Worms RHEINPFALZ Plus Artikel Probenbeginn bei den Nibelungenfestspielen

Team und Ensemble der diesjährigen Nibelungen-Festspiele vor dem Probenstart: (von links) Nathan Bartman, Petra Simon, Risha Sil
Team und Ensemble der diesjährigen Nibelungen-Festspiele vor dem Probenstart: (von links) Nathan Bartman, Petra Simon, Risha Silvera, Christopher Evans, Mareike Villnow, Alexander Wolfe Doris Lingenau, Heiko Raulin, Miguel Torres Umba, Jeanette Hain, Sean Turner, Maria Dragus, Thomas Laue, Oliver Lansley, Aram Tafreshian, James Seager, Anna Martine Freeman, Alice Merton, Kayleigh Marsh Davis, Fiona Porritt, Vinzenz Wagner, Markus Reis, Kate Ledina.

„Die Hunnenkönigin“ kommt, König Etzel, Gunther, Hagen und Siegfried. Im Wormser Theater haben am Dienstagvormittag die Proben für die Nibelungenfestspiele begonnen.

Kriemhild setzt sich neben Etzel, Hagen daneben und Ute an seine Seite. Vor dem monumentalen Nibelungen-Wandteppich im ersten Geschoss des Theaters nehmen die Schauspieler ihre Plätze ein, dazu Musiker, Tänzer und die zwei Regisseure. Insgesamt 28 Personen gehören zu diesem engeren Kreis, um den herum noch einmal zahlreiche weitere Mitwirkende sich versammelt haben. Das gesamte Team, und das ist dann doch noch größer, als man sich so vorstellen mag. Im Grunde sind es gleich mehrere Teams aus den verschiedensten Gewerken, denn einige Mitarbeiter haben ihrerseits ihre Mitarbeiter dabei, die dafür Sorge tragen, dass alle Ideen und Pläne für die Bühne fach- und termingerecht umgesetzt werden.

Im Kreis um Geschäftsführerin Petra Simon und Thomas Laue, den Künstlerischen Leiter, werden die Gespräche in Deutsch und Englisch geführt. Der britische Theatermacher Oliver Lansley hat „Die Hunnenkönigin“ – „The Hun Queen“ – in seiner Muttersprache verfasst und hört jetzt gespannt, zum allerersten Mal seine Dialoge, übersetzt von John Birke, auf Deutsch. Zusammen mit James Seager leitet er die Londoner Theatercompagnie „Les Enfants Terribles“.

Große Rache-Story

„Die Hunnenkönigin“ werden Lansley und Seager gemeinsam inszenieren, deren Arbeiten in Worms als „eine Mischung aus großem Schauspielertheater, Musik, publikumswirksamen Zirkuselementen, Magie und Puppenspiel“ gepriesen werden. Sie möchten die Geschichte von Kriemhild als ein politisches Ränkespiel und eine große Rache-Story um eine ungewöhnliche Liebe und schmerzhaften Verrat entwickeln. „Eine Rache, die nicht nur die Verhältnisse in Burgund und im Hunnenland auf den Kopf stellt, sondern auch schmutzige Deals entlarvt und dabei ebenso fantasievoll wie tödlich ist.“

Ungewohnt international

Um ihre Vorstellungen dieser „theatralen Achterbahnfahrt“, so die Ankündigung, auf die Bühne am Dom zu bringen, haben sie sich Vertraute aus England mitgebracht, die das mit den Deutschen, dem Österreicher Vinzenz Wagner (als Siegfried) oder dem Kolumbier Miguel Torres Umba (als Harwart) bewerkstelligen werden. So wird das Nibelungenlied, immerhin über zwei Jahrhunderte als das deutsche Nationalepos angesehen, auf einmal ungewohnt international. Musik vom Briten Alexander Wolfe und der Hessin Alice Merton („No Roots“), Absolventin der Mannheimer Popakademie, sowie Tanz, zwei universelle Sprachen mithin, dürften über das Wort hinaus einen bedeutenden Anteil erhalten.

Auch die 31-jährige Maria Dragus, die die Hauptrolle spielt, kommt vom Tanz und wird (nach zahlreichen Rollen in Film und Fernsehen) in Worms zum ersten Mal als Schauspielerin auf einer Bühne stehen. Tatsächlich verkörpert sie die „Hunnenkönigin“, die nach dem Tod Siegfrieds das Lager wechselt und damit zur mächtigsten Frau des Kontinents aufsteigt.

Publikum sitzt in den Kulissen

Noch wird im unteren wie im oberen Foyer reichlich fotografiert, Gruppenbilder und Einzelporträts, Audio- und TV-Aufnahmen werden gemacht, Interviews gegeben, und dazwischen begrüßen und umarmen sich Schauspieler und Teammitglieder, die vielleicht schon einmal miteinander gearbeitet haben und sich jetzt wiedersehen. Auf einem Tisch hat der Set Designer Sean Turner, ein Brite, ein Modell seines Bühnenbildes platziert, das erahnen lässt, wie nah die vorderen Reihen des Publikums vor und fast in den Kulissen sitzen werden.

An zwei Stellwänden hängen die Kostümentwürfe von Susan Kulkarni, ebenfalls Britin, samt Stoffproben, die noch weiter zu jener Vorstellung beitragen, die man sich so schon im Vorfeld, gut sechs Wochen vor der Uraufführung, von den maßgeschneiderten Kostümen machen kann.

Prolog führt ins Haus Burgund

Wenigstens zehn Minuten lang, sind die Pressevertreter dann eingeladen, der ersten deutschen Leseprobe, dem Prolog, beizuwohnen. Er führt in das Haus Burgund, das mit einem ausschweifenden Festmahl den Geburtstag seines Anführers König Gunther feiert. Alsbald besteigt seine rechte Hand Hagen von Tronje den Tisch, um das Wort zu ergreifen. „Freunde, Burgunder, Stammesbrüder!“ adressiert er, bevor Ute, die Mutter des Königs, spricht. Es folgen überraschend drei Schläge ans große Portal und „ein Schauer des Unbehagens überkommt den Hof“, als Kriemhild, Gunthers Schwester, eintritt. Wie es danach weitergeht, wird man sehen. Alle Pressevertreter, jedenfalls, müssen vorläufig gehen.

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