Porträt RHEINPFALZ Plus Artikel Keine Scheu vor unbequemen Wegen: Die Schauspielerin Rebecca Immanuel

Nachdem sie im Frühjahr bei „The Masked Singer“ dabei war, folgt nun das Debütalbum: Schauspielerin Rebecca Immanuel.
Nachdem sie im Frühjahr bei »The Masked Singer« dabei war, folgt nun das Debütalbum: Schauspielerin Rebecca Immanuel.

Es gibt sie in so gut wie jeder Branche: Menschen, die eigentlich alles für eine große Karriere mitbringen, aber dennoch nicht über die zweite Reihe hinauskommen. Ein Beispiel dafür ist die Schauspielerin Rebecca Immanuel. Zu ihrem 50. Geburtstag am 13. November erfüllt sie sich jetzt einen Herzenswunsch.

Die Internet-Community reagierte irritiert: „„Wer, zum Teufel, ist Rebecca Immanuel?“, lautete der Tenor der meisten Kommentare an diesem Dienstagabend im Frühjahr. Denn dieser Name fiel, als „die Göttin“ in der Fernsehshow „The Masked Singer“ enttarnt wurde. Dem Sender Pro 7, vermuteten manche, gingen wohl die Prominenten aus. Eine Reaktion, die 18 Jahre zuvor kaum vorstellbar gewesen wäre.

Da nämlich mischte Rebecca Immanuel gerade die deutsche Serienlandschaft auf. Von 2002 bis 2005 verkörperte die Schauspielerin „Sandra Starck“, eine unverbesserliche Romantikerin in der scheinbar rauen Schale einer Berliner Rechtsanwältin. Immanuel, ihr Schauspielkollege Christoph M. Ohrt sowie die vor Witz, Charme und Originalität sprühenden Drehbücher hoben „Edel & Starck“ bei Sat.1 weit über damals übliches Serienniveau hinaus. Bis – zur allgemeinen Überraschung – nach vier Staffeln und 52 Episoden mit einem Happy-End Schluss war. Schauspieler und Produktionsteam hatten sich darauf geeinigt, aufzuhören, solange sie noch gut waren – und nicht einen schleichenden Qualitätsverlust zu riskieren.

Leidenschaft fürs Reisen

Eine ebenso konsequente wie unpopuläre Entscheidung. Es sollte nicht die einzige in der weiteren Laufbahn der gebürtigen Sonja Zimmer aus Oberhausen bleiben. Denn die dachte mitnichten daran, weiterhin Figuren wie „Sandra Starck“ zu spielen, was nach der vielfach preisgekrönten Serie ein Leichtes gewesen wäre. Vielmehr orientierte sie sich bei der Auswahl ihrer Rollen lieber daran, ob ihre Leidenschaft fürs Reisen damit zu verbinden war. So drehte sie etwa in Rimini, Rio de Janeiro und Kapstadt – aber eben Fernsehfilme, die sich „versendeten“. Auch die Nebenrolle, mit der sie seit sieben Jahren zum Ensemble der ZDF-Arztserie „Der Bergdoktor“ gehört, ermöglicht ihr einmal im Jahr Dreharbeiten in der Tiroler Region „Wilder Kaiser“.

Zunehmend vermittelte Immanuel den Eindruck, dass kommerzieller Erfolg im Beruf für sie nicht an erster Stelle steht. Unbequeme Wege scheute sie nicht, wenn Menschen oder Projekte ihr am Herzen lagen. Das galt für Filme wie „Böseckendorf – die Nacht, in der ein Dorf verschwand“ und den Berliner „Tatort: Mauerpark“. Es gilt insbesondere, wenn es um ihren Ehemann und den 2010 geborenen Sohn geht, die die Schauspielerin konsequent aus der Öffentlichkeit heraushält.

Ausflug in die Eifel

Vor vier Jahren dann übernahm Immanuel in der ARD-Filmreihe „Die Eifelpraxis“ die Hauptrolle einer alleinerziehenden Berliner Krankenschwester, die Versorgungsassistentin in der rheinland-pfälzischen Provinz wird. „Mich interessieren Figuren, die einen großen Teil unserer Gesellschaft ausmachen“, sagte sie damals. Nach neun Folgen und soliden Einschaltquoten stieg sie aus. Die nächsten zwei Episoden der reichlich kitschigen Serie entstehen ohne sie.

2017 besetzte Sat.1 seine früheren Erfolgsgaranten Immanuel und Ohrt für die Komödie „Die Hochzeitsverplaner“. Doch altersbedingt spielte das einstige Serien-Traumpaar nun Mutter- und Vaterfiguren. Mehr noch: So sehr die Schauspieler sich auch bemühten, die Gags wirkten eher lahm, und der einstige Charme stellte sich nicht mehr recht ein. Programmmacher sähen in ihr und ihrem Kollegen nur „Edel & Starck“, kritisierte die Schauspielerin seinerzeit in einem Interview. Ihre Figur im Film beschrieb sie als „herzliche, nicht geerdete, fluffige Esoterik-Maus“. Wer Rebecca Immanuel bei öffentlichen Auftritten, etwa in Talkshows, reden hört, kann sich des Eindrucks kaum erwehren, dass sie da auch ein Stück weit über sich selbst gesprochen hat.

Das Debütalbum „Light“

Als „Göttin“ schließlich hatte die Schauspielerin schon nach drei Shows ausgesungen, und doch könnte „The Masked Singer“ sich nachträglich als Schlüsselerlebnis für ihre Zukunft erweisen: Die Frau, die in ihrer Jugend Frontfrau einer Rockband war und parallel zu ihrem Schauspielstudium eine Gesangsausbildung absolviert hatte, fand den Mut, einer lang gehegten Sehnsucht nachzugeben. Das Ergebnis ist ihr Debütalbum „Light“, auf dem sie Weihnachtslieder covert – von Klassikern wie „Winter Wonderland“ über Chris Reas „Driving Home For Christmas“ bis zu „The Power Of Love“ von Frankie Goes To Hollywood.

Weder ist der Ansatz sonderlich originell noch besticht sie mit herausragendem Gesang. Dennoch könnten ihre entspannten Interpretationen offene Ohren finden, wenn jemand sich nach Entschleunigung sehnt. So überrascht Rebecca Immanuel zu ihrem 50. Geburtstag am 13. November mit einer neuen künstlerischen Ausdrucksform, scheint sich aber auch dort eher in der zweiten Reihe wohl zu fühlen – vorerst jedenfalls.

Das Album

Rebecca Immanuel: „Light“, erscheint am 13. November bei Rent-A-Record
Serien-Traumpaar: Rebecca Immanuel und Christoph M. Ohrt in „Edel & Starck“ (2002–2005).
Serien-Traumpaar: Rebecca Immanuel und Christoph M. Ohrt in »Edel & Starck« (2002–2005).
Elternrollen: Rebecca Immanuel und Christoph M. Ohrt in „Die Hochzeitsverplaner“ (2017).
Elternrollen: Rebecca Immanuel und Christoph M. Ohrt in »Die Hochzeitsverplaner« (2017).
Die „Göttin“ wird enttarnt: Rebecca Immanuel in der zweiten Staffel von „The Masked Singer“.
Die »Göttin« wird enttarnt: Rebecca Immanuel in der zweiten Staffel von »The Masked Singer«.
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