lassen. „Flott und problemlos“, seien je 10.000 Euro für die beiden Kinos geflossen, so Sprengart.

Publikum noch „sehr vorsichtig“

Das Kinopublikum indes sei nach wie vor zurückhaltend. Die Lage sei „sehr schwierig“, sagt Sprengart seufzend. In Kaiserslautern wird seit 28. Mai, in Enkenbach seit 29. Mai gespielt. „Die Leute sind noch verunsichert und sehr vorsichtig.“ Obwohl sich Kinofreunde angesichts der modernen Lüftungsanlage in den Kinos und den Abstandsregeln keine Sorgen machen müssten. Zur „Kurzen Nacht der Kultur“ in Kaiserslautern am Samstag, 27. Juni, bietet das Union denn auch ein Sonderprogramm: Je um 19 und um 21 Uhr laufen unter dem Titel „Bits & Bites“ rund 60 Minuten lang Kurzfilme zum Thema Online und Digitales. Zudem kann im Foyer die Ausstellung „Nördliche Blicke und Reflexionen“ von Roy Albuquerque besichtigt werden.

Zu wenige Filmstarts

Noch geschlossen dagegen hat Michael Kalteneggers Kino Roxy in Neustadt, das der Kinobetreiber vermutlich noch im Juli öffnen möchte – allerdings möchte er abwarten, was die Verleiher nun tatsächlich an Neuem anbieten. Bisher ist für 2. Juli zumindest der Start von Christian Petzolds Wassermärchen „Undine“ fix. „Das ist ein wunderschöner Film, und ich freue mich darauf, ihn dann auch im Roxy zu zeigen, aber davon allein kann ich nicht leben“, sagt Kaltenegger. Für Juli und August ist das Angebot an Neustarts sehr mager. Kaltenegger spricht gar von einer „beschissenen Situation“, auch wenn er die Lage der Verleiher verstehe, die ihre teuer eingekauften Filme noch nicht anlaufen lassen wollen, so lange nicht überall die Kinos offen haben. Und eine Marketingkampagne brauche auch Vorlauf. Der erste Hollywood-Film kommt via Warner erst am 30. Juli ins Kino: Christopher Nolans Science-Fiction-Thriller „Tenet“. Andere Verleiher brächten im Sommer gar nichts heraus, oder aber „Ladenhüter, für die es kein Publikum gibt“, hofft Kaltenegger auf den September.

Kaltenegger: „Einiges an Ideen“

Zufrieden ist der Kinomacher dagegen mit der Resonanz auf sein Autokino-Angebot in Lachen-Speyerdorf, das fünf Wochen lang lief. Er hätte gerne noch weitergemacht, jedoch war die Leinwand bereits weitervermietet. Den Fördertopf des Landes aus dem „Fokus“-Programm hat Kaltenegger indes noch nicht angezapft, er bereitet allerdings einen Antrag vor: „Ich habe einiges an Ideen im Kopf, aber es ist noch nicht spruchreif.“

Geld für neue Heizung

Das Capitol in Limburgerhof wiederum setzt auf eine Kombination an Hilfen: Über die Filmförderanstalt (FFA) des Bundes und ihr Programm „Grünes Kinos“ für den ländlichen Raum beantragen die Betreiber Dieter Janneck und Susanne Deickert derzeit Gelder für eine neue Heizung und eine neue Klimaanlage. Der Bund übernehme 80 Prozent der Kosten, das Land im Anschluss – sobald der FFA-Bescheid durch ist – weitere zehn Prozent, erläutert Dieter Janneck. Dank eines günstigen Angebots sei mit Kosten von insgesamt bis 55.000 Euro zu rechnen. Die Heizung war nach 65 Jahren einen Tag vor Heiligabend 2019 kaputt gegangen – und man habe sich flott einen mobilen Ersatz beschaffen müssen, um das alljährliche Heiligabendprogramm des Kinos zu retten, erinnert sich Janneck.

„Waren auch schon ausverkauft“

Das ehrenamtlich geführte Capitol hat nach der Corona-Schließung seit 27. Mai wieder auf. „Und wir sind glücklich, dass wir wieder spielen dürfen“, sagt Janneck. Knapp über 50 der 200 Plätze dürfen belegt werden, „wir waren auch schon ausverkauft“. Etwa bei Guy Ritchies „The Gentlemen“, berichtet der Kinoenthusiast. Die übliche längere Sommerpause im Capitol falle dieses Jahr auch weg, lediglich im August müsse zum Einbau der Heizung rund drei Wochen zu sein, kündigt Janneck an.

Vorerst noch geschlossen: das Roxy in Neustadt. Betreiber Michael Kaltenegger wartet auf weitere Filmneustarts der Verleiher.
Vorerst noch geschlossen: das Roxy in Neustadt. Betreiber Michael Kaltenegger wartet auf weitere Filmneustarts der Verleiher.
Freut sich, wieder Kino machen zu dürfen: Capitol-Betreiber Dieter Janneck hinter Plexiglas an der Kasse in Limburgerhof.
Freut sich, wieder Kino machen zu dürfen: Capitol-Betreiber Dieter Janneck hinter Plexiglas an der Kasse in Limburgerhof.
x